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"Rote Karte für Israel": Argentiniens Testspielabsage in Jerusalem sorgt für Diskussionen

17:47 MESZ 06.06.18
Lionel Messi, Argentina
Drohungen und Proteste von palästinensischer Seite haben zur Absage des WM-Vorbereitungsspiels zwischen Argentinien und Israel in Jerusalem geführt.


HINTERGRUND
Drohungen gegen Lionel Messi , Argentinien als Spielball der ewigen Konfliktgegner in Nahost: Wegen Sicherheitsbedenken ist das umstrittene Länderspiel des zweimaligen Weltmeisters gegen Israel in Jerusalem abgesagt worden. Massive Proteste von palästinensischer Seite schürten Ängste bei den Argentiniern, deren WM-Vorbereitung gut eine Woche vor dem ersten Auftritt gegen Island durcheinandergewirbelt wurde.

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Die Absage gab die israelische Botschaft in Buenos Aires am späten Dienstagabend bekannt und sprach von "Drohungen und Provokationen" insbesondere gegen Superstar Messi. Der palästinensische Verband PFA feierte die Absage am Mittwoch als "rote Karte für Israel".

Lautstarke Proteste der Palästinenser in Barcelona

Am Vortag hatte eine Gruppe Palästinenser mit lautstarken Protesten vor dem Trainingsquartier des Vizeweltmeisters in Messis Wahlheimat Barcelona das Antiklima noch einmal verschärft. "Wascht nicht das Image von Israel rein", sollen die rund 30 Personen im Sportkomplex Joan Gamper immer wieder über ein Megafon den Spielern der Albiceleste zugerufen haben, berichtete die argentinische Zeitung Clarin. Dabei hielten sie mit blutroter Farbe verschmierte argentinische Nationaltrikots in die Höhe.

Im Vorfeld hatte der palästinensische Verbandschef Jibril Rajoub Barca-Star Messi aufgefordert, nicht nach Jerusalem zu kommen. Der Ballzauberer sei "ein Symbol des Friedens und der Liebe", schrieb Rajoub in einem Brief an Argentiniens Regierung und den Verband AFA. Als eine Reaktion ausblieb, rief er die Fans auf, Fotos mit Messis Konterfei und Trikots mit seinem Namen zu verbrennen.

"Am Ende war es die richtige Entscheidung", sagte Argentiniens Stürmer Gonzalo Higuain bei ESPN zur Absage: "Die Gesundheit und der gesunde Menschenverstand haben Vorrang." Auch AFA-Präsident Claudio Tapia verteidigte die Absage: "Meine Verantwortung als Präsident ist es, die Sicherheit meiner Mitarbeiter zu gewährleisten." Tapia hofft, dass die Absage als "Beitrag zum Weltfrieden" gesehen wird. Fußball sei ein Spiel und gehe weiter als Religionen.

AFA-Vizepräsident Hugo Mayano erklärte bei Radio 10 , die Familien der Spieler hätten "unter den Drohungen gelitten".

Israels Verteidigungsminister Lieberman: "Es ist eine Schande"

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman reagierte auf die Absage mit Unverständnis. "Es ist eine Schande, dass die argentinischen Fußballer dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben haben, deren einziges Ziel es ist, Israels Grundrecht zur Selbstverteidigung zu verletzen und seine Vernichtung herbeizuführen", schrieb Lieberman am Mittwoch auf Twitter. 

Israels Fußballverband sprach dagegen von "physischen und brutalen Drohungen" Rajoubs, die "jegliche rote Linie überschritten" hätten. Am Mittwochnachmittag reichte Israel offiziell Beschwerde beim Weltverband FIFA ein.

Der argentinische Verband AFA erklärte, die Auseinandersetzung so schnell wie möglich hinter sich lassen zu wollen. "Wir wollen uns auf das fokussieren, was wirklich wichtig ist", sagte eine Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

 

Der Druck auf den sensiblen Messi, der auch Botschafter des Kinderhilfswerks Unicef ist, war anscheinend immens. So adressierten im Vorfeld 70 palästinensische Kinder einen Brief an Messi, nicht nach Israel zu kommen und "auf den Gräbern" zu spielen. Die Partie sollte im Teddy-Kollek-Stadion in Malha stattfinden. In diesem Stadtteil Jerusalems stand einst ein palästinensisches Dorf, das 1948 von israelischen Truppen zerstört wurde.

Der AFA sucht nach einem neuen Tespielgegner für die Albiceleste

Das ursprünglich in Haifa geplante Testspiel sollte Teil der Feierlichkeiten zum 70. Unabhängigkeitstag Israels sein, die Verlegung nach Jerusalem sorgte für eine Eskalation: Im Mai hatte US-Präsident Donald Trump die Palästinenser mit seiner Entscheidung, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, in Wut versetzt. Bereits im vergangenen Dezember hatte er die Stadt als Hauptstadt Israels anerkannt.

Der argentinische Verband versucht nun, kurzfristig einen Ersatzgegner für ein Spiel in Barcelona zu finden. Gelingt dies nicht, wäre das 4:0 gegen den kleinen Karibikstaat Haiti am vergangenen Mittwoch der einzige WM-Test des Vizeweltmeisters. Hinzu kommt, dass die AFA ihre Antrittsprämie von angeblich bis zu drei Millionen Dollar an den israelischen Verband zurückzahlen muss.

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