Nedim Hadzic und Rijad Sadiku: Aus Sarajevo ins Rampenlicht

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FK Sarajevo unternimmt den Versuch, zu einer international anerkannten Talentschmiede zu werden. Hadzic uns Sadiku sollen die Ersten von vielen sein.


HINTERGRUND

Die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina hat es verpasst, sich für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu qualifizieren, in der Gruppe H musste man Belgien und Griechenland den Vortritt lassen. Nichtsdestotrotz ist das Team gespickt mit guten Spielern, von denen viele bei europäischen Top-Klubs unter Vertrag stehen. Zu ihnen gehören Asmir Begovic, Vedad Ibisevic, Miralem Pjanic, Sead Kolasinac und nicht zuletzt natürlich Edin Dzeko.

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Bei einem Blick in ihre Biografien fällt jedoch eines auf: Fußball spielen haben sie mit Ausnahme des Stürmers vom AS Rom nicht in ihrem Heimatland gelernt.  Aufgrund des Bosnien-Krieges mussten sie noch als Kinder mit ihren Familien fliehen, erhielten ihre Ausbildung im Ausland. Das soll sich nun ändern, der FK Sarajevo unternimmt den Versuch, eine eigene Talentschmiede aufzubauen. Dass der Versuch allmählich Früchte trägt, wird vor allem an zwei Eigengewächsen klar: Nedim Hadzic und Rijad Sadiku.

Hadzic: Der neue Lewandowski?

Erstgenannter wird am 19. März 1999 in Sarajevo geboren und durchläuft alle Jugendteams des Vereins. Welche Qualität der Stürmer hat, sieht man an seiner Nominierung für den Golden Boy Award, den dann Kylian Mbappe gewann. Hadzics Stärken liegen vor allem im Abschluss, er ist beidfüßig stark und fühlt sich vor allem innerhalb des Strafraums wohl. Da er zudem auch gerne den Ball mit dem Rücken zum Tor abschirmt und verteilt, wird er bereits mit Robert Lewandowski verglichen. Sein Vorbild ist allerdings ein anderer Spieler, wie er transfermarkt.de gestand: "Ich bin Fan des FC Barcelona, mein Lieblingsspieler ist Luis Suarez."

Nedim Hadzic

Das alles bleibt auch Mehmed Janjos, in der Saison 2016/2017 Trainer der ersten Mannschaft, nicht verborgen. Er verhilft dem 18-Jährigen in der letzten Saison zum Profi-Debüt, insgesamt steht er bei elf Spielen auf dem Platz und knipst dabei zweimal. Aufgrund dieses rasanten Aufstiegs muss Hadzic früh lernen, mit dem Druck der Öffentlichkeit umzugehen. Das scheint ihn jedoch nicht zu beeinflussen: "Natürlich bekommt man das alles mit, aber ich halte mich nicht damit auf. Ich bin nur auf die Spiele, das Training und den Fußball fokussiert."

Wechsel nach Portugal

Diese Fokussierung beeindruckt auch andere Vereine, unter anderem bei West Ham United und Benfica Lissabon absolvierte der Stürmer ein Probetraining. Diese Einheiten seien für ihn sehr wichtig, so der Bosnier, denn dadurch gewinne er an Erfahrung, wie bei großen Vereinen gearbeitet wird.

Den nächsten Schritt in seiner Entwicklung möchte der Stürmer außerhalb Bosniens machen, da die heimische Liga von eher bescheidener Qualität ist. Er wechselte in diesem Winter zu Leixoes SC in die zweite portugiesische Liga. Auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich. Bei  SportCentar erklärte Hadzic den Wechsel: "Ich denke, das ist ein guter Schritt in meiner Karriere, weil es für mich am Wichtigsten ist, zu spielen. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber es ist vor allem mein Ziel, im Ausland zu spielen."

Gerüchten zufolge hat der Zweitligist 300.000 Euro für Hadzic überwiesen, Sarajevo partizipiert zusätzlich an einem Weiterverkauf. In Portugal möchte er sich nun für höhere Aufgaben empfehlen.

Sadiku: Einer wie Maldini?

