Niko Kovac beim FC Bayern: Sandwiches, Zweifünftel-Lehre und ein Sonderlob

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Niko Kovac zieht nach drei Wochen beim FC Bayern eine erste Bilanz - einer seiner Spieler scheint es dem neuen Trainer besonders angetan zu haben.


HINTERGRUND

Am Donnerstag war es dann doch der kleinere Rahmen. Im Medienraum an der Säbener Straße, der ungefähr 25 Menschen Platz bietet, stellte sich Niko Kovac den Münchner Medienvertretern vor. Quasi ein zweites Mal, nachdem er vor zweieinhalb Wochen bereits offiziell vor größerer Kulisse in der Allianz Arena seine erste Pressekonferenz als Trainer des FC Bayern gegeben hatte – und damals in den einschlägigen Sozialen Netzwerken für seine sympathische, unaufgeregte Art gelobt wurde.

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Anberaumt wurde der erste Kovac-Pressetalk aufgrund des anstehenden Spiels gegen Paris Saint-Germain beim International Champions Cup in Klagenfurt (Sa., 21.07. ab 16.00 Uhr im LIVE-TICKER). Dass die Begegnung mit dem Spitzenklub aus der französischen Hauptstadt in erster Linie aber dazu dient, den etlichen jungen Spielern im Vorbereitungskader, denjenigen, die sonst in der U23 oder gar U19 zum Einsatz kommen, ein bisschen Spielzeit zu generieren, war natürlich jedem klar.

FC Bayern ohne zwölf Stars, PSG fehlen 14 Spieler

Hüben wie drüben fehlen sämtliche WM-Teilnehmer. In Zahlen äußert sich das Ganze so: Zwölf Stars sind bei Bayern nicht dabei, PSG-Neu-Trainer Thomas Tuchel muss gar auf 14 Leistungsträger (13 WM-Fahrer sowie den am Kreuzband verletzten Dani Alves) verzichten.

"Das ist ein Testspiel, Freundschaftsspiele gibt es nicht mehr. Wir wollen natürlich gewinnen, aber mir ist auch klar, dass wir nach drei Wochen Vorbereitung noch nicht da sind, wo wir hinkommen wollen", sagte Kovac und schob das nach, was ja sowieso auf der Hand lag: "Gegen PSG werden einige U19- und U23-Spieler spielen, sodass wir aus diesem Spiel noch nicht so viele Rückschlüsse ziehen können. Das ist auch gar nicht so wichtig." Beim klangvollen Kontrahenten von der Seine, davon geht Kovac aus, wird es sich ganz ähnlich verhalten. "Da werden sicherlich auch A-Jugend-Spieler unterwegs sein."

Niko Kovac FC Bayern 19072018Niko Kovac beim Pressetalk an der Säbener Straße

Noch eine kleine Respektsbekundung für seinen Kollegen Tuchel, den es in diesem Sommer nach eingelegtem Sabbatjahr wieder zurück auf die Trainerbank getrieben hatte, und schon ging es um das Thema, das die Fans doch traditionell in der Sommerpause eigentlich umtreibt: Transfergerüchte. Was ist wirklich dran am angeblich schon abgewickelten Deal zwischen den Münchnern und dem VfB Stuttgart bezüglich des frischgebackenen Weltmeisters Benjamin Pavard? Steht James Rodriguez tatsächlich vor dem verfrühten Absprung?

Beide Fragen moderierte der Kroate locker weg. Pavard sei "ein sehr guter Spieler", aber man solle sich doch bitte an Brazzo, also Sportdirektor Hasan Salihamdzic, wenden, um mehr zu erfahren. Der würde aber dann sagen, dass der FC Bayern Neuigkeiten verkündet, wenn es Neuigkeiten gibt. Im Fall von James berief sich Kovac auf den über zwei Jahre laufenden Leihvertrag zwischen dem deutschen und dem spanischen Rekordmeister, namentlich Real Madrid. Dieser Kontrakt habe "Gültigkeit und endet entweder so, dass wir die Option ziehen oder nicht ziehen. Im Moment sieht es klar danach aus, dass er hierbleibt."

Bei seinem PK-Debüt vor zwei Wochen hatte Kovac zwar keine konkreten Titel-Ziele mit seinem neuen Verein genannt, allerdings ausgerufen, die Spieler besser machen zu wollen. Gelingen soll das mit großer Akribie, auf und neben dem Platz. Eine ähnliche Sorgfalt, die auch Vorgänger Jupp Heynckes an den Tag legte.

Kovac, das ist deutlich zu erkennen, sobald man sich eine Trainingseinheit des FCB anschaut, überlässt nichts dem Zufall, spielt manchmal sogar selbst mit, wenn zum Warmmachen der beliebte Rondo läuft. "Schlecht, ich hoffe, das haben Sie rausgeschnitten", bewertete der ehemalige Profi seinen Auftritt beim Fünf gegen Zwei am Donnerstag. "Aber die Jungs sind dann noch mal extra motivierter, wenn der Trainer in der Mitte ist." 

Sandwiches, Zweifünftel, Dreifünftel

Für Verwirrungen sorgte bei einigen Journalisten offenbar das Vokabular, das Kovac auf dem Trainingsplatz benutzt. Das Wort "Sandwich" sei oft gefallen, einige Male habe er von "Zweifünftel" oder "Dreifünftel" gesprochen. Der Ex-Frankfurter nahm sich ausreichend Zeit, um Licht ins Dunkel zu bringen, erklärte haarklein, was es damit auf sich hat.

Sandwich, das sei schlicht das Doppeln des Gegners. "Wenn ein Ball mich passiert hat, muss ich sehen, dass ich der nächsten Linie helfen. Es bringt nichts, wenn ich dann zuschaue und meinen Kollegen viel Glück wünsche. Da muss der Angreifer dem Mittelfeldspieler helfen und der Mittelfeldspieler dem Abwehrspieler. Es gilt, in Ballnähe eine Überzahl zu schaffen."

Das ominöse Zweifünftel, Dreifünftel sei allgemein eher unter dem Begriff "ballorientiertes Verschieben" bekannt, so Kovac und ergänzte: "Sie sehen ja die fünf Linien auf dem Feld. Zwei der fünf Felder werden dann bespielt und drei nicht oder eben genau anders herum." Wieder etwas dazugelernt.

Sonderlob für Arjen Robben

Apropos Dazulernen: Einer, der trotz gehobenen Fußballeralters ganz offensichtlich immer noch längst nicht genug hat, weiterhin ehrgeizig jeden neuen Impuls aufsaugt, bekam ein großes Sonderlob vom Chefcoach. Arjen Robben, der vor nicht allzu langer Zeit ein neues Arbeitspapier bis 2019 unterschrieben hatte, scheint den neuen Mann der Münchner Seitenlinie ganz besonders zu beeindrucken.

"Ich hatte vorher schon vieles gehört, aber jetzt sehe ich selber, wie er arbeitet. Das ist unglaublich", schwärmte Kovac, ehe er sich mit einem freundlichen "Servus" in Richtung Ausgang verabschiedete. Ganz gut angekommen also in seiner alten und neuen Heimat im Süden der Republik.

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