Jetzt oder nie: Warum Kylian Mbappe dem FC Chelsea durch die Lappen ging

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Kylian Mbappe 13092018
Getty
Mit 13 spielte Mbappe bei Chelsea vor, ein Wechsel zerschlug sich aber. Goal enthüllt, warum das so war und welche Rolle Mbappes Mutter spielte.

EXKLUSIV

Kylian Mbappes Mutter ist keine Frau, die gerne um den heißen Brei herum redet. Eine ganze Woche hatte sie mit ihrem 13-jährigen Sohn gerade in London verbracht. Nur, um sich jetzt anhören zu müssen, dass der kleine Kylian zwar gut sei, die Verantwortlichen aber noch nicht vollständig von ihm überzeugt wären? Nicht mit uns, dachte sie sich.

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"Wir sagten", erinnert sich der damalige Chelsea-Scout Serge Daniel Boga im Gespräch mit Goal: "'Hör zu: Wir finden gut, was wir von dir gesehen haben. Aber wir müssen dich für ein zweites Probetraining einladen, danach sehen wir weiter'. Ich weiß noch genau, was seine Mutter dazu sagte. Sie sprach auf Französisch mit Jim Fraser (einer von Chelseas Nachwuchschefs, d. Red.) und mir, ich übersetzte. Sie sagte zu mir: 'Hör zu, mein Junge kommt nicht wieder. Wenn sie ihn wollen, müssen sie ihn jetzt holen - oder sie kommen in fünf Jahren wieder auf ihn zurück und kaufen ihn für 50 Millionen Euro'."

Boga war baff. Er konnte nicht einmal für Fraser und die anderen übersetzen, was er da gerade gehört hatte. "Ich sagte: 'Nein, das kann ich ihnen nicht sagen. Das ist mir zu frech'." Mittlerweile weiß auch Boga aber längst, dass Mbappes Mutter Recht hatte. Sogar mehr als das. Statt für 50 Millionen Euro wechselte Mbappe im Sommer 2017 schließlich für insgesamt 180 Millionen Euro aus Monaco zu Paris Saint-Germain. Und Chelsea dürfte sich in den Allerwertesten beißen, den heute 19-jährigen französischen Stürmerstar damals nicht an die Stamford Bridge geholt zu haben.

"Hast du von diesem Jungen namens Mbappe gehört?"

Dabei hatte Boga doch so sehr dafür plädiert, dass Mbappe bei Chelsea landet. Die Blues seien der erste große Klub gewesen, der den Hochbegabten aus der Pariser Vorstadt zum Probetraining einlud, noch vor Real Madrid. Denis Chantron, ein Freund Bogas, der für Nike arbeitete, gab ihm den entscheidenden Tipp: "Wir trafen uns, als ich in Frankreich war und er sagte zu mir: 'Hast du von diesem Jungen namens Mbappe gehört? Er spielt bei Bondy, einem kleinen Klub in den Vororten von Paris", erzählt Boga.

Er kannte Mbappe noch nicht, fuhr auf den Rat seines Freundes aber nach Bondy, schaute ihn sich an und war gleich Feuer und Flamme: "Ich erzählte Chelsea von ihm, rief jeden an, mit dem ich dort zu tun hatte, wie etwa Jim Fraser. Ich sagte, ich hätte da einen Jungen, den sie sich unbedingt anschauen müssten."

Kylian Mbappe France celebrations

Chelsea stimmte zu, Boga ließ die ganze Familie nach London einfliegen. Mbappe zeigte seine Tricks, ließ jeden sofort erkennen, wie begabt er ist. Er spielte in einem Testspiel von Chelseas Jugendteam gegen Charlton Athletic mit, überzeugte beim 7:0-Sieg. Er traf die damaligen Chelsea-Stars Florent Malouda oder Didier Drogba, bekam ein Trikot mit der Nummer elf und seinem Namen auf dem Rücken geschenkt.

Kylian Mbappe: Chelsea fehlte das defensive Denken

Sofort verpflichten wollte ihn Chelsea aber eben nicht. Boga erklärt: "Klar, er war technisch sehr stark, aber in England wollen sie auch sehen, dass ein Spieler an die Defensive denkt, hoch und runter läuft und ein harter Arbeiter ist. Mbappe war damals noch kein harter Arbeiter. Wenn er den Ball hatte, war er unglaublich. Aber ohne Ball machte er nicht viel."

Verbesserungen in ebenjenen Dingen wie dem defensiven Bewusstsein hätte Chelsea in einem zweiten Probetraining explizit sehen wollen. "Sie hätten ihn damals direkt holen sollen", sagt Boga, weiß jedoch: "Natürlich ist es einfach, das jetzt zu sagen."

Er war aber damals schon vollends überzeugt von Mbappes Qualitäten, hätte wahrscheinlich über die noch mangelnde Bereitschaft, zu verteidigen, hinweg gesehen. "Mbappe ist der beste Spieler, den ich in meinem bisherigen Leben gescoutet habe", betont er. "Ich bin sehr stolz, zu sehen, was aus ihm geworden ist. Wenn ich ihn spielen sehe, sage ich mir: 'Wow, ich hatte ein gutes Auge'."

Mbappes Mutter dürfte das auch von sich behaupten. Wenngleich sie wahrscheinlich voreingenommen handelte. Aber wer will es ihr verdenken ...

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