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Matthias Ginter: Solide, aber keine feste Größe bei Borussia Dortmund

11:00 MESZ 04.07.17
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Matthias Ginter verrichtete stets solide Arbeit bei Borussia Dortmund - mehr aber nicht. Sein Wechsel nach Mönchengladbach hilft allen. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Matthias Ginter steigt zum Kopfball hoch, klärt. Ginter packt eine Grätsche aus, klärt. Ginter läuft seinen Gegenspieler ab. Ballbesitz Deutschland. Es waren die Tage des Confed Cups, die den Innenverteidiger wieder in den Fokus der deutschen Fußballfans rücken ließen. Es waren Szenen, die erahnen ließen, warum Thomas Tuchel in der vergangenen Saison bei Borussia Dortmund so häufig auf ihn setzte. Es wurde allerdings auch sichtbar, dass der 23-Jährige in seinen insgesamt 42 Spielen für den BVB in der Vorsaison nur bedingt diese Souveränität, Abgeklärtheit und ein fehlerfreies Spiel auf den Platz brachte.

Bei der Nationalelf konnte er hingegen glänzen. Vielleicht auch, weil er schon wusste, dass er sich beruflich verändert? So etwas soll befreien. Denn nun wechselt Ginter für 17 Millionen Euro - mit Bonuszahlungen kann die Ablöse auf bis zu 20 Millionen Euro anwachsen - zum Bundesligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach. Es ist die beste Entscheidung für alle Seiten. Der BVB macht einen richtig guten Deal, nimmt maximal zehn Millionen Euro mehr ein, als er an den SC Freiburg vor drei Jahren überwiesen hatte. Ginter kann und muss in seiner Entwicklung den nächsten Schritt gehen. Der wäre in Dortmund schwer vorstellbar gewesen.

Ginter war immer eine Option

Mit gerade einmal 23 Jahren ist er inzwischen gestandener Bundesligaspieler. 137 Spiele stehen zu Buche. Hinzu kommen 16 im DFB-Pokal, 14 in der Europa League und 13 Partien in der Champions League. Es sind beeindruckende Zahlen für einen Spieler, dem immer wieder gerne die nötigen Fähigkeiten für das allerhöchste Niveau abgesprochen werden. Für Tuchel gab es diese Zweifel zumindest nicht öffentlich. "Matthias Ginter ist Stammspieler für mich. Das sind manchmal auch sehr enge Entscheidungen", sagte er einmal.

Ginter setzte in der abgelaufenen Saison Zeichen mit seiner Fitness. Sie war der Grund, warum er so häufig ran durfte. Dass er kurz vor der Saison noch bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro viele Einsatzminuten für das deutsche Team sammelte, sah man ihm nicht an. Dort entwickelte er seine Persönlichkeit, war Stammspieler unter Horst Hrubesch, ging voran. Zurück in Dortmund machte er zwischen den Einheiten Sonderschichten, hat insbesondere vor der Saison an seiner Kondition gearbeitet. Er wollte alles für ein gutes Jahr tun, vorbereitet sein.

Ginter hat einen großen Vorteil im heutigen Fußballgeschäft. Er ist polyvalent. Er kann im defensiven Mittfeld spielen, auf der Rechtsverteidigerposition, wo er bei den Schwarz-Gelben die besten Spieler machte. Er selbst sieht sich aber am liebsten in der Innenverteidigung. Jener Position, die so elementar wichtig ist für die Grundsicherheit einer Fußballmannschaft. Dort, wo Spieler eine gewisse Ruhe ausstrahlen müssen. Diese fehlte Ginter aber zu häufig - auch in der vergangenen Saison. Er wirkt manchmal staksig. Er spielte oft solide - aber nicht mehr. Seine Fehler, so ist das nun einmal im Fußball, bleiben eher in Erinnerung, als seine recht ordentlichen Auftritte. Ginter war beim BVB immer eine vertrauensvolle Alternative - aber nie eine feste Größe.

Beste Spiele als Rechtsverteidiger

Dabei hätte er vor allem als Vertreter von Lukasz Piszczek auf der rechten Seite eine herausragende Hinrunde 2015/16 gespielt. Drei Tore und elf Vorbereitungen (unter anderem im Derby gegen den FC Schalke) konnte er beitragen. Aus unerklärlichen Gründen verzichtete Tuchel in der Rückrunde auf die Dienste Ginters auf dieser Position. Dabei war er gerade auf dem Weg, sich als Rechtsverteidiger in den Fokus von Bundestrainer Joachim Löw zu spielen. Die Entscheidung Tuchels kostete Ginter am Ende vielleicht sogar die Teilnahme an der Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Aber Ginter spielte weiter. Mal im defensiven Mittelfeld, in der vergangenen Saison als Innenverteidiger. So überzeugend, wie als Rechtsverteidiger, war er aber nicht mehr. Vielleicht war daran aber auch der Kopf schuld. Nach dem Anschlag auf die BVB-Mannschaft in der abgelaufenen Saison machte sich Ginter viele Gedanken, wie er dem Zeit-Magazin sagte. "Für einen kurzen Moment habe ich sogar darüber nachgedacht, mit dem Fußball aufzuhören, weil man auch in Zukunft vor Anschlägen nicht gewappnet sein kann. Aber ich will und werde weitermachen", sagte er.

Ginter muss reifen

Das kann er nun in Mönchengladbach. Einem Verein, der in den letzten Jahren bekannt dafür ist, junge Spieler zu fördern. Ginter bringt allerdings eine gewisse Erfahrung mit, die ihn nun reifen lassen muss. Er muss sich als Spieler weiter entwickeln, damit er sich auch langfristig auf internationalem Top-Niveau etablieren kann. Die Einsätze beim Confed Cup lassen die Hoffnungen darauf größer werden. Denn dass dieser stets freundliche Typ aus dem Breisgau weit mehr kann, als er es manchmal beim BVB gezeigt hat, ist gewiss. Bei der anderen Borussia kann er dies nun unter Beweis stellen.

Es ist vom Champions-League-Teilnehmer zum nicht europäisch spielenden Verein erst einmal ein Rückschritt. Aber Ginter wäre nicht der erste Spieler, der durch einen Schritt nach hinten, zwei nach vorn geht. Zu wünsche wäre es ihm.