Im Gegensatz zu Hadzic hat Rijad Sadiku nicht in der ersten Mannschaft von Sarajevo gespielt, sondern nur in den Jugendteams. Allerdings ist auch der Innenverteidiger, der Anfang des Jahres 2000 geboren wurde, das Rampenlicht gewohnt. Der Guardian listet ihn als eines der größten Talente des Jahrgangs 2000 auf und bei sportivo360.com ist er einer der 60 vielversprechendsten jungen Spieler in Europa. Über diese Auszeichnungen sagt der 18-Jährige bei  sarajevotimes.com : "Das ist eine zusätzliche Motivation für meine Arbeit und meine weitere Entwicklung."

Bosnia U17 Jusuf Gazibegovic Rijad Sadiku

Seine starken Leistungen in Verein und Jugend-Nationalmannschaft sind auch großen Vereinen nicht verborgen geblieben, der SC Freiburg und der FC Everton sollen bereits ein Auge auf Sadiku geworfen haben. Bei den Breisgauern war er im März 2017 sogar zu einem Probetraining.

Als Spieler zeichnen den Bosnier vor allem seine kompromisslose Zweikampfführung und sein gutes Passspiel aus. So wird er mit einem italienischen Idol verglichen, das gleichzeitig auch sein Vorbild ist, wie er  redbull.ba  verrät: "Paolo Maldini ist ein Spieler, der mich als Kapitän und Innenverteidiger begeisterte." Weiter besticht Sadiku durch seine Übersicht und technische Beschlagenheit, eignet sich so auch für die Sechser-Position, bevorzugt aber die Innenverteidigung.

Nächster Schritt: Belgien

Dass Sadiku überhaupt zum Fußball gekommen ist, verdankt er einem Zufall. Sein älterer Bruder meldete sich beim Verein Novi Grad an, da der Mitgliedsbeitrag jedoch billiger war, wenn man zwei Kinder anmeldete, musste der kleine Rijad ebenfalls zum Training gehen. Im Nachhinein ein Glücksfall, für den er jedoch hart arbeiten musste: "Ich trainiere zweimal am Tag, aber auch zwischen dem Training wird immer etwas getan. Übungen, die nicht viel Energie benötigen, aber sie bedeuten viel. Ich bin besessen vom Training."

Das viele Training hat sich ausgezahlt, inzwischen spielt auch Sadiku nicht mehr in der bosnischen Hauptstadt. Ihn zieht es in diesem Winter - ebenfalls eher ungewöhnlich - zu Royal Excel Mouscron in die erste belgische Liga. Auch bei diesem Transfer kassiert FK Sarajevo für seine Verhältnisse viel Geld, ebenfalls 300.000 Euro sollen aus Belgien kommen. Der Vertrag des Innenverteidigers beim Tabellenelften der Jupiler Pro League läuft bis 2020.

Sarajevo: Auf dem Weg zu Talentschmiede

Die zwei Talente verdeutlichen, was FK Sarajevo geschafft hat, was aber auch die Probleme des Vereins sind. Die Ausbildung junger Spieler hat sich in den letzten Jahren sehr verbessert, immer mehr heimische Talente werden für ausländische Klubs interessant. Nedim Hadzic bestätigt das: "Am Ende würde ich es allen jungen Spielern empfehlen, zur FK Sarajevo Akademie zu kommen, da sie jungen Menschen die besten Voraussetzungen für Arbeit und Entwicklung bietet."

Allerdings zeigt der Fall des Stürmers auch: Selbst ein portugiesischer Zweitligist scheint attraktiver als die erste Liga in Bosnien zu sein. Mittelfristig muss die Premijer Liga ihr Niveau steigern, damit vielversprechende Spieler länger bleiben. Denn nur dann lassen sich auch höhere Ablösesummen kassieren, die dann wiederum in die Jugendarbeit investiert werden können.

Der Pool an Talenten, so zeigen es unter anderem Hadzic und Sadiku, ist in Bosnien-Herzegowina groß, nun muss man ihn nur noch nutzen. Einen ersten Schritt zur Talentschmiede hat FK Sarajevo bereits getan. Die Chance, dass die zukünftigen Nationalspieler im eigenen Land ausgebildet werden, ist größer geworden.

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