News Spiele
Primera Division

Die Karriere des Javier Saviola: Zu viel Hype um das Kaninchen

16:00 MESZ 30.05.17
GFX Javier Saviola
Der Hype um Javier Saviola in Argentinien war riesig. Auch der FC Barcelona erlag ihm. Am Ende standen vor allem enttäuschte, hohe Erwartungen.

HINTERGRUND

Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre war Javier Saviola ein Traum für jeden Fußball-Manager-Zocker. Dieses pfeilschnelle Juwel, das noch so jung und schon so gut war. Und dessen Potenzial grenzenlos erschien. Ihn musste man früh verpflichten und später hatte man den besten Spieler der Welt – so die Theorie vor dem Bildschirm. Der Himmel war für ihn das sprichwörtliche Limit und in Argentinien glaubte man tatsächlich, endlich den legitimen Nachfolger Diego Maradonas gefunden zu haben.

Bayerns Saison-Zeugnis: Sehr gute Note für Thiago

Doch wie das manchmal so ist im Computerspiel oder im echten Leben: Entwicklungen lassen sich nicht vorhersehen oder gar planen. Und Vergleichen mit Idolen wie Maradona können am Ende nur ganz wenige Spieler standhalten. Saviola konnte es nicht.

Der Hype um Saviola kennt keine Grenzen

Die turbulente Reise des Stürmers begann im Unterschied zu der vieler anderer südamerikanischer Stars nicht in Armut oder einem Problemviertel, sondern in Bajo Belgrano, einem bürgerlichen Stadtteil von Buenos Aires. Der junge Javier träumte den Traum vieler Jungs. Er wollte ein berühmter Fußballer werden, er wollte Tore schießen und im Dress der Albiceleste auflaufen. Davon angetrieben trainierte er hart und über Ateneo Colegiales und Club Palermo führte sein Weg unausweichlich zu River Plate, dem argentinischen Rekordmeister.

Saviola, der wegen seiner markanten Schneidezähne früh den Spitznamen "El Conejo" (das Kaninchen) verpasst bekam, war ein offensiver Wirbelwind. Sein Antritt war beeindruckend, seine Geschwindigkeit phänomenal. Er hatte eine ordentliche Technik und verfügte über einen guten Abschluss. Der Cocktail aus diesen Zutaten ergab einen Aufstieg im Zeitraffer.

Erlebe Europas Top-Ligen live und auf Abruf auf DAZN. Jetzt Gratismonat sichern!

Mit 16 debütierte er für Rivers erste Elf und schoss sein erstes Tor. Im Alter von 17 Jahren wurde er Fußballer des Jahres in Argentinien und Südamerika und mit 19 Torschützenkönig und bester Spieler der U20-Weltmeisterschaft. Der Hype um Saviola kannte keine Grenzen und für viele Argentinier stand fest: Das ist der neue Maradona.

Der Teenager selbst konnte mit der großen Aufmerksamkeit wenig anfangen, wie er verriet: "Es ist schwierig für mich, in Buenos Aires in einen Supermarkt oder ein Restaurant zu gehen. Die Leute erkennen mich sofort und kommen auf mich zu. (…) Aber ich möchte nicht diesen permanenten Belagerungszustand haben. Aus diesem Grund vermeide ich manche Dinge und Orte. Ich gehe nicht in Discos wie die meisten anderen 19-Jährigen. Wann immer ich in ein Restaurant gehe vergewissere ich mich, dass es ein unauffälliges Lokal mit wenigen Gästen ist."

Saviola über die Ablöse: "Unglaublich viel Geld"

Der Glaube, Saviola sei das viel gepriesene "Jahrhunderttalent" verfestigte sich auch beim FC Barcelona. Anfang der 2000er Jahre trumpften beim Erzrivalen Real Madrid die Galacticos groß auf. Barca wollte dagegen halten und setzte große Hoffnungen in Saviola. Während also Real Zinedine Zidane, Luis Figo und Ronaldo verpflichtete, überwies Barcelona mehr als 25 Millionen Euro Ablöse für einen argentinischen Teenager an River Plate. Für den Traditionsklub war das übrigens ein Segen, denn er hatte kurz vor diesem Transfer erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.

Saviola sagte damals mit Blick auf den hohen Preis: "Dieser Betrag beschäftigt mich nicht weiter. Schließlich habe ich ihn nicht gefordert. Aber manchmal geistert es doch in meinem Kopf herum. Das ist unglaublich viel Geld."

