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Wales

Noten: Ronaldo effektiv, Bale als Alleinunterhalter

23:20 MESZ 06.07.16
Cristiano Ronaldo Gareth Bale Portugal Wales EURO 2016 06072016
Portugal erreicht dank Kapitän Cristiano Ronaldo und einer tollen Defensivleistung das EM-Finale. Bei Wales überzeugt nur Gareth Bale. Die Einzelkritik.

PORTUGAL

Rui Patricio (Tor, Wertung 3,5/5): Zwischen den Pfosten mit einem souveränen Auftritt. Wenn er gefordert wurde, war er zur Stelle und parierte vier Distanzschüsse Gareth Bales (23./55./77./80.).

Cedric Soares (Abwehr, Wertung 3,5/5): Soares erhielt wieder den Vorzug gegenüber Wolfsburgs Vieirinha. Hinten ließ er nichts zu und gewann all seine sieben Zweikämpfe. Er hatte die meisten Ballaktionen der Santos-Elf (61), bis zur Grundlinie ging er aber nicht durch und beschränkte sich lieber auf Flanken aus dem Halbfeld.

Bruno Alves (Abwehr, Wertung 3/5): Der Innenverteidiger hatte vor dem Halbfinale noch keine Minute im Turnier gespielt, rutschte dann aber für den angeschlagenen Pepe in die portugiesische Startelf. Abgesehen von ein, zwei Wacklern erledigte er seinen Job tadellos - gegen einen schwachen walisischen Sturm.

Jose Fonte (Abwehr, Wertung 3/5): Fonte machte seine Sache im Abwehrzentrum gut, auch wenn er selten geprüft wurde (nur zwei Zweikämpfe in der gesamten Partie). Nach 71 Minuten setzte er einen Eckball per Kopf knapp drüber.

Raphael Guerreiro (Abwehr, Wertung 3/5): Der künftige Dortmunder war in der ersten Hälfte häufiger in Aktion als später, lieferte aber dafür nach dem Seitenwechsel seine beste Szene: den Assist zum 1:0 für Cristiano Ronaldo mit einer klasse Flanke von der Eckfahne.

Danilo Pereira (Mittelfeld, Wertung 3/5): Danilo gab wieder den effizienten Staubsauger vor der portugiesischen Viererkette. Der Porto-Star stellte viele Räume geschickt zu und gewann häufig den Ball.

Renato Sanches (Mittelfeld, Wertung 3/5): Gegen Polen noch Torschütze und Man of the Match, war der künftige Bayer am Mittwoch weniger umtriebig unterwegs. Wie alle Portugiesen wurde er nach ordentlichen Anfangsminuten etwas schwächer. Sanches kam meist über die rechte Seite und beschränkte sich dort vornehmlich auf die Defensivarbeit. Kurz vor seiner Auswechslung gab er noch einen Torschuss ab (74.).

Joao Mario (Mittelfeld, Wertung 3/5): Der 23 Jahre alte Offensivspieler tauchte auf beiden Flügeln auf und hatte zunächst viele Ballkontakte. Folgerichtig hatte er aus halbrechter Position auch den ersten Abschluss der Begegnung, zielte aber am langen Pfosten vorbei (16.). In der 65. Minute hatte er das 3:0 auf dem Fuß. Einen Abstauber brachte er aber nicht im Tor unter.

Adrien Silva (Angriff, Wertung 3/5): Silva glänzte mit überragender Passquote (100 Prozent vor der Pause, 95,2 Prozent beim Schlusspfiff). Seine Flanke führte zur einzigen CR7-Chance in den ersten 45 Minuten (44.). Fernando Santos nahm ihn in der Schlussphase runter.

Nani (Angriff, Wertung 3/5): Nani bildete wieder mit CR7 den portugiesischen Sturm und fand erstmal überhaupt nicht in die Partie. Er bekam kaum Zuspiele, hatte in der ersten Hälfte die wenigsten Ballaktionen und spielte die wenigsten Pässe der portugiesischen Feldspieler. Bei der Szene, die zum 2:0 führte, stand er goldrichtig und verwandelte Ronaldos Zuspiel eiskalt zu seinem dritten Turniertreffer.

Cristiano Ronaldo (Angriff, Wertung 4/5): Der dreifache Ballon-d’Or-Gewinner hätte früh einen Foulelfmeter bekommen müssen, doch nach Collins' Halten im Sechzehner blieb Jonas Erikssons Pfeife stumm. Ronaldo wurde immer wieder mit hohen Bällen gesucht und tat sich da gegen die Schränke in der walisischen Hintermannschaft schwer. Nach einer Standardsituation zeigte er kurz nach Wiederanpfiff seine große Klasse: Er stieg höher als alle anderen Spieler im Sechzehner und wuchtete eine Guerreiro-Flanke unhaltbar aus zehn Metern ein (50.). Damit zog er mit EM-Rekordtorjäger Michel Platini (neun Treffer) gleich. Er lieferte anschließend auch den Assist zum 2:0 und entschied damit das Spiel (53.).

