Löw-Vertreter Sorg völlig entspannt: "Ich fühle mich sicher und wohl"

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Marcus Sorg gibt sich trotz der außergewöhnlichen Situation vor den beiden EM-Qualifikationsspielen in Weißrussland und gegen Estland gelassen.

Auf den von Joachim Löw geliebten Espresso verzichtete Marcus Sorg. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Ersatz-Bundestrainer nippte er nur an seinem Wasserglas. Doch im VIP-Raum des Stadions De Koel des niederländischen Erstligisten VVV Venlo wirkte Sorg ähnlich entspannt und selbstbewusst wie sonst der diesmal fehlende Weltmeistercoach.

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"Ich fühle mich sicher und wohl. Ich bin seit 20 Jahren hauptberuflich Trainer. Ich bin es gewohnt, vor einer Gruppe zu sprechen und Entscheidungen zu treffen", sagte der 53-Jährige. Zu seinem guten Gefühl tragen auch die täglichen Telefonate mit Chef Löw bei. Denn vor den beiden EM-Qualifikationsspielen am Samstag in Weißrussland und drei Tage später in Mainz gegen Estland (beide 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) ist auch für Sorg klar: "Natürlich hat der Bundestrainer das letzte Wort."

Sorg: "Mit aller Macht eine souveräne Qualifikation"

Am Montagmorgen ergriff aber zunächst einmal Sorg das Wort und richtete vor dem ersten Training eine kurze Ansprache an die Mannschaft. Der Auftrag nach dem glänzenden Start in die EM-Qualifikation mit dem Sieg beim Erzrivalen Niederlande (3:2) ist klar: "Wir wollen mit aller Macht eine optimale und souveräne Qualifikation. Dazu gehören die sechs Punkte, damit wir die Tabelle im Sommer anführen", sagte Sorg.

Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff sieht die Stimmung durch Löws Fehlen "getrübt", hat aber trotz der außergewöhnlichen Situation keine Zweifel an einer erfolgreichen Fortführung des eingeschlagenen Weges. Er lobte "Vollbluttrainer" Sorg in höchsten Tönen. Der Stellvertreter habe eine "hohe Kompetenz" und "klare Vorstellungen". Sorg spreche "die Dinge klar an" und sei "in der Lage, Entscheidungen zu treffen", so Bierhoff.

Sorg waren die Lobeshymnen fast schon ein bisschen unangenehm. Er sei zwar "überzeugt, dass wir es zur vollsten Zufriedenheit des Bundestrainers lösen", doch Ansprüche meldete er auch für den Erfolgsfall keine an. "Joachim Löw weiß, dass er sich darauf verlassen kann, dass ich da gar keine Intention habe", antwortete Sorg lächelnd auf die Frage, ob er Ambitionen habe, Löw aus dem Amt zu drängen: "Ich sehe mich selbstverständlich hier nicht in der Rolle des Bundestrainers."

Sorg: "Spieler müssen schnell wieder in die Spur kommen"

Doch der Assistent ist nun bis zum Abflug nach Minsk am Freitag in vorderster Linie gefordert. Seit dem Saisonfinale sind die Profis ohne Wettkampfpraxis. Jetzt müssen sie nach ihren Kurz-Urlauben wieder schnell in den Spielmodus schalten. Sorg nimmt die Profis um Kapitän Manuel Neuer, der von Torwarttrainer Andreas Köpke eine Einsatzgarantie für Samstag erhielt, in die Pflicht. "Die Spieler müssen wieder schnell in die Spur kommen. Das Anforderungsprofil an Nationalspieler ist, dass sie wieder hochfahren und sich konzentrieren können", sagte Sorg.

Beim ersten Training, bei dem der Gladbacher Matthias Ginter aufgrund seiner Hochzeit am Wochenende noch fehlte, ließ es der vorübergehende Chef aber noch ruhig angehen. Mit seinem "leichten Einstieg" wollte er die Spieler "nicht zu sehr beanspruchen", sagte Sorg, um "keine muskulären Probleme" zu riskieren.

Mit zwei Trainingseinheiten am Dienstag wird die Intensität aber erhöht. Alles natürlich in Absprache mit dem "über allem schwebenden" Bundestrainer, wie es Sorg schon beim Treffpunkt in Venlo formuliert hatte. "Es ist beruhigend zu wissen, dass mir der Trainer schon immer vertraut und Verantwortung übertragen hat", sagte Sorg und nippte noch einmal an seinem Wasser "aus niederländischem Brunnen".

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