Barcelona hoffte also mit aller Macht, dass Saviola, der mit einem Sechs-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde, einschlug und sich furios entwickelte. Doch das passierte nicht. Dabei war seine erste Saison mit 17 Treffern in 32 Spielen keineswegs schlecht. Aber unter Carles Rexach sprang in der Endabrechnung für Barcelona nur Rang vier heraus und Louis van Gaal kehrte zurück. Es stellte sich schnell heraus, dass die Spielweise des 1,68 Meter kleinen Rechtsfußes nicht zu jener der Katalanen unter van Gaal passte. Saviola brauchte Platz, Steilpässe und Freiheiten, um seine Schnelligkeit auszuspielen. Genau das bekam man als Stürmer im Barca-Dress zu der Zeit aber nicht. Außerdem setzte ihn van Gaal nur selten in seiner Paraderolle als hängende Spitze ein.

Das Problem war einfach: Saviola war ein guter Stürmer, doch die Fans hatten erwartet, dass er die Liga im blau-roten Dress kurz und klein schießt, wie das einige Jahre zuvor Ronaldo getan hatte. Sie erwarteten, dass er der Führungsspieler in der Offensive wurde, den es seit Figos Abgang Richtung Madrid nicht mehr gab. Das war Saviola nicht.

Ronaldinho und Co. übernehmen das Zepter

Während es abseits des Rasens für ihn sehr gut lief, er sich in Barcelona pudelwohl fühlte und mit dem jungen Xavi Hernandez einen sehr guten Freund fand, änderten sich im Sommer 2003 die Bedingungen im Camp Nou. Joan Laporta gewann die Präsidentschaftswahlen. Viele teure Stars waren ihm ein Dorn im Auge, zum Beispiel musste Patrick Kluivert eine Gehaltskürzung hinnehmen. Der Kader wurde vor allem in der Offensive umgebaut und in den nächsten beiden Jahren kamen unter anderem Ronaldinho, Ludovic Giuly und Samuel Eto'o.

Für Saviola gab es keinen Platz mehr. Er wurde verliehen. Zunächst nach Monaco, anschließend an den FC Sevilla. Auch hier lieferte er durchaus solide Leistungen ab, jedoch selten mit dem Hauch des Besonderen und nie derartig stark, dass es doch noch Hoffnungen auf die große Weltkarriere gab.

2006/07 kehrte er für eine Saison nach Barcelona zurück, nahm aber hinter Ronaldinho, Lionel Messi und Eidur Gudjohnsen nur eine Statistenrolle ein. Die Zeichen standen auf Trennung und Saviola verließ den Verein ablösefrei. "Privat ist alles bestens für mich in Spanien und ich fühle mich hier sehr wohl. Wenn ich gespielt habe, waren meine Leistungen auch gut. Aber ich habe nie länger Gelegenheit bekommen, mich zu beweisen. Ich wünschte, ich hätte häufiger gespielt", sagt er damals.

Die Bekanntgabe seines neuen Klubs sorgte dann einigermaßen für hochgezogene Augenbrauen: Saviola wechselte ausgerechnet zum Erzrivalen Real Madrid. Dort war Ramon Calderon gerade Präsident und er konnte seine Transfersprechen (Kaka, Cesc Fabregas) nicht halten. Also hielt er es für einen guten Schachzug, einen Stürmer aus Barcelona zu holen. Saviola sah im 4-2-3-1 von Bernd Schuster gegen Raul, Robinho, Wesley Sneijder, Guti, Julio Baptista und Gonzalo Higuain kein Land und er erlebte bei den Blancos die schwächste Phase seiner Karriere.

"Ich bereue nichts"

In zwei Spielzeiten erzielte er in 28 Partien nur fünf Treffer und 2009 ging es für fünf Millionen Euro Ablöse zu Benfica. Drei Jahre lang spielte er in Lissabon. Es folgten noch Engagements beim FC Malaga, Olympiakos Piräus und Hellas Verona, ehe er seine Laufbahn bei River Plate ausklingen ließ und 2016 beendete.

Saviola hatte eine Karriere, von der viele andere Fußballer gewiss träumen. Er stand bei ruhmreichen Klubs unter Vertrag. Er gewann Meisterschaften in verschiedenen Ligen, absolvierte 40 Länderspiele, nahm an einer Weltmeisterschaft teil und gewann Gold bei Olympia. Und doch denkt man an den Hype zurück und fragt sich, ob er nicht mehr hätte erreichen müssen. Ist das fair?

Galerie: Die teuersten Brasilianer aller Zeiten

Saviola selbst strebt nun eine Karriere als Trainer an. Mit seiner Zeit als Spieler ist er völlig im Reinen: "Falls ich in meine Karriere falsche Entscheidungen getroffen habe, dann bereue ich nichts. Ich wollte mich immer so verhalten, dass ich niemandem schade und das beste für meine Zukunft im Blick habe. Ich habe immer gesagt, dass der Fußball mir mehr gegeben hat, als ich erwartet habe. Ich habe in vielen namhaften Vereinen mit großer Historie und mit vielen tollen Spielern gespielt."

Vermutlich ist das die einzig richtige Sichtweise.