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Mats Hummels vom FC Bayern im Interview: "Dieses Thema zieht sich durch die ganze Saison"

01:00 MESZ 20.05.18
Mats Hummels FC Bayern München Eintracht Frankfurt 19052018
Mats Hummels spricht im Interview über das verlorene DFB-Pokalfinale des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt, den Videobeweis und die Meisterfeier.

MIXED-ZONE-INTERVIEW

In der entscheidenden Szene kam Mats Hummels nicht hinterher. Auch darüber sprach der Innenverteidiger vom FC Bayern München  am Samstagabend nach der 1:3-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt

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Mats, warum hat es nicht zum Pokalsieg gereicht?

Mats Hummels: Es gibt ganz, ganz viele Gründe. Wir waren nicht am Maximum, aber trotzdem die Mannschaft, die das Spiel gemacht hat. Nicht das ganze Spiel, das keineswegs, aber schon über große Teile. Wir hatten genug Chancen, um mehr Tore zu schießen. Es hat an vielen Ecken und Enden etwas gefehlt.

Haben Sie die Elfmeterszene schon gesehen?

Hummels: Nein, nicht gesehen. Ich habe nur etwas dazu gehört und ein bisschen darüber gelesen. Es klang dann sehr eindeutig nach einem Elfmeter, den man anscheinend hätte geben müssen. Ich habe es aber selbst nicht gesehen und auch im Spiel nicht beurteilen können. Meine Mitspieler meinten aber, es habe beim Foul einen sehr lauten Knall gegeben. Naja, es bringt uns nichts … Früher habe ich die Pokalfinals mit ein, zwei nicht so guten Entscheidungen gegen Bayern verloren, jetzt mit Bayern.

Passt es zum Videobeweis, dass am Ende der Saison im Finale so etwas passiert?

Hummels: Irgendwie schon. Irgendwie hat der Videobeweis dieses Jahr noch nicht viel gebracht.

Können Sie die Szene vor dem 1:2 aus Ihrer Sicht beschreiben?

Hummels: Die habe ich gerade nochmal gesehen, das hat mich auch interessiert. Wir hätten das Spiel meiner Meinung nach schon vorher anders auflösen können. So schlagen sie ihn direkt rein und dann ist Rebic natürlich ein Pfeil. Er nimmt mir in der Szene bestimmt zwei, drei Meter ab. Niki, der auch ein Pfeil ist, kommt auch nicht ganz mit. Rebic ist eben pfeilschnell  - und es war sicherlich ein von Frankfurt so gewolltes Tor. Die Bälle nach Balleroberungen auf Rebic haben sie über das ganze Spiel immer wieder gespielt. Rebic ist jedem irgendwann mal weggelaufen, die Schnelligkeit ist nunmal seine ganz große Stärke. Ich habe auch überlegt, ob ich mit Vollgas in den Zweikampf reinspringen und versuchen soll, irgendwie den Ball zu spielen. Aber ich glaube, wenn ich den Ball nicht treffe, gibt es die Rote Karte. Es war schwierig, das in der kurzen Zeit zu entscheiden.

Ist es unter dem Strich ein Titel zu wenig für den FC Bayern?

Hummels: Auf jeden Fall, vor allem mit den Möglichkeiten, die wir hatten. Das Champions-League-Halbfinale tut uns mit Sicherheit immer noch sehr weh, weil wir da das Gefühl hatten, dass wir ins Finale eingezogen wären, wenn wir am Maximum gewesen wären. Heute haben wir den Titel, den wir mit der Qualität, die wir haben, eigentlich hätten holen müssen, auch nicht geholt. Wir haben es wieder nicht so ganz auf den Platz gebracht. Da ist es dann mit Sicherheit ein Titel zu wenig.

In den großen Spielen schießt sich der FC Bayern aufgrund von individuellen Fehlern zum wiederholten Male ein Stück weit selbst ins Knie.

Hummels: Die haben wir in anderen Spielen auch gemacht, aber da sind wir nicht immer bestraft worden. Diese leichtsinnigen Ballverluste sind ein Thema, das sich durch die ganze Saison zieht. Sehr viele haben es sehr oft angesprochen, aber wir haben es nicht ganz abstellen können.

Wie lange wirkt so ein Spiel nach?

Hummels: Ich sage ganz ehrlich: Ich werde den Kopf jetzt erstmal fünf Tage komplett frei machen. Wenn man ein Spieler ist, der sich über viele Dinge in einer Mannschaft Gedanken macht, dann merkt man irgendwann eine gewisse Geschafftheit. Am Freitag muss ich wieder bei 100 Prozent sein, aber jetzt brauche ich erstmal diese fünf Tage.

Am Sonntag müssen Sie noch auf den Balkon.

Hummels: Na gut, das muss wohl sein.

Sie und Ihre Mannschaftskollegen sind nach der Medaillenübergabe gleich in der Kabine verschwunden. Hätte man nicht für die Siegerehrung auf dem Platz bleiben müssen?

Hummels: Ich bin bestimmt schon ein, zweimal in meiner Karriere direkt reingegangen, das hatte nie etwas mit Respektlosigkeit zu tun. Es war eher so, dass wir da fast schon hereingeleitet worden sind. Es hat auch niemand gesagt: "Ihr müsst bleiben". Das haben wir dann gar nicht hinterfragt. Da hat der eine den Anfang gemacht und die anderen sind wie eine Entenfamilie hinterhergedackelt. Wie gesagt: Das hatte 0,0 mit fehlendem Respekt zu tun. Es gab ja auch keine Szenen nach dem Spiel, sondern die beiden Vereine sind da sehr respektvoll miteinander umgegangen. Und eines muss man auch sagen: Ich glaube, die Frankfurter freuen sich nicht weniger, nur weil wir ihnen dabei nicht zugeschaut haben.

Niko Kovac kommt nun mit einem Titel zu Bayern. Hat das eine Relevanz?

Hummels: Nein, wir hätten ihn auch vollkommen als sehr guten Trainer und Fachmann respektiert, wenn wir das Ding gewonnen hätten. Für mich persönlich macht das also keinen Unterschied. Die Meinung war vorher schon immer gut.