Rumänien-Juwel und Lebemann Florinel Coman: Die Zigarette davor

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Goal
Florinel Coman ist 19, wird vom FC Chelsea gejagt und "hat Mbappe etwas voraus" - einer, dem alle Türen offenstehen. Wäre da nicht sein Lebenswandel.


HINTERGRUND

Der amerikanische Schriftsteller Paul Auster hat einmal gesagt: "In den dreißiger und vierziger Jahren haben die Schönen und Guten in den Filmen geraucht, heutzutage sind es die Traurigen oder Bösen. Früher war Rauchen fast gleichbedeutend mit Sex." Tatsächlich gehörte die Zigarette auf der Leinwand dazu wie das Popcorn beim Zuschauer. Die Hollywood-Größen von damals, Marylin Monroe oder Humphrey Bogart, ohne Kippe? Undenkbar. Rauchen galt als sexy, geheimnisvoll, versprühte Passion. Nach dem cineastischen Kopulieren erstmal eine qualmen. Die viel zitierte Zigarette danach.

Auch im Fußball wurde bis in die späten Neunziger zumindest geduldet, zündete sich ein Profi nach dem Training einen Glimmstängel an. Mario Basler beispielsweise machte keinen Hehl daraus, auch Fabien Barthez, David Ginola oder Paul Gascoigne waren bekannte Raucher. Prominente Trainer wie Marcelo Lippi oder Carlo Ancelotti rauchten öffentlich während des Spiels auf der Trainerbank. En vogue war es im Sport nie, verschrien allerdings auch nicht unbedingt.

Rebell gegen das neue Gesundheitsbewusstsein

In Zeiten, wo Vegansein plötzlich "hip" ist, Smoothies statt Bier gereicht werden und in Eckkneipen der Geruch von Duftbäumchen und billigem Deo die Runde macht, ist die Kippe längst dämonisiert. Sportler, die rauchen, gelten als unprofessionell, als Rebellen gegen das neue Gesundheitsbewusstsein. Umso verwunderlicher, wenn gerade ein junger, aufstrebender Spieler gerne mal zur Zigarette greift. Genau das tut Florinel Coman, Top-Talent aus Rumänien, aber – und das bringt ihm haufenweise Kritik ein.

Florinel wird in Braila geboren und schließt sich im Alter von 13 Jahren der Gheorghe Hagi Football Academy an, die vom gleichnamigen ehemaligen Superstar gegründet wurde. Hagi gilt als die Fußball-Ikone in Rumänien, 2009 ließ er das Nachwuchsleistungszentrum bauen, das rund elf Millionen Euro kostete und zu den modernsten Einrichtungen dieser Art in Südosteuropa zählt. Coman weiß prompt zu gefallen, verkörpert alle Eigenschaften eines modernen Flügelspielers: Schlank, wendig, schnell, technisch brillant. Drei Jahre lang lernt der Rohdiamant sein Handwerk in Hagis Schule, schafft im Anschluss gleich den Sprung zu Viitorul Constanta, dem Klub, dem die Akademie als Ausbildungsstandort dient.

ONLY GERMANY Florinel Coman Viitorul Constanta 01092015

Am Ende der vergangenen Saison gewinnt Viitorul erstmals die rumänische Meisterschaft. Ein Erfolg, der auch auf den herausragenden Leistungen Comans fußt. In 28 Pflichtspielen erzielt der Teenager sechs Treffer und legt sieben weitere Tore für seine Kollegen auf. Kein Wunder, dass Steaua Bukarest, das seine einstige Vorherrschaft in der rumänischen Beletage bedroht sieht, sich die Dienste des Emporkömmlings sichern will. Coman, eigenen Angaben zufolge immer schon Steaua-Fan, kommt den Lockrufen aus der Hauptstadt nach, Bukarest überweist im Gegenzug rund zwei Millionen Euro an den Hagi-Verein.

