Gladbach-Wunschspieler Juan Iturbe: Eher ein Messi oder ein Cassano?

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Paolo Bruno
Gladbach steht angeblich vor der Verpflichtung Juan Iturbes. Der Roma-Angreifer wurde einst mit Messi verglichen, glänzte zuletzt aber nur selten.

18. Februar 2011: Im picke-packe vollen Estadio General Pablo Rojas in Paraguyas Hauptstadt Asuncion herrscht ausgelassene Stimmung. Cerro Porteno führt in der Copa Libertadores gegen Chiles Top-Klub Colo Colo nach einer spektakulären Anfangsphase mit 2:1. Die Fans der Gastgeber sind bereits aus dem Häuschen, als ein 16-Jähriger aufdreht und die Stimmung endgültig zum Kochen bringt.

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Zur Halbzeit wechselt Cerro-Trainer Javier Torrente für den Ex-Bayern-Spieler Julio Dos Santos seinen Youngster Juan Iturbe ein. Es ist das erste Profispiel für die pfeilschnelle Nachwuchshoffnung - und Iturbe sorgt für einen Paukenschlag: Keine 60 Sekunden sind gespielt, da markiert er bereits seinen ersten Treffer. Am Ende schnürt er gar einen Doppelpack, seine Mannschaft gewinnt mit 5:2 und alle Schlagzeilen gehören diesem schwerst talentierten Jungen.

Ein Spielertyp wie Lionel Messi

Auf einen Schlag steht Iturbe damals in Südamerika im Rampenlicht. Der Paraguayer, der allerdings in Buenos Aires geboren wurde, ist dann auch einer der ersten Spieler, die als "der nächste Messi“ gehandelt werden. Und der Vergleich kommt nicht von Ungefähr – jedenfalls, was die Spielweise angeht. Wie das Ass des FC Barcelona ist Iturbe Linksfuß und zunächst auf der rechten Außenbahn zuhause. Er mag es, mit vollem Tempo und der Kugel am Fuß auf die Gegner zuzumarschieren, nach Innen zu ziehen und den Abschluss zu suchen. Er ist mit seinen 1,72 Metern wendig, trickreich und stark im Eins-gegen-Eins.

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Zu jener Zeit zählt Iturbe zu den begehrtesten Spielern Südamerikas. Das Rennen um seine Dienste macht schließlich der FC Porto, der ihn nach seinem 18. Geburtstag für 4,25 Millionen Euro nach Europa holt. Ein smarter Schritt, so die einhellige Meinung. Schließlich hat kaum ein Klub auf diesem Kontinent größere Erfolge mit jungen Spielern aus Südamerika als der portugiesische Spitzenverein.

Iturbe ist dann aber die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Er hat Eingewöhnungsprobleme, bleibt in seinen ersten sieben Spielen für die Dragoes ohne Torbeteiligung und schafft es nicht, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Es folgen zwei Leihgeschäfte, die den Durchbruch bringen: Iturbe blüht zunächst in Argentinien bei River Plate auf, schließlich explodiert er in der Spielzeit 2013/14 im Dress von Hellas Verona.

Roma _ Juan Iturbe_Hellas Verona

Iturbe terrorisiert die Abwehrreihen der Gegner in der Serie A mit seinen Tempo-Dribblings. Er glänzt als Vollstrecker und Vorlagengeber, am Ende bringt er es auf 13 Scorerpunkte und sorgt damit auch dafür, dass Altmeister Luca Toni bis zum Schluss um die Torjägerkanone in Italiens Eliteliga kämpft.

Wechsel zur Roma, der Druck ist enorm

Iturbe ist in Europa ein gefragter Mann. Er wird bei Liverpool und Chelsea als Neuzugang gehandelt, Inter Mailand bekundet öffentlich Interesse. Die Macher bei Hellas wissen, dass sie sich das Ziehen der Kaufoption in Höhe von 15 Millionen Euro eigentlich nicht leisten können. Sie tun es trotzdem in dem Wissen, bei einem zügigen Weiterverkauf Profit zu machen. Wenig später, im Sommer 2014, wechselt Iturbe für 22 Millionen Euro Ablöse und möglichen Boni in Höhe 2,5 Millionen Euro zur Roma.

Bei den Giallorossi ereilt ihn das Porto-Schicksal. Er kommt unter dem damaligen Trainer Rudi Garcia nicht zurecht. In der gesamten Mannschaft stimmt es nicht und der Neuzugang spürt den enormen Druck, der auf ihm lastet. Jener wird zu groß, Iturbe verbringt viel Zeit auf der Ersatzbank. Nach eineinhalb Jahren sagt er: "Ich will eine Veränderung und ich will mich wieder besser fühlen. Der Druck in Rom ist riesig."

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Außerdem gibt es immer wieder Gerüchte um einen unsoliden Lebenswandel. Diese waren beim Ex-Freund von Charlotte Caniggia, der Tochter von Argentiniens Ex-Nationalstürmer Claudio, auch schon in Verona aufgetaucht. Weil die Leistungen aber stimmten, waren sie nicht wichtig. Sein Mitspieler Fabrizio Cacciatore sagte damals mit Blick auf Italiens Skandalnudel Antonio Cassano: "Er verfügt über großartiges Potenzial. Aber er muss sich auf und außerhalb des Rasens professionell Verhalten. Und nicht so wie Cassano ..."

Sein Problem: Er begeht zu viele Fehler, trifft auf dem Platz häufig die falschen Entscheidungen. Außerdem haben sich die Gegner besser auf ihn eingestellt. Iturbe versucht es in Dribblings häufig mit der Brechstange, auch das geht schief.

Gladbach könnte Iturbes vorerst letzte Chance sein

Luftveränderung soll den erneuten Aufschwung bringen. Allerdings klappt auch das nicht. In Bournemouth absolviert er nur vier Spiele und bleibt ohne Torbeteiligung, in der vergangenen Rückrunde lief er für Torino immerhin 17-mal auf. Ein Tor und drei Assists waren allerdings nicht genug für die Turiner, um die Kaufoption in Höhe von 12,5 Millionen Euro wahrzunehmen.

Nun will also Borussia Mönchengladbach sein Glück mit Iturbe versuchen. Gemäß übereinstimmender Medienberichte aus Italien und Deutschland steht der Transfer kurz bevor, es geht um eine Leihe für eine Spielzeit mit anschließender Kaufoption. Das Risiko auf Seiten der Gladbacher hielte sich damit in Grenzen.

Aber verfügt Iturbe über das richtige Profil, um dem Angriffsspiel der Fohlen weiterzuhelfen? Der 24-Jährige ist am stärksten in einer 4-3-3-Formation, in der er auf der rechten Außenbahn wirbeln kann. Auch auf links und im Sturmzentrum kann er eingesetzt werden und erfüllt damit mehrere Kriterien, die Manager Max Eberl und Dieter Hecking bei ihrer Stürmersuche haben.

Iturbe ist noch immer ein junger Spieler mit herausragenden Fähigkeiten. Er braucht frisches Selbstvertrauen und die Bereitschaft, seinen Stil weiterzuentwickeln. Dann kann er zu einer echten Waffe werden. Borussia Mönchengladbach könnte auf diesem Niveau die vorerst letzte Chance für ihn sein.

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