EM-Ticket! Kruse erlöst Deutschland

Germany EC Qualification 11102015
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Deutschland verballert zunächst viele Chancen, verfällt nach der Führung dann in Lethargie. Letztlich beendet Kruse erst spät das große Zittern. Die Analyse.

Die deutsche Nationalmannschaft hat am letzten Spieltag die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich perfekt gemacht. Der Weltmeister setzte sich gegen Georgien mit 2:1 (0:0) durch.

Löw beklagt "das gleiche Lied" - die Stimmen zum Spiel

Vor 44.000 Zuschauern in der Red-Bull-Arena begann die deutsche Elf druckvoll, ließ aber sehr viele Chancen liegen und wurde mit Pfiffen in die Halbzeit verabschiedet.

Nach der Pause brachte Thomas Müller Deutschland mit einem verwandelten Foulelfmeter in Führung (50). Aber nur drei Minuten später glich Georgien durch Jaba Kankawa aus und hatte sogar Möglichkeiten auf ein weiteres Tor. Der eingewechselte Max Kruse sorgte für den Siegtreffer (79.) und machte den Deckel auf die EM-Qualifikation.

Tipico

Die Auslosung der EM-Gruppen findet am 12. Dezember in Paris statt. Die Endrunde findet vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 statt.

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schweinsteiger ist nicht rechtzeitig fit geworden und muss erneut passen. Für den ebenfalls verletzten Götze beginnt Schürrle. Als Rechtsverteidiger darf wieder Ginter ran.

11.: Reus wird am Strafraum zentral frei gespielt. Seinen scharfen Flachschuss kratzt Rewischwili aus dem linken Eck.

13.: Özil bedient aus dem Zentrum Müller am Strafraum, der per Hacke auf Reus durchsteckt. Der nimmt den Ball erst mit links gut mit, haut das Ding dann aus sieben Metern aber weit drüber. Ganz schwacher Abschluss.

27.: Steilpass auf rechts auf Kasaischwili, der Hummels im Rücken wegläuft. Der Georgier lässt Hummels an der Strafraumgrenze aussteigen und spielt flach zur Mitte, Okriaschwilis Schuss aus zwölf Metern fischt Neuer aus dem rechten Eck.

31.: Kroos aus dem Zentrum in den linken Halbraum auf Gündogan. Der schickt Reus in die Tiefe, der geht wieder allein auf das Tor zu und schiebt den Ball aus sechs Metern klar rechts vorbei. Da muss er wieder mehr draus machen.

37.: Langer Ball von Özil aus dem Halbfeld auf den einlaufenden Reus. Dessen Volleyabnahme aus acht Metern ist zu zentral, Rewischwili reißt die Arme hoch und wehrt ab.

50., 1:0, Müller (FE): Kankawa holt Özil im Strafraum von den Beinen. Müller tritt zum Elfmeter an, verlädt Rewischwili und schiebt rechts unten ein.

53.: Kwekweskiri zieht aus 22 Metern von halbrechts ab. Neuer fischt den Schuss aus dem rechten Winkel.

53., 1:1, Kankawa: Die anschließende Ecke verteidigen die Deutschen zu passiv. Eine Flanke von rechts köpft Hector in die Mitte. Kankawa nimmt den Ball aus 18 Metern volley mit links - im linken Eck schlägt's ein.

57.: Kasaischwili ist nach einem Konter rechts im Eins-gegen-eins-Duell mit Hector. Der Georgier setzt sich im Strafraum durch und wird beim Abschluss sieben Meter vor dem Tor von Gündogan am Fuß getroffen. Das hätte Elfmeter geben müssen.

60.: Nächste Großchance für Georgien. Der erste Ball rauscht von links flach durch den Strafraum. Kasaischwili spielt ihn wieder zur Mitte, wo Okriaschwili den abgefälschten Ball aus sechs Metern aufs Tor schaufelt. Neuer wischt die Kugel über die Latte.

79., 2:1, Kruse: Hummels spielt Özil 25 Meter vor dem Tor an. Der mit einem genialen Pass in den Strafraum auf Kruse, der aus 14 Metern überlegt links unten einschiebt.

Fazit: Deutschland lässt in Halbzeit eins zu viele Chancen liegen und verliert nach dem Gegentreffer den Faden. Der eingewechselte Kruse beruhigte die Nerven.

Galerie: Das große Zittern in Bildern

Der Star des Spiels: Manuel Neuer. War in der ersten Halbzeit lange nicht gefordert, dann aber hellwach. Verhinderte auch in der zweiten Halbzeit den möglichen Rückstand. Sein Gegenüber Rewischwili war ebenfalls bärenstark.

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Der Flop des Spiels: Andre Schürrle. Undankbare Aufgabe im Sturmzentrum für ihn. Bestätigte aber auch in dieser Partie seine Formschwäche. Fand keine Bindung zum Spiel, wirkte orientierungslos und ohne große Torgefahr.

Der Schiedsrichter: Pavel Kralovec (Tschechien). Nicht immer souverän. Zwar richtig bei Amisulaschwili vermeintlichem Handspiel keinen Elfmeter zu geben, der Georgier spielte den Ball mit der Schulter. Ebenso korrekt der Elfmeterpfiff nach Kankawas Foul an Özil. Aber Gündogans Einsteigen gegen Kasaischwili hätte ebenfalls mit Strafstoß bewertet werden müssen. Nawalowsky hatte Glück, dass er für sein Foul an Müller nicht Rot sah.

Das fiel auf:

  • Nach dem 4-2-2-2-Experiment kehrte Löw wieder zu seiner bevorzugten 4-2-3-1-Grundformation zurück. Aber erneut verzichtete Deutschland auf extremes Flügelspiel, weil die Außenstürmer Reus und Müller früh nach innen zogen und so Platz für die Außenverteidiger machten. Allerdings wurden Hector und Ginter selten ins Spiel eingebunden und auch nicht wirklich gefährlich, weil vor allem Ginter offensiv limitiert ist. Die meisten Angriffe liefen durch die Mitte.
  • Thema Chancenverwertung: Wieder ließ die DFB-Elf, vor allem in Person von Reus, zu viele klare Gelegenheiten liegen, um schnell für klare Verhältnisse zu sorgen. 18 Torschüsse gab Deutschland in der ersten Halbzeit ab, ehe der erste der zweiten Halbzeit per Elfmeter zum gewünschten Erfolg führte.
  • Natürlich verteidigten die Georgier kompakt und in der letzten Linie meist mit fünf Mann, aber erstaunlich, dass sie sich nach Ballgewinn spielerisch zu befreien versuchten. Nur im Notfall spielten sie den langen Ball. Allerdings verteidigte Deutschland gut und erstickte so die meisten Angriffe schon im Keim. Der Druck auf die georgische Abwehr war durch die schnelle Balleroberung zeitweise enorm.
  • Nach dem Führungstreffer schien die Sache klar. Doch den kurzen Spannungsabfall nutzten die Georgier gleich zum Ausgleich. Danach war das Nervenköstum der Deutschen sichtlich angegriffen, die Ruhe fehlte. Löw coachte aber weiterhin sehr passiv und verzichtete zunächst auf Wechsel oder taktische Umstellungen. Erst 20 Minuten nach dem Gegentreffer kam Kruse, der prompt zum Sieg traf.

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