Lukas Rupp im Goal-Interview: "Der Neymar-Wechsel geht gar nicht"

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Getty Images / Goal
Lukas Rupp spricht im Goal-Interview über den Neymar-Wechsel, das "Problem" der Premier League und verrät seinen besten Mitspieler.


EXKLUSIV

Seit 2016 spielt Lukas Rupp nun für die TSG 1899 Hoffenheim. Der 26-Jährige hat sich zum wichtigen Rotations-Spieler für Julian Nagelsmann entwickelt und sich nach seiner Verletzungspause 2016/17 wieder zurückgekämpft. 

Im Goal-Interview spricht er über seinen schönsten Moment, eine Idee für die Zeit nach der Karriere und Handball. 

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Wie ist es um Ihr Handball-Interesse bestellt?

Lukas Rupp: Heute bin ich dem Handball-Sport nicht mehr so nah. Das war früher natürlich ganz anders, als mein Vater noch Bundesliga-Trainer war. Ich war jedes Wochenende bei Spielen. Heute versuche ich ab und zu, Partien von Leutershausen anzuschauen. Das klappt natürlich selten, weil wir ja auch am Wochenende spielen. Aber wenn die Möglichkeit besteht, bin ich in der Halle. Ich habe auch eine Dauerkarte. Wenn ich gehe, dann mit meinem Vater. Ganz wie früher.

Wie geprägt war Ihre Kindheit durch die Tätigkeit Ihres Vaters vom Handball?

Rupp: Mein Vater hat mir die Möglichkeit gelassen, das zu tun, was ich machen möchte. Natürlich hat er es erst mit Handball probiert, war dann aber nicht sauer, als ich mich lieber für den Fußball entschieden habe. Dass mein mittlerer Bruder Handball gespielt hat, hat ihn sicherlich besänftigt (lacht).

Sie haben schon immer lieber den Fuß als die Hand benutzt, wenn es um Ballsportarten ging.

Rupp: Ganz genau. Ich habe immer meinen Fußball in die Halle mitgenommen. In der Halbzeit haben alle Kids aufs Tor geworfen, ich habe immer lieber gekickt. Das fanden die anderen nicht so toll. Man sollte ja werfen. Dass ich immer mit meinem Fußball rumgerannt bin, hat nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst (lacht).

Aus dem kickenden Jungen in Handballhallen wurde ein großartiger Fußballer. Inzwischen spielen Sie bei der TSG 1899 Hoffenheim. Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Saison?

Rupp: Mit dem Tabellenplatz sehr. Dass es mit der Qualifikation für die Champions League nicht geklappt hat, ist natürlich sehr schade. Meine eigenen Leistungen waren durchwachsen. Da ist sicherlich noch Luft nach oben.

Dabei sind Sie ein sehr vielseitiger Spieler.

Rupp: Das stimmt. Ich sehe mich am ehesten auf einer der beiden Achterpositionen. Teilweise habe ich auch als Joker in der Fünferkette hinten rechts gespielt. Eine Position, die ich auch drauf habe. Wenn ich es mir aber aussuchen darf, dann spiele ich lieber im Zentrum. Letztlich laufe ich überall da auf, wo der Trainer mich aufstellt.

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Besagter Trainer, Julian Nagelsmann, gilt als eine der größten Hoffnungen an der Seitenlinie Deutschlands. Was macht ihn so besonders?

Rupp: Er tickt so wie wir Spieler, ist jünger als einige von uns. Gleichzeitig ist er taktisch extrem versiert. Er hat immer einen Plan, der meistens aufgeht. Auf der einen Seite ist er sehr locker, kickt nach dem Training mit aufs Tor und spielt auch mal mit. Auf der anderen Seite ist er bei seinen Ansprachen sehr klar und deutlich. Das ist beeindruckend, wie er das schafft: im Alltag so wie wir Spieler aufzutreten, und als Trainer dann so klar zu agieren.

Wie haben Sie die ersten Trainingseinheiten unter Nagelsmann erlebt?

Rupp: Das Training war komplexer. Es war am Anfang eine echte Herausforderung, mit den taktischen Anweisungen zurechtzukommen. Es wurde viel mit verschiedenen Farben gearbeitet. Es war also nicht so sehr für die Beine anstrengend, sondern für den Kopf. Das war auf jeden Fall einen Tick anders, als ich es von meinen vorigen Stationen kannte.

