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Manchester Citys Wunschkeeper Ederson: Der Torwart, der Assists liefert

16:00 MESZ 29.05.17
*GALLERY" Ederson Manchester City
Claudio Bravo entpuppte sich als Flop, eine neue Nummer eins soll her: City hat einen teuren Wunschkandidaten, der perfekt zu Guardiolas Stil passt.

Die Abwehrspieler der Premier League sollten sich vorsehen: In der kommenden Saison kommt einiges auf sie zu. Manchester City steht vor der Verpflichtung eines brasilianischen Juwels. Es ist aber nicht etwa ein Stürmer, der Torgefahr versprüht, sondern ein Keeper. Und der verfügt über eine ganz besondere Waffe.

Manchester City ist bei Ederson-Deal zuversichtlich

Eine Waffe, die sich City sichern will. Trainer Pep Guardiola ist auf großer Shoppingtour durch Europa. Monacos Bernardo Silva hat er sich schon geschnappt, nun befindet sich Benfica-Star Ederson im Einkaufswagen des City-Coaches. Man ist gewissermaßen schon auf dem Weg an die Kasse. Die Frage ist nun: Wie viel muss Manchester für den 23 Jahre alten Schlussmann hinblättern?

Wird Ederson der zweitteuerste Torwart der Welt?

Wahrscheinlich ist eine Ablöse in Höhe von 35 Millionen Pfund. Das entspricht etwa 40 Millionen Euro und würde Ederson zum zweitteuersten Keeper aller Zeiten machen. Einzig Gianluigi Buffon war bei seinem Transfer zu Juventus 2001 teurer. Weltklasse-Torhüter wie Manuel Neuer (Bayern München) und David De Gea (Manchester United) gingen dagegen deutlich günstiger über den Ladentisch. Was also zeichnet diesen Brasilianer aus, der 2015 noch für schlappe 500.000 Euro nach Lissabon zurückkehrte?

Augenscheinlich ist vor allem Edersons unbedingtes Bestreben, das Spiel seiner Mannschaft schnell zu machen. Im Alter von 16 Jahren erzielte er mit einer Klärungsaktion vor dem eigenen Gehäuse gar einen Treffer. Er verfügt über präzise Abwürfe und vor allem extrem weite Abschläge. Im Ligaspiel gegen Guimaraes vor wenigen Wochen, in dem Benfica den Meistertitel eintütete, gelang ihm damit gar ein Assist. Mit unglaublicher Genauigkeit drosch er das Leder aus dem eigenen Sechzehner nach vorn zu Raul Jimenez. Das Leder tickte einmal auf, der Angreifer umkurvte den Keeper und köpfte ein. Die Szene gibt’s im Video unten ab Sekunde 20.

Das Stilmittel mit den langen Schlägen Edersons hat Benfica bewusst immer wieder angewandt und so das Mittelfeld schnell überbrückt. Auch Pep Guardiola wird das bei City verstärkt praktizieren lassen. Bereits in dieser Saison verlangt er von Sergio Agüero mehrfach, bei Abschlägen des eigenen Torwarts eine "Abseitsposition" einzunehmen. Denn eben diese gibt es nicht, wenn die Kugel per Abschlag vom Keeper kommt.

Ederson ist aber auch beim Herauslaufen und auf der Linie stark. Bei Borussia Dortmund wissen sie das noch genau, im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals trieb er die Schwarz-Gelben mit fünf starken Paraden und einem gehaltenen Strafstoß zur Verzweiflung. Edwin van der Sar, langjähriger Keeper bei Citys ungeliebtem Nachbarn United, hielt bei DN große Stücke auf Ederson: "Er hat in der Champions League schon gezeigt, dass sein Talent nicht bestritten werden kann. Er ist stets fokussiert und kann das Spiel exzellent lesen. (…) In England wird er anderen Druck erleben. Ich habe aber keinen Zweifel daran, dass er über die Qualität verfügt, alles zu überwinden."

