Nach Gibraltar: Blutauffrischung kann der Mannschaft nicht schaden

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Jogi Löw pfeilt sich auf der Bank die Nägel, fordert von seinen Spieler aber "Spannung". Nach der Sommerpause feilt der Bundestrainer am neuen Kader, das wird spannend.

Bundestrainer Joachim Löw wählte gegen Fußballzwerg Gibraltar die offensivste Aufstellung, die nur möglich war. Mit einer Dreierkette und zwei Stürmern begann Weltmeister Deutschland das letzte Pflichtspiel der Saison. Es entwickelte sich ein bemerkenswert offener Schlagabtausch, in dem Deutschland zur Pause knapp führte und erst mit zunehmender Spieldauer auf 7:0 davonzog.

"Ich nehme auch Mal in Kauf, dass nicht alles so läuft, wenn ich Dinge teste", sagte der 55-Jährige nach der Partie bei RTL. Der Versuch des Bundestrainers sorgte zumindest für viel Unterhaltung bei den Zuschauern. Immer wieder kamen die Spieler von Gibraltar, die hauptberuflich Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, Polizisten oder auch Anwälte sind, zu echten Torchancen. Eine derart offene Partie war im Vorfeld gewiss nicht erwartet worden.

Die erste Großchance des Spiels hatte Liam Walker, der noch bis zum 31. Juni für Gibraltars Rekordmeister Lincoln Red Imps FC, eine Amateurmannschaft, spielte. Trotz sieben Schüssen (der bisherige Rekord Gibraltars in einem Pflichtspiel lag bei deren drei) auf das Tor von Roman Weidenfeller und einigen hundertprozentigen Chancen – ein Tor gelang dem Außenseiter nicht.  

"Fehler gehören dazu"

In der zehnten Minute verschoss DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger dann auch noch einen Strafstoß und selbst das Führungstor durch Andre Schürrle in der 28. Minute sorgte nicht dafür, dass die Spannung im deutschen Team auf Wettkampfniveau kam. Das 1:0 zur Halbzeit war kein Ruhmesblatt für den Weltmeister. "Fehler gehören dazu", kommentierte Schweinsteiger. Durch seinen Fehlschuss vom Punkt stellte Gibraltar eine weitere Bestmarke auf: Bisher hatte der Außenseiter stets bis zur 20. Minute immer mindestens einen Gegentreffer kassiert.

Deutschland mit spätem Schützenfest gegen Gibraltar

Nach der Pause überzeugte Deutschland endlich: Max Kruse (2), Andre Schürrle (2), Ilkay Gündogan und Karim Bellarabi schossen vor 7467 Zuschauern in Faro den standesgemäßen 7:0-Endstand heraus. Jogi Löw sorgte zudem für Unterhaltung, als er  sich während des Spiels die Fingernägel pfeilte. Später erklärte er, er habe seinen Schützlingen in der Pause deutlich ins Gewissen geredet: "Ich bin in der Halbzeit schon ein bisschen deutlicher geworden."

Auslaufmodell Weidenfeller?                               

Der wie ein Freizeitkick vor dem Urlaub wirkende Auftritt könnte aber doch eine Bedeutung haben. Zum Beispiel für Roman Weidenfeller, der in seinem ersten Pflichtspiel für Deutschland eine gute Partie ablieferte und Eigenwerbung betrieb. Nach der Sommerpause plant Löw eigentlich mit jungen Torhütern wie Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno hinter Platzhirsch Manuel Neuer. Löw ließ die Tür für Routinier Weidenfeller aber noch einen Spalt offen: "Wir entscheiden uns immer kurz vor einem Turnier, wir müssen sehen, was Roman jetzt im Verein macht. Am Ende zählt immer die Leistung und er hat zudem enorme Führungsqualitäten, die uns weiterhelfen."

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Neuerungen kündigte Löw aber dennoch an. "Es ist geplant, dass wir junge Spieler aus der U21 zur Blutauffrischung heranziehen." Was wird dann zum Beispiel aus Lukas Podolski, der selbst gegen Gibraltar nur zu einem Kurz-Einsatz in seinem 125. Länderspiel kam? Fakt ist: Für neue Spieler müssen andere gehen und eine Blutauffrischung ist gewiss nicht die schlechteste Idee, um den Konkurrenzkampf wieder zu entfachen.

Am 4. September wird es für Deutschland in der Qualifikation wieder ernst: Dann kommt es in Frankfurt zum Duell mit Spitzenreiter Polen. Dort muss (und wird) die Mannschaft, die auf den zweiten Tabellenplatz geklettert ist, sicher eine andere Spannung zeigen.

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