"Politiker" Mesut Özil nimmt Stellung zum Bergkarabach-Konflikt: Erdogan treu ergeben

Als Fußballer spielt Mesut Özil keine Rolle mehr - jetzt macht er in Politik. Und stellt sich erneut an die Seite von Erdogan.

HINTERGRUND
Recep Tayyip Erdogan hat ein diabolisches Grinsen im Gesicht, mit dem Zeigefinger der rechten Hand deutet der türkische Staatschef auf die Marionette in seiner linken. Dort hängt an vier Fäden ein Fußballer im rot-weißen Trikot des FC Arsenal: Mesut Özil.

Die Fotomontage ist einer von über 10.000 Kommentaren unter einem politischen Beitrag des Rio-Weltmeisters bei Twitter, der die Netzgemeinde spaltet - und Özil als Erdogan-Freund outet. Mal wieder. Und wie schon bei seinem viel diskutierten, folgenreichen Foto mit Erdogan vor dem WM-Desaster 2018 gibt es auch diesmal Kritik.

Bergkarabach-Konflikt: Mesut Özil zitiert Mustafa Kemal Atatürk

Özil ergreift in seiner Wortmeldung Partei für Aserbaidschan, das sich aktuell mit Armenien in einem blutigen Konflikt um die Region Bergkarabach befindet. "Aserbaidschans Problem ist unser Problem, seine Freude ist unsere Freude", schreibt der frühere Nationalspieler auf Türkisch: "Eine Nation, zwei Staaten." Dazu die Flaggen beider Länder.

Dem Zitat, das dem türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk zugeschrieben wird, folgt eine Erklärung auf Englisch. Bergkarabach sei als Teil Aserbaidschans anerkannt, heißt es darin, aber aktuell "widerrechtlich besetzt". 

Özil verweist auf eine Erklärung der UN aus dem Jahr 2008, in der Armenien aufgefordert worden sei, seine Truppen aus der Region abzuziehen. Dies müsse nun endlich geschehen, fordert er. Seine Stellungnahme schließt mit einem Aufruf zu Frieden und einer Zukunft "ohne Gewalt".

Özils Verweis auf die "Besatzung" greife "zu kurz", sagte Omid Nouripour dem SID. Wenn Özil Atatürk zitiere, sollte er auch erwähnen, dass dieser einmal sagte: "Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt." 

Nouripou: Özil sollte "auch die aggressive Außenpolitik der Türkei kritisieren"

Momentan sei Erdogans Politik jedoch "weder im Inneren noch nach außen friedlich", betonte der außenpolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion. Özil sollte deshalb "auch die aggressive Außenpolitik der Türkei kritisieren".

Die Türkei unterstützt Aserbaidschan, das sie als "Bruderstaat" wahrnimmt, bei den blutigsten Auseinandersetzungen in der Region seit dem Krieg in den 1990er-Jahren verschiedenen Medien zufolge mit Söldnern und Kampfjets. Nouripours Parteikollege Cem Özdemir hatte Erdogan daher "unerträgliches Zündeln" vorgeworfen.

GER ONLY Mesut Özil Arsenal 2020
Bild: Imago Images / PRiME Media Images

Außerdem bezichtigte Özdemir Aserbaidschan "krimineller Kriegshandlungen". Mit seiner Unterstützung dieser Taten auch gegen Zivilisten zeige Erdogan "einmal mehr seine Skrupellosigkeit, die vor Menschenleben keinen Halt macht".

Henrikh Mkhitaryan reagiert auf Mesut Özils Bergkarabach-Post

Özil ficht das scheinbar nicht an. Ebensowenig der Appell seines früheren Arsenal-Kollegen Henrikh Mkhitaryan. Der Ex-Dortmunder hatte verschiedene Staatenlenker in der vergangenen Woche "mit sehr schwerem Herzen" in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Der "Aggressor" Aserbaidschan greife Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser an, schrieb der Armenier, vor den Augen der Welt spiele sich eine "menschliche Tragödie" ab.

Am Freitagmittag "reagierte" Mkhitaryan mit einem neuerlichen Aufruf auf Özils Erklärung. "Wir wollen Frieden", schrieb er zu einem Video bei Twitter, das armenische Demonstranten zeigt. Ein "Like" von @MesutOzil1088 konnte er nicht erwarten - Özil gehört dort (anders als bei Instagram) nicht zu seinen Followern.

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