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Schalke-Neuzugang Hamza Mendyl: Die marokkanische Grätsch-Maschine

10:00 MESZ 22.08.18
GERMANY ONLY Hamza Mendyl FC Schlake 04 21082018
Der Schalke-Neuzugang stand eigentlich kurz vor einem Wechsel zum FC Arsenal, landete dann aber doch in Gelsenkirchen. Goal stellt Hamza Mendyl vor.


HINTERGRUND

Die Fans im Olympiastadion zu Kiew machten sich schon zum Jubeln bereit, als Yevhen Konoplyanka den Ball auf Donezk-Star Marlos durchsteckte. Doch als der Rechtsaußen gerade zum 1:0 einschießen wollte, wagte ein marokkanischer Verteidiger eine waghalsige Grätsche von hinten und schaffte es so, das womöglich sichere Tor für die Ukrainer zu verhindern. Entsetzen machte sich in den Gesichtern aller Ukrainer im Stadion breit und man fragte sich: Wer bitte ist dieser wild grätschende Typ? 

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"Wer grätscht, verliert", ist eine Fußballfloskel, die gerade in Zeiten des Tiki-Taka häufig von Trainern aller Spielklassen verwendet wird. Einen Satz, den Hamza Mendyl entweder nie zuvor gehört hat oder einfach widerlegen wollte. Denn seine Kamikaze-Grätsche war nicht weniger als eine sensationelle Rettungstat. 

Dass dem 20-jährigen Außenverteidiger, der damals noch beim OSC Lille in der französischen Ligue 1 unter Vertrag stand, dieses Kunststück gelang, ist kein Zufall, sondern hartes Training und Talent. Ein Talent, welches auch der FC Schalke 04 erkannte und den Linksfuß Mitte August unter Vertrag nahm.

Transfer von Hamza Mendyl zum FC Arsenal scheiterte in letzter Minute 

"Lasst Euch überraschen" erklärte Christian Heidel grinsend auf das Potenzial von Mendyl angesprochen. "Die Entwicklung von diesem Jungen ist schon außerordentlich." Nur 16 Pflichtspiele bei seiner ersten Profistation in Lille brauchte der Marokkaner, um sich in den Fokus zahlreicher Top-Klubs zu spielen. Denn nicht nur die Gelsenkirchener waren am Linksverteidiger interessiert. Auch Premier-League-Klubs wie Arsenal und Newcastle United wollten den WM-Teilnehmer verpflichten. Ein Transfer zu den Gunners scheiterte lediglich an der fehlenden Arbeitserlaubnis.

Dass der Wechsel zu Arsenal in letzter Minute platzte, war für Schalke eine glückliche Fügung, denn seit feststand, dass Bastian Oczipka noch mindestens sechs Wochen verletzt ausfällt, suchte Königsblau händeringend nach einem passenden Ersatz für den linken Flügel. "Wir wollen einfach keine Schnellschüsse, deswegen haben wir ihn lange beobachtet. Dass er bei der WM nicht gespielt hat, war sicherlich nicht so verkehrt. Sonst wäre er nicht unterhalb des Radars gelaufen." 

Auf Schalke angekommen, bewies der Marokkaner schon in seinen ersten Trainingseinheiten, dass sich die Geduld bezahlt machen könnte. Hoch motiviert zeigte er, dass er mehr mitbringt als nur riskante Grätschen. Vor allem sein außergewöhnliches Tempo beeindruckte Mitspieler, Fans und den Coach. 

Hamza Mendyl: Stark in der Offensive, Schwächen im Defensivverhalten 

Die Knappen sehen in Mendyl die Idealbesetzung für die Position des linken Flügelspielers im Fünfermittelfeld. Eine Position, die auch nach Einschätzung von Haytham Mohamed von Goal-Arabien perfekt zum 13-maligen Nationalspieler passt: "Hamza ist eigentlich Außenverteidiger, der aber auch offensiver spielen kann. Für Marokko hat er im Mittelfeld seine besten Spiele gemacht." 

Perfekt ist sein Spiel allerdings noch längst nicht. Obwohl viele der Grätschen sitzen, kann man sein Defensivverhalten durchaus als ungestüm bezeichnen, was wohl auch daran liegt, dass er vor seinem Wechsel in die Ligue 1 zumeist im Mittelfeld oder sogar als Flügelstürmer agiert hat. "Er denkt eher wie ein Offensivspieler und muss seine Abläufe in der Defensive weiter verbessern", erklärt Mohamed. 

Bis 2023 hat Königsblau den 20-Jährigen gebunden. Genug Zeit also, aus der Grätsch-Maschine einen Flügelverteidiger mit Auge und Weitsicht zu machen. Wie viel Zeit Mendyl allerdings tatsächlich bekommt, um sich in Gelsenkirchen einzuleben, ist fraglich. 

Schon ein Kaderplatz am 1. Bundesligaspieltag gegen den VfL Wolfsburg gilt als wahrscheinlich. Und womöglich steckt Konoplyanka schon bald den Ball auf den nach vorn stürmenden Mendyl durch. Einen Verteidiger, der mit waghalsiger Grätsche dazwischenfunkt, sucht man dann wohl vergeblich. 

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