Presnel Kimpembe: Der zukünftige Star, der PSG keinen Euro gekostet hat

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In dem Klub, der für seine teuren Neuverpflichtungen berühmt ist, entwickelt sich ein Spieler aus der eigenen Jugend zum Leistungsträger.

Als Nantes in dieser Saison zum Auswärtsspiel bei Paris Saint-Germain antrat, drohte Claudio Ranieri, der Trainer der Gäste, im Parc des Princes "zwei Busse zu parken".

Nach der 1:4-Niederlage wählte der italienische Coach für das Wiedersehen am Sonntag einen anderen Ansatz - und wollte mit hohem Pressing den Gegner auf dem falschen Fuß erwischen.

Mit seiner Taktik wollte der erfahrene Trainer das junge Innenverteidiger-Duo von PSG, bestehend aus Marquinhos und Presnel Kimpembe, unter Druck setzen, doch das gelang nicht. Im Gegenteil: Die zentralen Defensivspieler agierten herausragend und machten an einem Abend, an dem Neymar und Thiago Silva bei PSG fehlten, auf sich aufmerksam.

Presnel Kimpembe Adrien Rabiot 20082017

Besonders Kimpembe lieferte eine Leistung ab, die bestätigte, dass der Mann aus der eigenen Jugend auf lange Sicht eine verlässliche Option für PSG sein wird.

Er zeigte all die Qualitäten, die ihn schon zur ersten Ersatz-Option im Team von Trainer Unai Emery hinter den beiden Brasilianern Thiago Silva und Marquinhos gemacht haben: Ruhe am Ball, gutes Spielverständnis und tolle Athletik.

Sein Höhenflug ist zum einen seiner Geduld und zum anderen seiner Hartnäckigkeit geschuldet. Im Gegensatz zu Adrien Rabiot, der der andere Jugendspieler ist, der es zu regelmäßigen Einsatzzeiten im PSG-Team gebracht hat, hatte man Kimpembe nicht schon in der Jugend eine große Zukunft vorhergesagt.

Erst in der Saison 2015/16 gelang ihm unter Coach Laurent Blanc der Durchbruch, als sich PSG bereits einen Riesenvorsprung auf die Konkurrenz herausgearbeitet hatte. Damals war Thiago Silva verletzt und Marquinhos wurde im Saison-Endspurt geschont.

Presnel Kimpembe David Luiz PSG 30072016

Im Zusammenspiel mit seinem Nebenmann David Luiz war es Kimpembe, der glänzte, und nicht der teuerste Defensiv-Einkauf der Pariser. Seine Auftritte waren derart überzeugend, dass PSG viermal in Folge zu Null spielte - und später schließlich Luiz ohne großen Widerstand zurück zu Chelsea ziehen ließ. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass Kimpembe die dritte Wahl in der Abwehr des Hauptstadtklubs war.

Das Bemerkenswerteste am Aufstieg des 22-Jährigen ist seine Anpassungsfähigkeit, gepaart mit der Reife, die er schon ausstrahlt. Begonnen hatte er als Linksverteidiger, der erst im Laufe seiner Karriere in die Abwehrzentrale rückte. Den Herausforderungen dieser Umstellung stellte er sich mit der Coolness eines Routiniers.

Das bisherige Highlight seiner Laufbahn war das Duell im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona in der letztjährigen Champions League. Er hatte den Auftrag, Lionel Messi kaltzustellen - und diesen Job führte er großartig aus. Barca blieb in Paris ohne Treffer - und für Kimpembe war es das Debüt in der Königsklasse.

Presnel Kimpembe PSG Barcelona Champions League 14022017

"Das war das Spiel, in dem ich am wenigsten Druck verspürt habe", sagte er L’Equipe

"Am Tag zuvor habe ich die Vorschauen im Internet und den Zeitungen gelesen: 'Oh, er wird auseinander genommen werden.' Das macht mich nur stärker. Ich wollte schon immer zeigen, was ich draufhabe. Die Kritiker sind der Antrieb, den ich brauche", gestand er.

Als Barca im Rückspiel 'La Remontada' schaffte und durch ein 6:1 doch noch weiterkam, saß Kimpembe wieder auf der Bank.

"Sechs Monate zuvor hat es angefangen, dass die Dinge sich verändern", erklärte er. "Das erste Spiel gegen Barca war ein wichtiger Moment", fügte er hinzu.

"Vor diesem Spiel haben die Leute immer gesagt: 'Er muss im nächsten Spiel gut spielen - und danach muss er im nächsten Spiel gut spielen.'", so Kimpembe.

"Indem ich gut gespielt habe in diesem Match, habe ich die Messlatte hoch gelegt. Das hat dazu geführt, dass die Leute gesagt haben: 'Okay, er hat es drauf'", meinte der Verteidiger.

Presnel Kimpembe PSG 07012018

Tatsächlich haben sich die Dinge nach der Partie am Valentinstag 2017 für den jungen Spieler schnell entwickelt. Er hat sich einen Ruf erarbeitet, auch wenn er vielleicht noch nicht die Anerkennung für seine Leistungen bekommt, die er eigentlich verdient.

"Vielleicht ist das so, weili ich kein großer Star bin, der für 50 Millionen Euro gekauft wurde. Ich muss immer etwas beweisen", sagte er. "Für die jungen Spieler, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen, wird es immer so sein. Aber das muss nicht zwangsläufig eine schlechte Sache sein", ergänzte er.

Erstaunlicherweise wartet Kimpembe noch auf sein erstes Länderspiel - und ist damit mit Yuri Berchiche der einzige Spieler, der bei Trainer Emery auf regelmäßige Einsatzzeiten kommt und sein Land noch nicht vertreten hat. 

Doch die Länderspiele werden für ihn sicherlich kommen, wenn er sich weiter derart schnell entwickelt. Vielleicht steht er ja schon in Frankreichs WM-Kader für das Turnier in Russland im Sommer.

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