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Leon Baileys Berater exklusiv: DFB-Team, England? "Wir haben Zeit"

18:00 MEZ 09.03.18
Leon Bailey Bayer Leverkusen Schalke 25022018
Noch ist unklar, für welches Nationalteam Senkrechtstarter Leon Bailey künftig auflaufen wird. Sein Berater bringt auch Deutschland ins Spiel.

EXKLUSIV
Leon Bailey ist einer der Shootingstars der aktuellen Saison. Bei Bayer Leverkusen ist er zu einem der Erfolgsgaranten avanciert, erzielte wettbewerbsübergreifend in 24 Spielen elf Tore und lieferte dazu noch fünf Assists. Zudem zeigt sich der Offensivspezialist enorm stark in Eins-gegen-Eins-Situationen.

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Dass solche Leistungen bei den ganz großen Klubs Begehrlichkeiten wecken, liegt in der Natur der Sache. Doch der 20-Jährige muss sich im Gegensatz zu vielen anderen Youngsters nicht nur entscheiden, wie es in seiner Klubkarriere weitergeht, sondern auch für welches Land er auflaufen will.

Bailey besitzt einen jamaikanischen Pass, absolvierte für den Karibikstaat noch kein A-Länderspiel – und hat es so schnell auch nicht vor, wie sein Adoptivvater Craig Butler, der gleichzeitig auch sein Berater ist, gegenüber Goal verraten hat.

Bailey hat Einladung von Jamaika abgewiesen

"Leon und sein Bruder haben eine Einladung von der jamaikanischen Nationalmannschaft erhalten. Ich liebe mein Land genauso, wie es meine Söhne auch tun. Leider mussten aber beide das aktuelle Angebot zurückweisen", sagte Butler.

Vielmehr betonte der Berater, der nebenbei auch noch Kyle Butler, seinen leiblichen Sohn, vertritt, dass beide Söhne noch andere Möglichkeiten haben, im Nationaltrikot verschiedener Länder zu spielen.

"Leon und Kyle haben englische, beziehungsweise portugiesische Vorfahren, beide haben einige Jahre in Belgien gelebt; Leon ist nun seit geraumer Zeit in Deutschland und könnte auch dort irgendwann eine Rolle spielen. Meine Söhne sind erst 20 Jahre alt und Jamaika wird nicht an der WM im kommenden Sommer teilnehmen", so Butler weiter, der klarmachte, in dieser Sache nichts überstürzen zu wollen: "Wir haben Zeit."

Doppelte Staatsbürgerschaft: Mit dieser Elf könnte Jamaika heute auflaufen

Allerdings ist Belgien keine ernsthafte Option für Bailey, hat er dort doch nicht einmal zwei Jahre gelebt: Von Sommer 2015 bis Januar 2017 schnürte er seine Schuhe für KRC Genk, ehe er sich der Werkself anschloss. Daher rückt nun Deutschland weiter in den Fokus. Wartet Bailey also auf die Möglichkeit, für das DFB-Team zu spielen?

Wie schnell könnte Bailey für das DFB-Team spielen?

Hier könnte dem Jamaikaner eine FIFA-Regelung, beziehungsweise das Deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen, denn deutscher Staatsbürger kann man unter anderem nur werden, wenn man sich seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland aufhält. Im Falle "besonderer Integrationsleistungen", so das BAMF, könne diese Frist auf sechs Jahre verkürzt werden.

Bailey könnte also frühestens in etwas weniger als fünf Jahren offiziell die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen – dann wäre er 25 Jahre alt. Nach einer Sportbuzzer-Recherche könnte Bailey aufgrund "eines besonderen öffentlichen Interesses" auch schon nach drei Jahren Aufenthalt, also 2020, eingebürgert werden. Um ein solches Verfahren erfolgreich abzuschließen, müsste er über ausreichend Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen, den Einbürgerungstest bestehen und er darf nicht vorbestraft sein.