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Andre Gomes (Mittelfeld, keine Wertung): Der Mittelfeldstar des FC Valencia, den angeblich nahezu jeder Spitzenverein Europas jagt, bekam in der Schlussphase noch ein paar Einsatzminuten, ohne dabei aufzufallen.

Joao Moutinho (Mittelfeld, keine Wertung): Moutinho half mit, die komfortable Führung in den letzten elf Minuten über die Zeit zu bringen.

Ricardo Quaresma (Mittelfeld, keine Wertung): Der Dribbelkünstler ersetzte Nani nach 86 Minuten.

WALES​

Wayne Hennessy (Tor, Wertung 3/5): Der Keeper von Crystal Palace hatte erst nichts zu tun und war dann bei beiden Gegentoren machtlos. Glück hatte er, als er einen leicht abgefälschten Nani-Schuss vor Joao Marios Füße abprallen ließ, dieser jedoch aus kurzer Distanz verzog (65.)

James Chester (Abwehr, Wertung 2/5): In der walisischen Dreierabwehr wurde er zum Pechvogel, weil er das entscheidende Duell gegen Ronaldo vor dem 1:0 verlor. Da nützte es wenig, dass er mit 99 Ballaktionen die meistern aller 22 Spieler auf dem Rasen hatte.

Ashley Williams (Abwehr, Wertung 3,5/5): An der Leistung des Kapitäns und Abwehrchefs gibt es wenig auszusetzen. Er gewann all seine sechs Zweikämpfe und machte keine großen Fehler.

James Collins (Abwehr, Wertung 3,5/5): Collins ersetzte Ben Davies, der wegen einer Gelbsperre draußen bleiben musste. Nach zehn Minuten hatte er großes Glück, dass sein Klammergriff am Fünf-Meter-Raum gegen Cristiano Ronaldo keinen Strafstoß nach sich zog. In der Folge mit einer starken Vorstellung, die aus taktischen Gründen nach 66 Minuten zu Ende war.

Chris Gunter (Abwehr, Wertung 2,5/5): Gunter beackerte seine rechte Außenbahn und traf häufig auf Guerreiro und Joao Mario. Hinten solide, aber auch ohne Akzente im Spiel nach vorn.

Neil Taylor (Abwehr, Wertung 2,5/5): Der Linksverteidiger hatte in der Rückwärtsbewegung gut zu tun. Nach vorne gelang ihm gegen Renato Sanches und Cedric Soares praktisch gar nichts.

Joe Allen (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Ohne den gesperrten Aaron Ramsey war der Pool-Star noch mehr gefordert. Er absolvierte ein enormes Pensum, war allerdings vor allem im ersten Durchgang schwächer in den Zweikämpfen, als man es von ihm gewohnt ist (null von vier gewonnenen Duellen).

Joe Ledley (Mittelfeld, Wertung 2/5): An der Seite Allens blieb er weitgehend blass. Er vertrat den gesperrten Aaron Ramsey als Standardschütze. Aus dem Spiel heraus blieb er ohne Wirkung und wurde von Chris Coleman in der 58. Minute ausgewechselt.

Andy King (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Der Mittelfeldspieler von Premier-League-Champion Leicester City nahm Ramseys Platz in der Offensive ein. Er ackerte und versuchte, Bale als Anspielstation und Raumschaffer zu dienen. Das gelang nur mit Abstrichen.

Gareth Bale (Angriff, Wertung 3/5): Wales‘ Superstar präsentierte sich erneut als der mit Abstand auffälligste Spieler seiner Elf. Links, rechts, zentral, im Mittelfeld, im Angriff – er tauchte überall auf und entzog sich so auch seinen Bewachern. Nach 19 Minuten zielte er im Anschluss an eine clevere Eckballvariante knapp drüber, kurze Zeit später aus der Distanz zu zentral, um Rui Patricio in Bedrängnis zu bringen (23.). Alles lief über den Real-Star, am Ende konnte er es aber nicht alleine richten. Zunehmend probierte er es mit Fernschüssen, denen es an Präzision mangelte.

Hal Robson-Kanu (Angriff, Wertung 2/5): Mit seinem Treffer gegen Belgien hatte Wales‘ Stoßstürmer einen der Glanzpunkte dieser Endrunde gesetzt. Im Duell mit Alves und Co. bekam er in der siebten Spielminute nach einer herrlichen und technisch anspruchsvollen Ballbehauptung Szenenapplaus. Davon abgesehen war der Stoßstürmer allerdings bei Portugals Innenverteidigung in guten Händen und hatte ohne Torchance nach 64 Minuten Feierabend.

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Sam Vokes (Mittelfeld, Wertung 2/5): Vokes ersetzte nach knapp einer Stunde Ledley und bildete später gemeinsam mit Simon Church den walisischen Sturm, ohne dabei Durchschlagskraft zu entfalten.

Simon Church (Angriff, Wertung 2/5): Angreifer Church wurde für Robson-Kanu eingewechselt. Er fand nicht mehr in die Partie und hatte nur fünf Ballaktionen in rund 30 Minuten.

Jonathan Williams (Mittelfeld, Wertung 2/5): Colemans letzter Joker stach ebenfalls nicht.