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Schalke-Debütant Coke: Mann für die besonderen Spiele

12:00 MESZ 03.04.17
Coke FC Schalke 04 Borussia Dortmund 01042017
Nach langer Leidenszeit feierte der Spanier im Derby seine Pflichtspielpremiere – doch es war längst nicht die erste große Schlacht seiner Karriere.

"Im Derby werden die schönsten Geschichten geschrieben", erklärte S04-Trainer Markus Weinzierl nach dem Remis gegen den Rivalen aus Dortmund und schmunzelte. Doch mit dieser Floskel aus dem Derby-Lehrbuch meinte er nicht etwa den ersten Bundesliga-Treffer von Schalke-Eigengewächs Thilo Kehrer oder den fragwürdigen Maskenjubel von BVB-Star Pierre-Emerick Aubameyang. Weinzierl sprach vielmehr vom Debüt eines "besonderen Spielers".  

Gemeint ist der ehemalige Sevilla-Kapitän Coke, der exakt 240 Tage nach seinem Kreuzbandriss sein Pflichtspieldebüt für Königsblau feiern durfte. "Endlich ist er mal im blau-weißen Dress aufgelaufen, es hat ja ein bisschen länger gedauert", fasste Kapitän Benedikt Höwedes zusammen und freute sich für seinen Teamkollegen.

Anders als bei den meisten Debüts nach langer Verletzung wurde der Spanier nicht etwa in der Schlussphase eines bereits entschiedenen Spiels eingewechselt, sondern stand vier Wochen nach der Rückkehr ins Mannschaftstraining sofort in der Startelf – und das im für viele Schalker wichtigsten Spiel der Saison. "Es war ein sehr besonderer Tag für mich. Ich bin endlich zu meinem ersten Pflichtspiel für Schalke gekommen. Dass es dann auch noch das Derby war, ist natürlich umso schöner", schwärmte der 29-Jährige nach der Partie und strahlte dabei über das ganze Gesicht.

Warme Worte von Heidel

Fast komplett ohne Spielpraxis ließ er seine Klasse allerdings nur in Ansätzen aufblitzen. Die wohl beste Szene hatte er kurz vor der Pause, als er sich nicht von Shinji Kagawas Tänzchen ablenken ließ und dem Japaner an der Strafraumkante souverän den Ball abluchste. Ansonsten war Coke gegen seinen pfeilschnellen Gegenspieler Ousmane Dembele anzusehen, dass er noch längst nicht in Top-Form ist.

Gerade einmal 25 Prozent seiner zwölf Zweikämpfe konnte er für sich entscheiden. Werte, die für Sportvorstand Christian Heidel allerdings kein Grund zur Sorge sind: "Man hat zwar gesehen, dass er noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, doch nur so bekommt er Spielpraxis. Ich bin froh, dass er gespielt hat. Sicherlich ist leistungsmäßig noch Luft nach oben, doch es ist klar, dass er nach einer so langen Verletzung nicht sofort spielt wie im Europa-League-Finale gegen Liverpool – das darf man nicht erwarten."

Dass Coke überhaupt auf dem Rasen stehen durfte, lag indes nicht nur an seiner unbestrittenen Klasse. Vielmehr sorgten die Verletzungen von Dennis Aogo und Sead Kolasinac für die verfrühte Startelf-Premiere. "Ich hätte ihm gern noch mehr Trainingseinheiten, Spielminuten und Kurzeinsätze gegeben, um ihn dann von Anfang an zu bringen. Als aber klar wurde, dass Seo ausfällt, haben uns entschieden, ihn aufzustellen, weil er ein besonderer Spieler ist und weil es ein besonderes Spiel war", führte Weinzierl aus.

Prädestiniert für Derby-Schlachten

Trotz der Bedenken um Fitness und Spielpraxis des Sommer-Neuzugangs wusste Weinzierl, dass Coke in seiner langen Karriere schon ganz andere Schlachten bestritten hatte. Als Kapitän führte er seinen Ex-Klub aus Andalusien in Europa-League-Endspiele, Pokalfinals oder auch in hitzigen Spielen gegen den Erzrivalen Betis, Real Madrid und den FC Barcelona an. Eine Vita, mit der man nahezu prädestiniert ist, auch im Revier-Derby zu bestehen.

Ob Coke auch auf Schalke eine derart prägende Figur werden kann, wie er es in Sevilla war, muss er in den nächsten Monaten beweisen. Der erste Schritt ist mit seinem lang ersehnten Einstand nun jedenfalls gemacht. "Ich persönlich denke, dass ich jetzt erstmal drei Wochen Pause brauche", flachste er nach seinem Debüt – doch so lange Zeit zur Regeneration wird er nicht haben, denn schon am Dienstag wartet bei Werder Bremen die nächste schwierige Aufgabe für S04. 

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