Jürgen Klopp kann plötzlich doch Mega-Transfers: Warum das für den FC Liverpool genau richtig ist

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Getty/Goal
2016 sagte Klopp noch, beim Wechsel-Wahnsinn nicht mitmachen zu wollen. Inzwischen tätigt auch er Mega-Transfers - und das ist gut für Liverpool.


HINTERGRUND

Denkt man an Jürgen Klopp, denkt man an Enthusiasmus, an Impulsivität, hier und da sogar zu viel davon. Man denkt an Gegenpressing, an 'Heavy-Metall-Fußball' a la 'Wenn ihr zwei Tore schießt, machen wir eben drei'. Des öffentlichen Bildes zum Trotz wusste der Trainer des FC Liverpool aber auch stets um die enorme Wichtigkeit einer stabilen Defensive. 

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Drei Jahre sind bald vergangen, seit der deutsche Coach das Zepter an der Anfield Road übernommen hat. Seine erste Pressekonferenz war schon legendär, kurz nachdem sie stattgefunden hatte. "The Normal One" nannte er sich mit seinem typischen, breiten Grinsen im Gesicht. Er sprach davon, einen der größten Klubs der Welt wieder zurück auf den richtigen Kurs bringen zu wollen. Das klang pathetisch. Und ganz anders als Klopps kaum wirklich wahrgenommene Worte an jenem Tag im Oktober 2015 über den Spielstil, den er mit den Reds verfolgen will.

"Die ganze Welt redet über Ballbesitzfußball. Aber wir haben einen Plan für die Zeit, in der wir selbst den Ball haben und einen anderen Plan für die Zeit, in der wir ihn nicht haben", erklärte Klopp. "Man kann nicht nur an die Offensive denken - man muss auch Stabilität nach hinten haben. Wenn man diese spürt, ist man frei dafür, kreativ zu sein. So funktioniert Fußball."

Alisson, van Dijk und Co.: Findet Liverpool endgültig zu Stabilität?

Kreativ war Liverpool in den mittlerweile mehr als zweieinhalb Spielzeiten unter Klopp allemal. Doch die Suche nach der vom Coach so hervorgehobenen Stabilität zog sich hin, nun könnte sie jedoch endlich bald beendet sein. Dank der jüngsten Neuverpflichtungen.

Im Januar holte Liverpool Virgil van Dijk für knapp 84 Millionen Euro aus Southampton, machte den Niederländer zum teuersten Verteidiger aller Zeiten. Gut ein halbes Jahr später, das ist seit Donnerstagabend endgültig klar, tütete der Champions-League-Finalist den nächsten Rekord-Deal ein: Alisson kommt von der Roma, für 75 Millionen Euro. Der Brasilianer löst damit Gianluigi Buffon als teuersten Keeper der Geschichte ab. Auch die 100 Millionen Euro, die insgesamt in Naby Keita und Fabinho, zwei defensive Mittelfeldspieler, investiert wurden, haben vorwiegend ein Ziel: Endlich diese verdammte Stabilität in der Defensive gewährleisten.

Klopp ist von jedem einzelnen dieser Transfers überzeugt, glaubt daran, dass sie Liverpool den großen Zielen in Premier League und Champions League näher bringen. Spätestens seit der Verkündung des Alisson-Transfers haben die Mannen von der Anfield Road wohl den stärksten Kader seit Jahren.

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Viel Geld macht's möglich. Weltrekord-Transfers, für die Klopp eigentlich nie der Typ war, die sonst eigentlich nicht mit seinen Prinzipien konform gingen. "Andere Vereine können das machen, immer mehr Geld ausgeben und sich Top-Spieler holen", sagte er im Juli 2016, als Paul Pogba gerade für 105 Millionen Euro von Juventus zu Manchester United gewechselt war. 

Klopp führte aus: "Aber wenn du einen Spieler für 110 Millionen Euro oder wie viel auch immer holst und er sich verletzt, dann war alles für die Katz'. Muss ich es anders machen? Ehrlich gesagt, will ich es anders machen. Ich würde es auch anders machen, wenn ich das entsprechende Geld hätte. An dem Tag, an dem das den Fußball ausmacht, werde ich meinen Job nicht mehr machen."

Liverpool-Trainer Klopp plötzlich mit Spendierhosen: Inzwischen unausweichlich?