"Es ist bekannt, dass er gerne raucht"

Der Transfer des Eigengewächses verläuft allerdings nicht geräuschlos. Coman wird für sein Können von allen Seiten gelobt. Er sei "besser als Adrian Mutu", erklärt ein ehemaliger Kollege an der Hagi-Akademie, gibt allerdings gleichzeitig bei gsp.ro zu bedenken: "Es ist bekannt, dass er gerne raucht. Nicht einmal Hagi selbst konnte ihn davon überzeugen, dieses Laster dranzugeben." Ein Angestellter verriet: "Es gab Fälle, da hörte Hagi davon, dass Florinel bis in den frühen Morgen in Clubs abhing und Alkohol trank."

Förderer und Coach Hagi selbst sagte gegenüber ProX: "Wenn er meint, er müsse rauchen, dann ist das sein Problem. Er ist 19, er soll seinen Weg gehen." Die Barca-Legende konnte seinen Schützling – trotz gutem Zureden – nicht vom Rauchen abbringen. Mittlerweile hat sich Gigi Becali, Präsident beim FCSB, dem Jungen angenommen, will ihn auf den Pfad der Gerechten oder eben den Weg der Vernunft führen. Im Interview mit gsp.ro erklärte der Klub-Boss: "Er muss auch mal weniger an Frauen denken. Ich verstehe ihn ja, er ist ein Mann, aber als Profi musst du den Kopf frei haben. Wenn du den Fußball vergisst, vergisst du alles." Becali weiß: "Wenn er sein Leben nicht nach dem Sport ausrichtet, dann kann er alles verlieren. Ich habe dann lediglich zwei Millionen verloren, aber er läuft Gefahr, eine glänzende Karriere zu verschleudern. Er sollte dringend aufhören an Party, Kippen und Frauen zu denken."

Chelsea schickte Scouts nach Bukarest

Noch, so scheint es, hat der ausufernde Lebenswandel Comans keine Auswirkungen auf seine Leistungen. Ganz im Gegenteil: Der rumänische U21-Nationalspieler spielt sich stetig in den Fokus der ganz Großen. Der Mail on Sunday zufolge wird Coman aktuell vom englischen Meister FC Chelsea beobachtet. Demnach sei CFC-Direktor Michael Emenalo höchstpersönlich nach Bukarest gereist, um den Youngster zu scouten. Sollten die Blues wirklich in Erwägung ziehen, Coman an die Stamford Bridge zu lotsen, müsste man tief in die Tasche greifen. Im Vertrag des Offensivkünstlers, der bis zum Sommer 2022 läuft, soll nach übereinstimmenden Medienberichten eine Ausstiegsklausel über unglaubliche 100 Millionen Euro verankert sein.

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GIGI Becali GFX

Becali gerät derweil bezüglich seines neuen Shootingstars ins Schwärmen: "Ihr könnt sagen, dass ich verrückt bin, aber wenn wir uns Coman anschauen, hat er Kylian Mbappe sogar etwas voraus. Er ist besser im Dribbling", gab der 59-Jährige bei Sport.ro an. Ein durchaus ambitionierter Vergleich, betrachtet man die Umstände, dass der Franzose mittlerweile bei PSG mit Edinson Cavani und Neymar für Furore sorgt, während Florinel nur den wenigsten Fans geläufig sein dürfte.

Fest steht: Bei allem zweifelsohne vorhandenen Talent, wäre Coman gut damit beraten, auf seine Fürsprecher zu hören. Lässt man den gesundheitlichen Aspekt einmal beiseite, dürfte dem Wunderkind vor allem bei der jüngeren, fitnesssüchtigen Trainergeneration Ungnade drohen. Weil neben Können eben auch Disziplin und der Wille, dem privilegierten Beruf Fußballprofi alles unterzuordnen, ausschlaggebend sind. So verlockend Nikotin, Alkohol und Party auch sein mögen, ist es im Sport doch mittlerweile genauso wie Autor Auster sagt: "Heutzutage sind es die Traurigen." So sollte Coman die letzte Zigarette rauchen. Die letzte Zigarette davor, vor der großen Karriere.

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