Mergim Mavraj nach UEFA-Urteil: "Hass auf eine Volksgruppe wird geschürt"

Kommentare()
Der Kölner war beim Skandalspiel zwischen Serbien und Albanien auf dem Platz und kann das folgende Verhalten der UEFA nicht fassen. Die Strafen seien "unverhältnismäßig".

Köln. Die politisch angespannte Situation zwischen Serbien und Albanien ist bekannt. Beim EM-Qualifikationsspiel zwischen den beiden Ländern explodierten die Emotionen allerdings in einem für Fußballspiele selten gesehenen Ausmaß. Nachdem von Unbekannten mithilfe einer Drohne eine großalbanische Flagge in das Stadion geflogen worden war, stürmten die serbischen Fans den Rasen und attackierten die albanischen Spieler.

"Taulant Xhaka wurde wie Lorik Cana ins Gesicht geschlagen, er hatte ein dickes blaues Auge. Ermin Lenjani blutete am Hals und bei Debatik Curri klaffte hinter dem Ohr eine große Wunde. Bekim Balaj, der einen Stuhl auf den Kopf bekommen hatte, war ganz benommen", berichtet Mergim Mavraj, der für Albanien auf dem Platz gestanden hatte, in einem Interview mit Spox.com. Die Albaner weigerten sich daraufhin, die Partie fortzusetzen, da sie sich nicht in der Lage sahen, weiter Fußball zu spielen.

Das Spiel war mit 3:0 für Serbien gewertet worden, da die Partie nicht offiziell abgebrochen worden war. Als Strafe für die Ausschreitungen seiner Fans wurden den Serben allerdings die drei Punkte aberkannt, so dass schlussendlich beide Teams als Verlierer dastanden. Für Mavraj eine schreiende Ungerechtigkeit: "Als mir das erzählt wurde, dachte ich nur: "Unfassbar!" Ich konnte das nicht glauben. Niemand mit einem Mindestmaß an Gerechtigkeitsbewusstsein und mit der Kenntnis der Gegebenheiten konnte anzweifeln, was in Belgrad passiert war."

"Unverhältnismäßigkeit ärgert mich maßlos"

Artikel wird unten fortgesetzt

Das albanische Team war von der UEFA für den Einsatz der Drohne und für die Weigerung, das Spiel fortzusetzen, bestraft worden. "Diese Unverhältnismäßigkeit ärgert mich maßlos. Das mit dem Nicht-Weiterspielen sollte jedem einleuchten. Und die Aktion mit der Fahne lag nicht in unserer Hand."

Die Verfehlungen auf serbischer Seite seien viel schlimmer gewesen. "Wir hörten nur: "Schlachtet Sie! Hängt Sie auf! Tod den Albanern!" Und als die Situation tatsächlich eskalierte, mussten wir uns in Sicherheit bringen. Warum wird das nicht berücksichtigt?" Insbesondere im Anbetracht des propagierten Kampfs gegen Rassismus hätte die UEFA, laut Mavraj, anders handeln müssen.

"Wenn in Belgrad die Fans "Tötet die Albaner!" singen, ist es etwas anderes und dafür erteilt die UEFA einen Freifahrtschein? Es wird genauso der Hass auf eine Volksgruppe geschürt."

Schließen