Rückkehrer Renato Sanches überzeugt bei Testspiel-Sieg über PSG: Ein wiedergefundenes Lächeln

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Renato Sanches hatte es bislang nicht leicht beim FC Bayern, wurde im vergangenen Jahr ausgeliehen. Jetzt ist er wieder da – und zeigt sich verändert.


HINTERGRUND

Es war ein Moment mit Seltenheitswert: Renato Sanches, der stets in sich gekehrt wirkt, ließ sich ein kurzes Lächeln entlocken. Und das im Trikot des FC Bayern, das an diesem sommerlichen Samstag in Klagenfurt am Wörthersee in der gewöhnungsbedürftigen Farbkombination Mintgrün-Lila strahlte.

Nach Sieg gegen PSG: Arjen Robben spricht im Interview über Niko Kovac

Wenige Sekunden zuvor hatte der junge Portugiese einen Freistoß vom rechten Strafraumeck frech an der – zugegebenermaßen – nicht besonders gut gestellten Zwei-Mann-Mauer von Paris Saint-Germain in der kurzen Ecke versenkt. Ein kleiner Geniestreich eines Spielers, der in den vergangenen beiden Jahren so viel dieser ihm innewohnenden Qualität vermissen ließ, bei dem viele Experten aber auch immer wieder vergaßen, dass er erst am Anfang seiner Karriere stand und mit mittlerweile 20 Jahren selbstverständlich immer noch steht.

Die Tatsache, dass Renato bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich als 18-Jähriger zu den Leistungsträgern des späteren EM-Triumphators zählte sowie der Umstand, dass die Münchner im Anschluss an ebenjenes Turnier satte 35 Millionen Euro zuzüglich etwaiger Boni für den Teenager auf den Tisch legten, schienen eine unsichtbare, kaum zu stemmende Bürde auf die jungen Schultern gehievt zu haben.

Renato Sanches als Fremdkörper im Bayern-Team

Sobald Sanches für den Rekordmeister auflief, bekam man als Zuschauer schnell den Eindruck, er sei seinen Teamkollegen kurz vor Spielbeginn im Kabinentrakt zum ersten Mal über den Weg gelaufen und aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich mit zehn anderen Bayern-Profis auf dem Rasen gelandet.    

Bisweilen agierte Sanches zu ambitioniert, wollte in jeder Aktion etwas ganz Besonderes fabrizieren, manövrierte sich aber dadurch immer wieder in eine irreversible Abwärtsspirale. Nach einer – wohlwollend umschrieben - mäßigen Saison in der bayrischen Landeshauptstadt, sollte dann bei Swansea City alles besser werden. Stattdessen ging auch beim Premier-League-Klub aus Wales so ziemlich alles daneben. Lediglich zwölf Einsätze standen bei den Swans nach einer Spielzeit zu Buche, der Verein musste zu allem Überfluss den bitteren Weg in die 2. Liga antreten.

2018-05-18 Renato Sanches

Viel schwerer wog in Sanches‘ Fall allerdings die Bilanz des Swansea-Trainers Paul Clement, der nach nicht mal einem Jahr auf der Insel aufgrund ausbleibenden Erfolges im Dezember 2017 seine Koffer packen musste – und sein Scheitern infolgedessen nicht zuletzt am Mittelfeldmann festmachte.

Paul Clement: Renato "traf immer wieder falsche Entscheidungen"

"Als er kam, war er deutlich zerstörter, als ich gedacht hatte. Er war ein Junge der das ganze Gewicht der Welt auf seinen Schultern hatte", sagte der ehemalige Co. von Carlo Ancelotti im Interview mit The Times und schob nach: "Im Training, als er nicht unter Druck stand, war er der beste Spieler von allen. Aber in den Spielen traf er immer wieder falsche Entscheidungen. Die anderen Spieler beschwerten sich: 'Er spielt so und ich sitze auf der Bank?' Es wurde immer schwieriger, ihn aufzustellen."