Sätze, die nach den jüngsten Entwicklungen, den Rekord-Transfers von van Dijk oder Alisson, natürlich merkwürdig und befremdlich wirken. Und United-Trainer Jose Mourinho hat sich jene Worte Klopps selbstredend gemerkt und sie letzten Winter bereits in seiner typischen Manier gegen den Trainerkollegen aus Liverpool verwendet. Aber letztlich sind sie nur Ausdruck dessen, dass Klopp und Co. eines verstanden haben: Mit besagtem 'Anders machen' kann man zwar weit kommen - um den allerletzten Schritt, den zum Gewinn der großen Titel zu gehen, braucht es wahrscheinlich aber doch mehr. Es braucht Geld. Leider ist der Fußball mittlerweile so.

Und beim Ausgeben des Geldes, das hat man in Liverpool erkannt, ist es heutzutage mehr und mehr Usus, auch für Defensivspieler ganz tief in die Tasche zu greifen. Nicht zuletzt die Ablösesummen für van Dijk und Alisson belegen diesen Wandel. Auch Manchester City investiert inzwischen riesige Summen in Verteidiger, während ein Sechser wie N'Golo Kante dem FC Chelsea einen wahren Geldsegen bescheren würde, sollte er die Blues diesen Sommer noch verlassen.

Fußball ist eben ein Spiel, das stärker von dem schwächsten Glied im Team als von dessen stärkstem Spieler beeinflusst wird. Liverpools Fans können davon nicht erst seit dem Champions-League-Finale gegen Real Madrid im Mai ein Lied singen. Das Europa-League-Endspiel 2016 ist ein ebenso gutes Beispiel. Oder das 3:3 gegen Watford am ersten Premier-League-Spieltag der vergangenen Saison, als Simon Mignolet mehrfach schlecht aussah.

Was benötigte Liverpool dringend, um die Lücke zu den führenden Mannschaften, zu denen, die die Trophäen abstauben, schließen zu können? Einen Torwart auf absolutem Top-Niveau, das war mitunter am offensichtlichsten. Einen neuen Linksverteidiger vielleicht. Einen dominanten Innenverteidiger, der präsent ist und Sicherheit ausstrahlt. Und etwas mehr Dynamik im Mittelfeldzentrum. Ach ja, nicht zu vergessen, ein wenig mehr Breite im Kader, eine Nachlege-Option für die Offensive von wirklich hoher Qualität.

Alisson Becker Liverpool

Eben jene Baustellen hat Klopp in den letzten zwölf Monaten sukzessive abgearbeitet und behoben. Alberto Moreno wurde links hinten von Andrew Robertson verdrängt, van Dijk für viel Geld dazu geholt, zudem mit Alex Oxlade-Chamberlain, Keita und Fabinho in Dynamik und Qualität am Ball für das Mittelfeldzentrum investiert. Und Xherdan Shaqiri, mit knapp 15 Millionen Euro für heutige Verhältnisse ein Schnäppchen, ist ein exzellenter Backup für Sadio Mane oder Mohamed Salah.

Alisson: Liverpools finales Puzzle-Teil

Alisson ist nun das finale Puzzle-Teil. Ein Torwart, der entscheidenden Anteil daran hatte, dass es die Roma letzte Saison ins Champions-League-Halbfinale schaffte. Der Brasiliens Nummer eins bei der WM 2018 war, zu den besten Keepern der Welt zählt und mit 25 zudem noch sehr jung ist. Er ist die Lösung des Problems, das spätestens mit Loris Karius' bitterem Abend im CL-Finale offensichtlich wurde.

Klopp konnte es nicht riskieren, mit Karius, der in einem Testspiel zuletzt erneut patzte, als Nummer eins in die Saison zu gehen. Simon Mignolet hat das Vertrauen des Trainers ohnehin schon vor einiger Zeit verloren und Danny Ward wäre entgegen einiger Mutmaßungen schlichtweg nicht bereit für diese Bürde gewesen. Es bedurfte eines Eingriffs, eines teuren Eingriffs.

Wie van Dijk war auch Alisson die absolute Wunschlösung Klopps und seines Teams, wie bei van Dijk waren sie daher auch beim Brasilianer bereit, das Portemonnaie mit den großen Scheinen zu öffnen. Und wie van Dijk wird auch Alisson nun mit hohen Erwartungen zurechtkommen müssen. Es wird sehr viele Leute geben, die er überzeugen muss, nicht nur innerhalb Liverpools.

Gelingt ihm das, ist es fürs Erste schwierig, Kritik an Liverpools jüngster Transferpolitik anzubringen. Man beseitigt die Zweifel, merzte eine Schwachstelle nach der anderen aus. Die Reds zu den heißesten Anwärtern auf den Titel in der Premier League zu zählen, ist spätestens seit Donnerstagabend daher ein absolutes Muss.

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