Ederson passt perfekt zu Peps Philosophie

So auffällig seine zahlreichen Tattoos am Oberkörper sind, so introvertiert gibt sich Ederson außerhalb des Rasens. Lange Interviews gibt er selten, postet stattdessen lieber Bilder bei Instagram oder Facebook. Ex-Nationaltrainer Carlos Dunga nannte ihn "einen guten Jungen".

 

 

Ein Beitrag geteilt von Ederson Moraes (@ederson93) am 28. Mai 2017 um 12:27 Uhr

Für ManCity ist aktuell klar: Es muss ein Torhüter her, der perfekt zu Pep Guardiolas Philosophie passt. Da darf es keine Kompromisse geben, der katalanische Coach hat sein Anforderungsprofil klar umrissen und es gibt auf der Welt eben nicht viele Torhüter, die Peps Ansprüchen genügen. Und die auch verfügbar sind! Ederson passt perfekt in dieses Profil, er ist zudem jung und noch formbar - und er ist auf dem Markt.

Er kennt den europäischen Fußball trotz seines jungen Alters bereits sehr gut. Mit 16 kam er einst vom FC Sao Paulo nach Lissabon. Dort entwickelte er sich aber nicht wie gewünscht und nahm den Umweg über den Drittligisten GD Ribeirao und Rio Ave, ehe er vor zwei Jahren für eine halbe Million Euro Ablöse zurückkehrte. Rio Ave reibt sich angesichts des anstehenden Wechsels übrigens auch die Hände, denn der Klub hält noch 30 Prozent der Transferrechte an dem Südamerikaner.

Zurück bei Benfica musste Ederson sich zunächst hinter Routinier und Landsmann Julio Cesar anstellen, ehe das 1,88 Meter große Kraftpaket im Frühjahr 2016 seine Chance bekam, sie nutzte und mit dem Klub eine Serie von zehn Siegen in Folge auf dem Weg zur Meisterschaft startete. Seitdem ist er die klare Nummer eins beim portugiesischen Rekordmeister und hielt seinen Kasten in dieser Saison in 27 Ligaspielen 18-mal sauber.

Ederson bevorzugt "City und England"

Im Sommer 2016 wurde er während einer Fragestunde bei Facebook gefragt, ob er theoretisch lieber zu Manchester City oder Bayern München wechseln würde. Schon damals deutete sich an, dass ihn sein Weg irgendwann in die Eastlands führt. "Es sind beides großartige Vereine, die in der nächsten Saison um Titel kämpfen", meinte Ederson: "Ich bevorzuge allerdings City und England."

Mittlerweile steht er auch kurz vor dem Debüt in der Selecao. Fünf Länderspiele absolvierte er bereits für Brasiliens U23 und die Copa America Centenario verpasste er im Vorjahr nur wegen einer Verletzung. Nicht wenige Fachleute sehen in ihm Brasiliens Zukunft auf der Torhüterposition und rechnen damit, dass er Konkurrent Alisson (Roma) schon bald verdrängt. Er selbst sagt dazu: "Ich beschäftige mich nicht mit den Dingen, die gesagt werden. Ich bin da ganz ruhig. Wenn es passiert, dann passiert es. Ich werde aber hart arbeiten, um meine Chance zu bekommen."

City geht davon aus, dass der Transfer in dieser Woche über die Bühne gebracht wird, schließlich verhandeln beide Klubs seit geraumer Zeit. Benfica spielte am Sonntag noch das Finale um die Taca de Portugal und gewann mit 2:1 gegen Vitoria Guimaraes. Nun ist die Saison vorbei und die Personalplanung kann vorangetrieben werden.

Ederson sagte nach dem Spiel bei RTP: "Ich weiß es nicht sicher, aber das war vermutlich mein letztes Spiel für Benfica." Und sein Trainer Rui Faria meinte: "Falls Ederson uns verlässt, dann tut er das mit der Dankbarkeit Benficas. Er wird Benficas Namen immer mit sich tragen."

Aller Voraussicht nach trägt er diesen Namen in die Premier League. Und die Gegner sollten sich vorsehen, wenn er den Ball hat und ausholt.