Aussagen, die für einen sich noch in der Entwicklung befindenden Spieler wie kleine, schmerzhafte Dolchstiche anmuten mussten. Dass der FCB sich dennoch dazu entschloss, den Europameister wieder in seine hochdekorierten Reihen aufzunehmen, sorgte bei vielen, die Sanches trotz seines Alters bereits abgeschrieben hatten, für Stirnrunzeln. Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, ihn zu seinem Jugendklub Benfica abzugeben, selbst wenn man nicht ansatzweise die Summe zurückerhält, die man damals an den Hauptstadtklub überwiesen hatte?

Gelungenes Kovac-Debüt: FC Bayern bezwingt PSG im ICC

Es hat immer mehr den Anschein, als habe vor allem einer sich gegen einen dahingehenden Transfer ausgesprochen: Niko Kovac, Bayerns neuer Coach. Schon bei seiner Antritts-Pressekonferenz Anfang Juli hatte der Kroate angekündigt, Renato "zu integrieren, damit er sich wohlfühlt." Zudem hatte Kovac erklärt: "Ich wünsche mir, dass er den Kampf annimmt. Dann kann er die Leistung bringen, die wir von ihm erwarten." Ein Vertrauensbeweis, der bei Sanches ganz offensichtlich den gewünschten Effekt ausgelöst hat.

Beobachtet man ihn dieser Tage beim Training an der Säbener Straße, dann fällt auf, dass Renato in jeder kräftezehrenden Übungseinheit sehr fokussiert und konzentriert wirkt. Sein Blick eisern, die Körpersprache positiv, offen, keine Spur von gebückter Haltung. Ebenso präsentierte er sich im ersten Test der Saison, die natürlich zu diesem Zeitpunkt noch in den Säuglingsschuhen steckt. Gegen PSG überzeugte Sanches durch Lauffreudigkeit, Kreativität und Durchsetzungsvermögen.

Renato Sanches FC Bayern PSG ICC

Sinnbildlich für seine Leistung gegen die C-Elf des französischen Meisters stand eine Szene Mitte der ersten Hälfte als er sich an gleich vier Spielern des Kontrahenten vorbeitankte. Nicht sonderlich grazil zwar, aber kraftvoll, mit unbedingtem Willen aufwartend. Zu den ersten Gratulanten zählte im Anschluss an die Partie dann Kovac. Auf der Pressekonferenz sagte der 46-Jährige: "Es freut mich für Renato, der ja keine einfache Zeit in München hatte. Aber ich habe gleich am ersten Tag gesehen, dass er eine sehr, sehr gute Körpersprache hat. Ich sehe, dass er ein bisschen aufgetaut ist."

David Alaba: "Er arbeitet sehr, sehr gut"

Auch Renatos Mannschaftskameraden stimmten ein. David Alaba verriet beispielsweise: "Er arbeitet sehr, sehr gut. Man erkennt, dass er unheimlich konzentriert ist. Das spiegelt sich dann im Spiel wider." Arjen Robben sagte: "Er ist noch sehr jung. Er hat noch alle Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Der Verein wird ihn dabei unterstützen." Vermutlich sind es genau diese immer wieder angeschnittenen Parameter, die Sanches benötigt: Unterstützung durch den Verein und die Verantwortlichen, den Glauben an die eigenen Qualitäten und daraus resultierendes Selbstbewusstsein.

Offenbar hat das einstige Wunderkind, welches das Gefühl hatte "das ganze Gewicht der Welt" tragen zu müssen, erkannt, dass dem mitnichten so ist, dass niemand von ihm das Unmögliche erwartet, keiner den Zeigefinger erhebt, wenn er nicht mindestens zweimal pro Spielzeit ein Tor aus 45 Metern erzielt. In der kurzen Zeit unter Kovac, so scheint es zumindest, hat ein gewisser, verheißungsvoller Reifeprozess eingesetzt. Und so hoffen sie bei den Bayern, dass der Junge, der so selten lächelt, endlich Anlass hat, häufiger zu strahlen.

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