Aber nicht nur Deutschland könnte eine Option sein, sondern auch England wurde bereits ins Spiel gebracht. Kürzlich wurde berichtet, Three-Lions-Coach Gareth Southgate wolle Bailey zu sich locken, indem er ihn sogar schon in den Kader für die WM in Russland nominieren würde. Aber auch diese Option scheint sich nicht so schnell realisieren lassen. Offenbar erfüllt der 20-Jährige auch hier nicht alle Voraussetzungen, um sich schnell das Trikot Englands überzustreifen.

Wird Jamaika für Bailey nie eine ernsthafte Option?

Wie auch immer die Zukunft des Linksfußes auf Nationalmannschaftsebene aussehen mag: Nach aktuellem Stand der Dinge scheint Jamaika keine ersthafte Option

Craig Butler betonte vor allem, wie sehr sich der JFF, der jamaikanische Fußballverband, offenbar gegen Reformen sträubt. Nach seiner Auffassung seien die aber unbedingt notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein und damit auch eine Rolle bei der Entscheidung seiner Söhne spielen könnte. "Ich habe dem Verband angeboten, zu zeigen, was ich in Belgien, den Niederlanden, Deutschland und auch in der Slowakei gelernt habe, um einen Plan zu entwerfen, wie man dem jamaikanischen Fußball wieder auf die Beine helfen könnte – aber mein Angebot wurde nicht angenommen. Auch deshalb wollen sich die Junges jetzt zuallererst auf ihre Vereinskarrieren konzentrieren."

Wirbelt aktuell die Bundesliga auf: Leon Bailey

Butler baut seine Vorwürfe sogar noch aus und wettert gegen das System im jamaikanischen Fußball. Demnach sollen die Nominierungen von Youngsters in die jamaikanischen U-Nationalmannschaft vor allem unter einem Gesichtspunkt getroffen werden: Der Möglichkeit, durch den Verkauf von jungen Kickern Profit zu schlagen – und das geht am besten, wenn man sie bereits in jungen Jahren in die Auswahlmannschaften beruft und dort ins Schaufenster stellt.

Vorwürfe in Richtung JFF: Darum spielte Bailey nie für eine Jugendmannschaft Jamaikas

Allerdings würden diese nicht immer nach Leistungen nominiert, sondern aufgrund Verbindungen zwischen einiger weniger jamaikanischer Vereine und der Führungsetage des nationalen Verbandes.

"Die einzige Möglichkeit, wie die Klubs aus Jamaika einen Spieler nach England verkaufen können, sind Länderspiele – und die Leitung des JFF wählt die Nationaltrainer und die technischen Direktoren aus", sagte Butler. "Leon, Kyle und all unsere Spieler haben sich geweigert, in diese Klubs zu gehen, die gute Verbindungen zum JFF haben, als sie jünger waren. Deshalb wurden sie nie ausgewählt."

Auch Bailey selbst hat sich in dieser Saison bereits zu der Causa geäußert. "Sie wollen immer, dass ich für Jamaika spiele. Aber ich habe persönliche Probleme mit dem Verband, seit ich elf oder zwölf Jahre alt bin", so der 20-Jährige im kicker. Er fügte an: "Jamaika hätte mich schon lange haben können, aber es gibt Gründe, warum ich nicht für Jamaika spiele."

Wie sich Bailey letztlich entscheidet, ist also völlig offen, wie sein Berater und Adoptivvater unmissverständlich klarstellte. Bleibt also abzuwarten, ob und wann er für eine europäische Nationalelf bei einer EM oder WM auf Torejagd geht und seine Gegenspieler im Eins-gegen-Eins ausdribbelt – vielleicht ja sogar gegen die jamaikanische Nationalelf. Denn dass der dort bald auflaufen wird, darauf darf man nach den Aussagen von Craig Butler nicht unbedingt setzen.