Julian Nagelsmann wird immer wieder mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht. Spricht er mit ihnen, wenn wieder neue Gerüchte auftauchen.

Rupp: Nein, bisher habe ich in diese Richtung vom Trainer nicht ein Wort gehört. Für uns Spieler ist das aber auch absolut kein Thema. Man ist das ja gewohnt, dass ständig in irgendeine Richtung Gerüchte auftauchen. Wir arbeiten ganz normal als Team weiter.

In Interviews klingt oft der besondere Teamgeist der TSG durch. Wie erleben Sie das?

Rupp: Ich kann da keinen großen Unterschied zu meinen vorigen Stationen erkennen. Auch bei Stuttgart und Paderborn war der Teamgeist super. Es ist in einer Fußballmannschaft aber auch völlig normal, dass sich man mit dem einen mehr zu tun, mit den anderen weniger.

Sie stehen bei der TSG bis 2020 unter Vertrag, sind 26 Jahre alt. Würde Sie ein Wechsel ins Ausland reizen?

Rupp: Ich kann mir das auf jeden Fall irgendwann einmal vorstellen. Die spanische und die englische Liga sind beide sehr interessant. Aber natürlich werde ich meinen Vertrag hier erfüllen.   

Zumal Ihr Stil zum englischen Fußball passt.

Rupp: Das größere Problem ist da schon eher das Wetter (lacht). Das ist Spanien dann schon die besser Alternative. Im Ernst: Man wird sehen, was die Zeit bringt – hoffentlich nochmal Champions-League, dort spielen die besten Mannschaften, dort erlebt man Momente, die man nie vergisst.

GFX Rupp

Gutes Stichwort: Was war Ihr schönster Karrieremoment?

Rupp: Als wir mit Gladbach bei Olympique Marseille spielten, reichte uns ein Unentschieden zum Weiterkommen. 15.000 Gladbacher waren dabei und wir haben es am Ende geschafft. Das waren unglaubliche Szenen! Unvergesslich war auch unser Champions-League-Quali-Spiel mit der TSG gegen Liverpool. Ich stand in der Startelf und es war ein Highlight, gegen ein Top-Team wie Liverpool zu spielen. Beeindruckend!

Wer war Ihr bester Mitspieler?

Rupp: Einer, der immer den Unterschied ausmachen kann, wenn er Lust hat, ist Raffael, mit dem ich bei Gladbach zusammengespielt habe. Er hat es manchmal ein wenig langsamer angehen lassen. Wenn er aber am Ball war, seine Technik, sein Tempo, war er ein Riesen-Kicker, der es mit allen aufnehmen konnte. Der war wirklich einer, bei dem man als Mitspieler schon manchmal dachte: 'Ok … Wow!'

Gibt es Spieler, bei denen sie ganz genau hinschauen?

Rupp: Eigentlich bei jedem, der in der Champions League spielt. Ob Paris, Bayern, Barcelona, Real Madrid – bei den Top-Teams kann man sich von jedem etwas abschauen. Das ist beeindruckend, welche Qualität da auf dem Platz steht.

Ebendiese Qualität wird immer teurer. Neymar wechselte im Sommer für 222 Millionen Euro.

Rupp: Für mich sind diese Summen nicht gerechtfertigt. Wenn man das mit vor drei Jahren vergleicht, ist das schon Wahnsinn. Dieses Geld ist kein Spieler der Welt wert. Ob das nun ein Neymar ist oder ein anderer.

Hat man als Profi bei solchen Summen ein anderes Bild als der Fan?

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Rupp:  Man reagiert bei Wechseln wie dem von Neymar wie jeder Fan auch und denkt sich: 'Geht gar nicht!' Es ist genau wie ein Gespräch mit Freunden. Da reagiert jeder erstmal gleich, und denkt, dass diese Entwicklung unmenschlich ist.

Wollen Sie trotzdem nach Ihrer Karriere im Fußballgeschäft bleiben, vielleicht als Trainer arbeiten?

Rupp: Als Trainer auf gar keinen Fall. Da ist man ja genau so viel unterwegs wie jetzt auch. Da hat dann schon die Familie Vorrang. Ich bin nicht der Typ für ein ewiges Wanderleben. Vielleicht mache ich ein Restaurant auf. Ich gehe schließlich sehr gerne essen, weil ich nicht kochen kann. In mein eigenes Restaurant könnte ich dann immer. (lacht)

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