Peter Neururer im Goal-Interview: "... dann kann Goretzka ja zu Real oder Barca wechseln"

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Peter Neururer trainierte ihn beim VfL Bochum: Mit Goal spricht er über Goretzkas Wechsel zum FC Bayern und erklärt, warum der Schritt richtig ist.


EXKLUSIV

Leon Goretzka und Trainer Peter Neururer arbeiteten vor gut viereinhalb Jahren beim VfL Bochum zusammen. Nach dem Wechsel seines ehemaligen Schützlings von Schalke 04 zum FC Bayern München spricht Neururer im Goal-Interview.

Vier Varianten: So könnte Bayern mit Goretzka spielen

Herr Neururer, wenn ein Spieler zu Bayern wechselt, wird oft darüber diskutiert, ob der Schritt verfrüht ist. Auch bei Goretzka meinte der eine oder andere, er hätte noch ein weiteres Jahr auf Schalke reifen sollen. Was sagen Sie?

Peter Neururer: Das sagen diejenigen, die ihn gerne auf Schalke sehen. Zu denen gehöre ich natürlich auch. Bei der Reife des Spielers ist der richtige Zeitpunkt aber genau dann gekommen, wenn der eigene Vertrag ausgelaufen ist. 

Für den Spieler und den aufnehmenden Verein sicherlich. Aber wie beurteilen Sie den Zeitpunkt aus sportlicher Sicht für Goretzka?

Neururer: Leon hat eine tolle Entwicklung über den Nachwuchsbereich beim VfL Bochum bis hin zur ersten Mannschaft genommen. Dann ist er den nächsten großen Schritt in die Bundesliga gegangen, wurde bei Schalke zum Stammspieler und absoluten Leistungsträger. Und jetzt macht er eben den nächsten Schritt zu einem noch größeren Verein. Es hat sich ja die Frage gestellt: Wo will er denn hingehen? Da bleibt in Deutschland nur Bayern München. Und wenn ich die Möglichkeit habe, dorthin zu gehen, dann mache ich das. Für mich war das sportlich der richtige Schritt. Leider kann Schalke ihm die Perspektive, die er sportlich haben möchte und die für seine Weiterentwicklung auch notwendig ist, nicht bieten. Dazu zählt, regelmäßig unter Garantie in der Champions League zu spielen, um sich mit den Größten zu messen.

Debüt beim VfL mit 17, mit 18 zu Schalke, mit 23 zu Bayern: Goretzkas Weg wirkt gut geplant. Man fragt sich, wo das überhaupt noch hinführen soll. 

Neururer: In Deutschland gibt es jetzt keine Steigerung mehr, und auch international: Was soll da besser sein als Bayern München? Auf einer Ebene wären Real Madrid, der FC Barcelona und vielleicht die ganzen ferngesteuerten Vereine. Aber ob das dann sportlich wirklich mehr wäre, wage ich zu bezweifeln. Auf gleicher Ebene kann er ja dann zu Real oder Barca wechseln, wenn er seine Qualität acht Jahre bei Bayern unter Beweis gestellt hat. Denn davon gehe ich aus. Ich persönlich bin auf jeden Fall froh, dass er der Bundesliga erhalten bleibt.

2018-01-01 Leon Goretzka

Sie haben in Bochum mit Goretzka zusammengearbeitet. War für Sie damals schon absehbar, dass er solch eine Entwicklung nehmen würde?

Neururer: Einige Dinge sind natürlich auch durch den Lauf der Zeit erklärbar. Aber die Veranlagung, die man bei ihm schon in jüngeren Jahren gesehen hat, auch als ich noch nicht sein Trainer war, da war von vornherein klar, dass der Spieler bei einer linearen Entwicklung bis hin zur Weltklasse reifen kann. Das war frühzeitig erkennbar. Aber in einer Entwicklung können einen ja auch Faktoren wie Verletzungen oder andere Dinge von dem normalen Plan ablenken. Die eine oder andere Verletzung hatte Leon vielleicht schon, aber sein Weg ging immer stetig nach vorne. Er ist ein außergewöhnliches Talent mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Neben seiner Schnelligkeit und all den Grundtugenden, die man als Fußballer haben sollte, kommt bei ihm noch dazu, dass er ein äußerst intelligenter Junge ist. Er kommt aus einem sehr, sehr guten Elternhaus und hat das auch nicht vergessen.

Schalke-Manager Christian Heidel sagte, es habe nicht nur eine mündliche Vereinbarung über eine Vertragsverlängerung gegeben, sondern auch ein finales Agreement. Anwälte hätten sogar schon die Verträge aufgesetzt. Plötzlich habe Goretzka dann jedoch gesagt, dass er noch abwarten wolle. Das klingt ein wenig, als habe Goretzka ein falsches Spiel getrieben.

Neururer: Dazu kann ich nichts sagen. Ich kenne Leon nur als hundertprozentig verlässlichen und ehrlichen Menschen. Wenn er etwas sagt, hat das immer Hand und Fuß. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender Typ, der sich alles ganz, ganz reiflich überlegt und nichts Unbesonnenes macht. Wenn Christian Heidel das behauptet, wird er seine Gründe dafür haben. Man darf aber nicht vergessen: Als ich Leon betreut habe, war er noch Jugendspieler - auch wenn er schon bei den Profis gespielt hat. Welche Entwicklung er danach auf Schalke genommen hat, habe ich ja nur von außen gesehen. Aber egal, wo ich ihn getroffen habe, sein Verhalten war immer korrekt und anständig.

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