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Manchester City: Umbruch am Existenzmaximum

16:00 MESZ 31.05.17
GFX Manchester City Pep Guardiola Umbau
Nach einem titellosen Jahr forciert Guardiola bei City den Umbruch - und das im Höchsttempo. Geld spielt dabei keine Rolle.

HINTERGRUND

"Bei meinen früheren Klubs wäre ich längst entlassen worden, ich wäre raus gewesen, das ist ganz klar.“ Kein schönes Fazit, das Pep Guardiola nach dem letzten Saisonspiel in der Premier League zog. Der furiose 5:0-Erfolg am finalen Spieltag in Watford, er blendet den Katalanen nicht. Platz drei in der Endabrechnung ist zu wenig. Zu wenig für ihn und für die Ansprüche seines Klubs Manchester City, wie er weiter meinte. Noch nie war Guardiola in seiner Karriere als Profitrainer schlechter platziert. Noch nie hatte er am Ende der Spielzeit keinen Titel zu bejubeln. Das soll sich wieder ändern.

Manchester Citys Wunschkeeper Ederson: Der Torwart, der Assists liefert

Schon seit Wochen drehen sich die Gedanken des 46-Jährigen um den anstehenden Sommer. Das große Ziel, der Titelgewinn in der Premier League, war nach einer Schwächephase mitten in der Saison frühzeitig begraben. Wie kann City in der nächsten Saison besser werden? Ein Umbruch muss her, so der Gedankengang Guardiolas.

"Hier gibt man mir eine zweite Chance, und wir werden es versuchen“, philosophierte Guardiola weiter und ist sich sicher: "Wenn es dann nicht funktioniert, werden sie den Trainer tauschen."

Ein Leben am Existenzmaximum

"Umbruch" - das heißt für fast alle Klubs auf der Welt: Leistungsträger fallen weg, gleich, ob sie den Klub wechseln oder ihre Karrieren beenden. Ein neues Team mit jungen Talenten muss aufgebaut werden. Nicht so bei Manchester City. Der Klub lebt dank finanzieller Gaben des Großinvestors ein Leben am Existenzmaximum. Deshalb ist das Beste gerade gut genug. 

"Ich habe mich kürzlich mit dem Präsidenten Scheich Mansour in Abu Dhabi getroffen und wir haben über die Zukunft geredet. Wir wollen uns verbessern und genau das wird auch geschehen", kündigte Guardiola bereits im März im Daily Star an. Das Geld ist da, Pep die zentrale Figur im Verein ("Ich hatte noch nie so viel Macht als Trainer wie in Manchester") zu vielem bereit. Und er lässt sofort Taten folgen.

Im Höchsttempo: Der Umbruch beginnt 

Nicht einmal zwei Wochen nach Saisonende ist klar: Die Rotation beginnt, der Umbruch soll schnell vollzogen werden. Während die anderen Teams, mit denen man konkurrieren will, noch nicht gehandelt haben, startet City durch. Fünf Spieler müssen den englischen Meister von 2012 und 2014 verlassen. Für Bacary Sagna, Gael Clichy, Jesus Navas, Pablo Zabaleta und Willy Caballero gibt es keine Zukunft im Trikot der Skyblues. Die Verträge laufen aus, Verlängerungen ausgeschlossen. 

Nimmt man die Zahl der Spieler, die den Klub verlassen haben, mal fünf, bekommt man ungefähr die Anzahl an Namen, die allesamt als potenzielle Neuzugänge in Manchester gehandelt werden. Einziger fixer Transfer bislang: Bernardo Silva von der AS Monaco. Kostenpunkt? Rund 50 Millionen Euro - im Erfolgsfall kann die Ablöse sogar auf 69 Millionen Euro ansteigen. Pep hat einen seiner Wunschspieler bekommen: Der 22-Jährige ist ein Riesentalent, erreichte mit den Monegassen das Halbfinale der Champions League und hatte einen großen Anteil an der Meisterschaft des Klubs in der Ligue 1. Mit seinem Spielverständnis, seinem guten Auge und seiner Torgefahr war er mit auch dafür verantwortlich, dass die französische Titel-Phalanx von PSG nach fünf Jahren endlich durchbrochen wurde.

Mit Ederson steht ein zweiter Spieler bereits in den Startlöchern, um die Citizens für die kommende Saison zu verstärken. Der Torhüter weilte am Dienstag bereits in Manchester und unterzog sich dem obligatorischen Medizincheck. Bereits seit Wochen baggert Guardiola am Schlussmann von Benfica Lissabon. Er soll auf der Position zwischen den Pfosten endlich für Stabilität sorgen und den enttäuschenden Claudio Bravo dauerhaft ersetzen. Torino-Rückkehrer Joe Hart spielt in den Planungen längst keine Rolle mehr.

Rund 40 Millionen Euro lässt man sich die Verpflichtung Edersons angeblich kosten. Der Brasilianer wäre damit nach Gianluigi Buffon der teuerste Torhüter in der Geschichte. Der spülte dem AC Parma bei seinem Wechsel zu Juventus im Jahr 2001 satte 52,8 Millionen Euro in die Kassen.

Schlägt Guardiola dem FC Bayern ein Schnippchen?

Wie Goal erfahren hat, ist das aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Neu ins Fadenkreuz von Guardiola und Co. ist jetzt Alexis Sanchez gerückt. Obwohl der Star des FC Arsenal auch heftig vom FC Bayern München umgarnt wird, setzt City alle Hebel in Bewegung, den Chilenen in der Premier League zu halten. Sportchef Txiki Begiristain ist dafür extra nach London gereist, will einen Wechsel schnell forcieren. Das Geld? Zweitrangig. Pep will seine Wunschspieler, um seine Philosophie auch bei seinem neuen Klub kompromisslos durchzusetzen.

Und wenn Begiristain schonmal in London ist, soll er auch gleich Kyle Walker von den Tottenham Hotspur loseisen. Nach den vielen Abgängen sind vor allem die Positionen der Außenverteidiger enorm verwaist. Weiter auf der Einkaufsliste befindet sich französischen Medienberichten zufolge auch Benjamin Mendy, der wie Silva ebenfalls bei Monaco groß auftrumpfte. Auch hier wäre Geld wohl nur ein sekundärer Faktor für eine Transferentscheidung.

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Auch vom aktuellen Personal in der Mannschaft darf sicher keiner zu sicher sein. Guardiola wird keinen Stein auf dem anderen lassen. Außer bei einem hat der Verein klipp und klar den Riegel vorgeschoben: Torjäger Sergio Agüero bleibt. Das bestätigte Khaldoon Al Mubarak, Vorsitzender des Klubs, am Dienstag.

Wie das neue Gesicht der Mannschaft am Ende der Transferperiode aussehen wird, steht in den Sternen. Nichtmal die besten Experten können voraussagen, zu was der Klub auf dem Transfermarkt noch in der Lage ist. Sicher ist nur: Es wird sich noch viel tun im Etihad Stadion in diesem Sommer. Denn Pep Guardiola weiß: Die zweite Chance beginnt diesen Sommer. Bei seinen früheren Klubs wäre er nun schon nicht mehr im Amt. Das ist für ihn Motivation genug.