Ralf Rangnick über die Zukunft des Fußballs: Ausbildungsprofil für Sportdirektoren, Abkehr vom Free-TV und größere Tore

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Der Red-Bull-Boss erklärt, wieso Messi, Gündogan und Keita Ausnahmefälle sind und warum er für eine Verknappung des Fußballs im Free-TV ist.

Ralf Rangnick fordert eine geregelte Berufsausbildung für Sportdirektoren im Fußball. Damit könne man sich im internationalen Wettbewerb einen Vorteil verschaffen, sagte der Ex-RB-Trainer im kicker. Ein weiterer Ansatz, den Anschluss an die Premier League wieder zu schaffen, sei, die TV-Rechte anders zu verteilen.

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"Es gibt nichts, keinerlei Vorschriften, die zu erfüllen sind, um Sportdirektor in einem Fußballklub zu sein. Ich finde, das geht nicht", sagte Rangnick, der seit diesem Sommer als Fußballchef für Red Bull tätig ist.

Der Job des Sportdirektors sei "die einzige Berufsgruppe im Fußball, für die es kein vorgeschriebenes Ausbildungsprofil gibt", erklärte Rangnick. Der 61-Jährige erhofft sich von einer geregelten Ausbildung bessere und fundierte Entscheidungen. Zudem hätten so auch mehr qualifizierte Fachleute einen Zugang zum Profi-Fußball, die ansonsten an die freie Marktwirtschaft "verloren" gingen.

Agiert man hier als Vorreiter, könnte das laut Rangnick einen entscheidenden Unterschied im internationalen Vergleich bedeuten.

Ralf Rangnick legt "Verknappung des Free-TV" nahe

Zudem regte Rangnick an, über "eine Verknappung des Free-TV" nachzudenken, um ähnliche Rahmenbedingungen wie in England zu schaffen und die TV-Gelder zu steigern.

Ralf Rangnick RB Leipzig Werder Bremen Bundesliga 22122018

"Mit Blick auf die nächsten zehn Jahre deutet nichts darauf hin, dass wir hier einen ähnlich gut dotierten Fernsehvertrag bekommen wie die Premier League. Und solange das so bleibt, wird es für deutsche Klubs kaum möglich sein, zu den Top-Klubs in England aufzuschließen", bemängelte Rangnick. Er verstehe sich zwar als Fußball-Romantiker, wisse aber gleichzeitig um die Professionalisierung des Sports.

Ralf Rangnick sieht größtes Verbesserungspotenzial im Kopf

Professionalisiert werden soll künftig auch der Umgang mit Daten und Statistiken, der laut Rangnick im deutschen Fußball "viel zu lange ignoriert" wurde: "Viele andere Ballsportarten waren uns bis vor wenigen Jahren in dieser Hinsicht noch Lichtjahre voraus."

Generell sieht Rangnick aus sportlicher Sicht die größten Entwicklungsmöglichkeiten auf kognitiver Ebene. Im athletischen Bereich gehe es lediglich mehr um marginale Fortschritte. Viel wichtiger sei es, "unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen und präzise zu agieren". Als Maßstab nannte Rangnick "Lionel Messi, Ilkay Gündogan oder Naby Keita". Die "haben von Haus aus ein eingebautes 360-Grad-Radar, aber das sind Ausnahmefälle", meinte Rangnick.

Ralf Rangnick schlägt größere Fußballtore vor

Einen interessanten Denkanstoß lieferte Rangnick außerdem zu einer der Grundlagen des Spiels: "Wenn man bedenkt, dass der Mensch in den letzten hundert Jahren im Schnitt um zehn, vielleicht sogar 15 Zentimeter größer geworden ist, fände ich es legitim, darüber nachzudenken, ob ein Tor immer noch 2,44 Meter hoch und 7,32 Meter breit sein muss."

Vielleicht solle man es "drei Zentimeter höher und fünf Zentimeter breiter machen", sagte Rangnick, der eine Umsetzung dieses Vorschlags aber für unrealistisch hält: "Da müsste man ja weltweit Millionen Tore auswechseln, und ob es dann tatsächlich einen so großen Effekt haben würde, weiß ich nicht."

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