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Leipzig-Wunschspieler Bruma: Der Pogba die Show stahl

15:15 MESZ 01.06.17
ONLY GERMANY Bruma Galatasaray
Bruma sollte Portugals neuer Ronaldo werden, als Teenager jagten ihn die Top-Klubs. Der Aufstieg geriet jedoch ins Stocken - bis zu dieser Saison.

PORTRÄT


Im Sommer 2013 hatte Paul Pogba eine Mission. Vielmehr war es fast schon eine Verpflichtung. Er, gerade 20, der eine Saison als Stammspieler bei Juventus Turin hinter sich und den Gewinn der italienischen Meisterschaft gefeiert hatte, sollte Frankreichs Junioren bei der U20-WM in der Türkei zum Titel führen. Ein Plan, der letztlich aufging.

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Denn der Nachwuchs der Grande Nation krönte sich nicht nur zum Weltmeister, Pogba wurde auch als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Nach der Vorrunde hatte sich aber noch ein anderer Youngster an vorderster Front für jenen prestigeträchtigen Award aufgedrängt. Einer, der heute, rund vier Jahre später, vor einem Millionenwechsel zu RB Leipzig steht. Sein Name: Armindo Tue Na Bangna. Kurz: Bruma.

In der Gruppenphase schoss der damals erst 18-Jährige alles kurz und klein, brachte Portugal mit fünf Toren in drei Spielen, darunter ein blitzsauberer Doppelpack gegen starke Nigerianer, praktisch im Alleingang ins Achtelfinale. Von Pogba redeten da nur wenige. Bruma war in aller Munde!

Nun, nach seinen Gala-Auftritten bei der U20-WM in besonderem Maße. Doch eigentlich, vor allem unter Insidern und Talentspähern, hatte man Bruma schon viel früher auf dem Zettel. In seiner portugiesischen Heimat galt er als "The Next Big Thing", wurde medial als neuer Cristiano Ronaldo gehypt. Wegen seines Spielstils, der - ähnlich wie beim jungen CR7 - auf atemberaubender Schnelligkeit, Trickreichtum und perfekter Ballführung in höchstem Tempo fußt.

Wie Ronaldo wurde Bruma in der berühmten Akademie von Sporting Lissabon ausgebildet. In Guinea-Bissau geboren, jedoch früh mit seinen Eltern nach Portugal übergesiedelt, kam er als Zwölfjähriger zu Sporting. Früh erkannten seine Jugendtrainer, dass sie da einen ganz besonderen Jungen zu sich gelotst hatten.

Bruma, der neue CR7?

Denn Bruma ist nicht nur enorm schnell, hat nicht nur dieses überragende Potenzial im Dribbling. Wie er intuitiv den richtigen ersten Kontakt wählt, meist schon vorher weiß, wie sich der Abwehrspieler bewegt, fällt ins Auge. Gepaart mit seinem Antritt kann der 22-Jährige Angriffen so neuen Schwung verleihen, auf eigene Faust Überraschendes initiieren.

Im Nachwuchs von Sporting war Bruma gegen Gleichaltrige daher oft unterfordert. Die Scouts scharten sich um ihn, als er 15 war, soll Tottenham bereit gewesen sein, einen Haufen Geld in die Hand zu nehmen, um das Mega-Talent auf die Insel zu locken. Bruma blieb jedoch bei Sporting, debütierte mit 18 in der ersten Mannschaft, erzielte gleich im zweiten Einsatz sein erstes Tor für die Profis.

Dass er wenige Monate später, die starke U20-WM, die im Achtelfinale mit einer unglücklichen Niederlage gegen Ghana endete, im Rücken, für zehn Millionen Euro zu Galatasaray wechselte, überraschte damals viele. Kein absoluter europäischer Top-Klub, kein Verbleib in Lissabon. Stattdessen Istanbul. Immerhin Champions League, okay. Aber dann eben doch nicht das ganz obere Regal.

Dabei war seinerzeit auch der FC Chelsea interessiert. Die Blues schienen eigentlich das favorisierte Ziel des damals 18-Jährigen zu sein, dessen Abschied von Sporting letztlich groteske Züge annahm. Denn Bruma, so erzählte es sein Berater Catio Balde, wurde in seinem Hotel von Sporting-Fans aufgelauert. "Vergangene Nacht gab es einen Entführungsversuch", sagte Balde dem Radiosender Antena 1.

