News Spiele
Exklusiv

Jovanovs HSV: Klare Kante gegen Ultras

08:00 MESZ 25.04.17
Hamburger SV SV Darmstadt
Der Konfrontationskurs des Vorstandes birgt Chance und Risiko. Ohne Emotionen und Fan-Support ist es für den HSV schwer, Spiele zu gewinnen.

KOLUMNE

Rebellion und Widerstand gegen kritikwürdige Zustände und Maßnahmen sind per se nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Sie sind unverzichtbarer Bestandteil unserer demokratischen und freiheitlich geprägten Gesellschaft. Solange sie sich im Rahmen der Regeln und Gesetze bewegen. Das tun das Zünden von Rauchbomben und der Einsatz von Pyro-Technik in einem Fußballstadion nicht. Selbst dann nicht, wenn vermeintlich willkürlich ausgesprochene Stadionverbote der Auslöser dafür sind. Einige Ultras haben am Wochenende zum wiederholten Male ein unmissverständliches Signal gesendet. Sie pfeifen auf Regeln und Gesetze. Und bekommen diese nun mit voller Härte zu spüren, wie der Vorstand des Hamburger SV nach den Vorfällen im Spiel gegen den SV Darmstadt in einem Statement ankündigt.

Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Dort heißt es: "Der HSV wird die Polizei und die Ermittlungsbehörden uneingeschränkt dabei unterstützen, die Täter zu identifizieren. Ermittelte Täter müssen mit Strafverfahren bzw. entsprechenden Strafen und ggf. mit Regressforderungen sowie Stadionverboten rechnen. Insbesondere wird der HSV gegenüber den ermittelten Verursachern für eventuelle Strafen durch die DFB-Sportgerichtsbarkeit Ersatzansprüche geltend machen. Zudem verhängen wir gegen die beteiligten Gruppen ein Materialverbot (u.a. Banner, Blockfahnen, Schwenkfahnen) und werden ihnen bis auf Weiteres keine Choreographien oder Spruchbänder mehr genehmigen."

Ultragruppen sind verfeindet

Eine richtige und nachvollziehbare Reaktion, finde ich. Unabhängig davon, ob sich der HSV damit eine mildere Strafe seitens des DFB-Kontrollausschusses erhofft. Die Tonalität des Schreibens hat in der Deutlichkeit eine neue Stufe erreicht und ist ebenfalls eine Form der Demonstration, nämlich von Macht und Stärke. Speziell in dieser sportlich prekären Lage ein wichtiges Signal nach innen und außen. Der Konfrontationskurs mit den untereinander heftig zerstrittenen Ultragruppen "Poptown" und "Castaways" birgt für den HSV indes Chance und Risiko. Denkbar sind zwei Szenarien: Entweder sorgt dieser Weg für Beruhigung. Oder für noch mehr Spaltung und Ärger, der dem HSV im Abstiegskampf eher schaden als nützen würde. Vielleicht entwickelt sich dadurch bei allen anderen, vernünftigen HSV-Fans aber auch eine "Jetzt-erst-recht"-Stimmung?

Allen Beteiligten ist jedenfalls klar, wie sehr die Manschaft auf Emotionen und Unterstützung im Stadion angewiesen ist. Vor allem, weil die fußballerischen Mittel extrem begrenzt sind. Das hat das Spiel gegen Darmstadt erneut unter Beweis gestellt. Der HSV weist in seinen Äußerungen bewusst darauf hin, dass die Ultras mit ihrem Verhalten das Ziel Klassenerhalt gefährden. Ob er sie damit einfangen kann? Fraglich. Auf die kommenden Spiele blicke ich deshalb aus mehreren Gründen mit großer Sorge. Im Vergleich zu 2015, als der HSV bereits in Ohnmacht gefallen war und erst mit Bruno Labbadia der sportliche und emotionale Wendepunkt herbeigeführt wurde, läuft es in diesem Jahr in die gegenteilige Richtung. Fan-Zoff, Verletzungen, zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen und der Spielplan: Das Momentum ist ganz eindeutig nicht auf HSV-Seite.

HSV anfällig in Ballbesitz

Zu allem Überfluss warten zumindest in den nächsten beiden Spielen Gegner, die es taktisch wahrscheinlich nicht viel anders machen werden als der SV Darmstadt. Heißt: Dem HSV wird der Ball überlassen und darauf gewartet, dass er das Spiel macht. Weil er das nicht kann, trotz Investitionen von 100 Millionen Euro in drei Jahren wohlgemerkt, steigt die Chance auf einen Sieg. Markus Gisdols Fehler beim 1:2 gegen die bis dato auswärts punktlosen Darmstädter lag darin, seiner Mannschaft zugetraut zu haben, die Aufgabe fußballerisch lösen zu können. Die Anzahl der flachen und kurzen Pässe war nämlich so hoch wie lange nicht mehr.

Immerhin - und das ist das einzig Positive an der Niederlage des letzten Wochenendes - wirkten die Spieler nicht verängstigt oder panisch, sondern wütend. Auch Gisdol reagierte auf der Pressekonferenz und bei der kleineren Medienrunde am Tag nach dem Spiel ruhig. Beim HSV sind sie immer noch überzeugt davon, stabil genug zu sein, um die nötigen Punkte für den direkten Klassenerhalt einzufahren. Trotz der negativen Formkurve und drei Pleiten in den letzten vier Spielen. Und Überzeugung ist im Abstiegskampf sicher kein Nachteil.

Bleib am Ball und folge HSV-Reporter Daniel Jovanov auf Facebook und Twitter !