Ob es sich dabei um eine fingierte Aktion des Agenten handelte oder der Entführungsversuch tatsächlich stattfand - eine Zukunft bei Sporting hatte Bruma seitdem nicht mehr. Vielleicht auch deshalb entschied er sich letztlich für Galatasaray, Hauptsache weg eben. Ein Schritt, der ihn zurückwerfen sollte, seine bis dato stetig bergauf verlaufende Karriere ins Stocken brachte.

"Wir sollten angreifen", sagte Bruma seinerzeit bei seiner Vorstellung. Wahrmachen konnte er diese Vorgabe allerdings lange nicht. In der Hinrunde absolvierte er nur sieben Liga-Spiele, wurde Anfang 2014 an Gaziantepspor verliehen. Dort legte ihn ein Kreuzbandriss flach, ein Platz in Portugals WM-Kader 2014 war damit utopisch.

Es wurde ruhiger um Bruma. Immer ruhiger. Seine zweite Saison in Istanbul lief etwas besser, etablieren konnte er sich aber weiterhin nicht. Er wurde erneut verliehen, diesmal zu Real Sociedad. Eine Entscheidung, die endlich den erhofften positiven Effekt haben sollte. Denn wenngleich er im Baskenland nicht rasant durchstartete, spielte er regelmäßig auf höchstem Niveau, sammelte Praxis, absolvierte 2015/16 32 Partien in LaLiga.

Der FC Sevilla, Monaco oder Eindhoven sollen daher letzten Sommer ihre Fühler ausgestreckt haben. Doch Bruma wollte wieder zurück nach Istanbul, es bei Galatasaray allen beweisen. "Ich danke all den Klubs, die an mir interessiert waren, aber ich habe einen Vertrag bei Galatasaray. Ich mache bei Galatasaray weiter", sagte der Flügelspieler zu Goal.

Und diesmal, anders als drei Jahre zuvor, in San Sebastian merklich gereift, war er bereit. Bereit, eine gewichtige Rolle bei Galatasaray einzunehmen, ja sogar zu einem der Stars des Teams zu avancieren. Elf Tore hat er in 29 Süper-Lig-Einsätzen erzielt, konstant Leistung gebracht, seinen ohnehin schon starken, weil so präzisen und intelligenten Abschluss weiter verbessert. Mitunter, nörgeln Kritiker zurecht, müsse er ein bisschen weniger ballverliebt, dafür schnörkelloser sein.

Bruma und Leipzig wohl schon einig

Doch Bruma ist wieder wer. Und schickt sich an, die Versprechungen vom "Next Big Thing" möglicherweise doch noch wahr zu machen. Tottenham soll wieder interessiert gewesen sein, sogar Manchester United. Die Red Devils waren dabei angeblich sein Wunschziel. "Bruma will für Manchester United spielen", sagte Galatasarays Sportdirektor Levent Nazifoglu im Februar, fügte jedoch gleichzeitig an: "Aber wenn er das will, muss er gewisse Dinge verändern."

Brumas Vertrag bei Galatasaray endet im Sommer 2018, er selbst sagt: "Ich muss große Dinge bei Galatasaray tun, um mir Türen zu öffnen." Der Tenor ist klar: Bruma will den nächsten Schritt gehen, will nun, mit 22, in eine der ganz großen europäischen Ligen. Galatasaray möchte ihn derweil halten, allerdings offenbar nicht um jeden Preis. Denn so, wie es derzeit aussieht, wird sein nächster Arbeitgeber zwar nicht Manchester United, dafür aber RB Leipzig.

Der deutsche Vizemeister ist sich laut kicker mit Bruma über einen Wechsel einig, bei den Ablöseverhandlungen haben Leipzig und Galatasaray aber noch keinen Konsens erlangt. Mit seiner Geschwindigkeit, seinem cleveren Auftreten im offensiven Umschaltspiel, seiner Wucht im Angriffsdrittel würde der Portugiese jedenfalls bestens ins RB-System passen.

Und er könnte Champions League spielen. In der Königsklasse, wo auch Paul Pogba kommende Saison mit Manchester United eine Mission verfolgt. Vielleicht kann Bruma dem Franzosen also abermals die Show stehlen.