Imagewechsel von Schalkes Meyer: Der "kleine Max" ist Geschichte

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Gegen Hertha BSC imponierte Max Meyer als Malocher. Nun will er anders wahrgenommen werden und kann sich sogar einen Verbleib auf Schalke vorstellen.

HINTERGRUND

Talent. Sprach man in der Vergangenheit über Max Meyer, fiel dieses Wort zwangsläufig. Seit der kleine Mittelfeldspieler 2013 als 17-Jähriger für die Profis des FC Schalke 04 debütierte, haftet dieses Etikett an seiner Stirn, obwohl er inzwischen seit fast fünf Jahren dabei ist und weit über 100 Bundesligaspiele auf dem Konto hat.

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Wie bei der Einordnung in die Kategorie des Talents, wird auch beim Spiel des 22-Jährigen häufig in Schubladen gedacht. So gilt er gemeinhin als reiner Offensivspieler: gutes Dribbling, starke Technik, stets ein Auge für den Mitspieler und auf der Zehn zu Hause – das sahen auch die bisherigen Trainer der Knappen so. Egal ob Jens Keller, Roberto Di Matteo, Andre Breitenreiter oder Markus Weinzierl.

Seit Sommer steht mit Domenico Tedesco allerdings ein Trainer an der Seitenlinie, der alles hinterfragt und nicht davor zurückschreckt, bewährte Strukturen zu durchbrechen – was auch Meyer feststellen musste. Denn statt wie gewohnt im offensiven Mittelfeld aufzulaufen, fand er sich zu Saisonbeginn zunächst auf der Bank wieder, bevor er in den Spielen gegen 1899 Hoffenheim und Hertha BSC vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld aufgeboten wurde.

Plötzlich Sechs statt Zehn

Gegen die Berliner agierte er sogar als alleiniger Sechser, noch hinter Leon Goretzka. "Natürlich musste ich mich umstellen", gab Meyer gegenüber Schalke TV zu, denn Zweikampfstärke und Tacklings galten bislang nicht als die große Stärke des 1,73-Meter-Mannes. "Ich war dem eigenen Tor viel näher als sonst und musste eine höhere Aggressivität an den Tag legen."

Gefragt war in der ungewohnten Rolle aber nicht nur die Einsatzbereitschaft, sondern vor allem die spielerische Qualität des viermaligen Nationalspielers. Denn statt als Zehner häufig auf engem Raum, mit dem Rücken zum Tor angespielt zu werden, hat er das Spiel auf der Sechs vor sich und deutlich mehr Zeit, seine Mitspieler einzusetzen. Mehr ins Aufbauspiel eingebunden, kam Meyer in seinen 87 Spielminuten gegen Hertha auf 78 Ballaktionen und starke 73 Pässe (92% erfolgreich).  

Nach zuletzt schwierigen Monaten werden die Leistung in Berlin und das viele Lob der Kollegen und der Presse Balsam für die Seele des 22-Jährigen sein: "Auf Schalke ist es extremer als bei anderen Vereinen, doch das kenne ich schon aus der Vergangenheit. Im Fußball ist es normal, in der einen Woche der Held zu sein und wenig später schon wieder der Depp."

GFX Quote Max Meyer

Doch noch eine Zukunft auf Schalke?

Um in Zukunft häufiger Held statt Depp zu sein, hat der Mittelfeldmann in den letzten Monaten hart an sich gearbeitet. So ackert er auch privat neben dem Trainingsalltag mehrmals wöchentlich im Kraftraum. "Als Profi gehört es dazu, Extraschichten zu schieben", erklärt er sein Workout, das er in der Länderspielpause intensivierte: "Wenn ich schon nicht bei der Nationalmannschaft dabei bin, versuche ich in der freien Zeit, vieles aufzuholen."

Aufholen muss Meyer auch in der Gunst der Schalke-Fans. Denn seit Meldungen die Runde machen, der Ur-Schalker wolle den Verein im kommenden Sommer ablösefrei verlassen, hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen. "Es stand zwar noch niemand vor mir und hat mich Arschloch genannt, doch auch die Reaktionen im Internet tun weh. Doch es ist ja klar, dass es den Fans am liebsten ist, wenn Spieler von der Jugend bis zum Karriereende hierbleiben", verrät er.

Gleichzeitig ist es laut dem U21-Europameister auch keinesfalls in Stein gemeißelt, dass er Königsblau tatsächlich am Saisonende verlässt: "Ich habe nie gesagt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern will." Obwohl es derzeit aber keine Gespräche mit Sportvorstand Christian Heidel gibt, ist "das letzte Wort noch nicht besprochen", wie Meyer betont.

"Ich will nicht mehr der kleine Max sein"

Anstatt sich zu beklagen, nicht mehr in der Offensive ran zu dürfen und vor einer ungewissen Zukunft zu stehen, schätzt er die Arbeit von Trainer Tedesco und ist davon überzeugt, sich weiterentwickeln zu können. "Ich fühle mich so wohl wie lange nicht. In neun Monaten, die mein Vertrag noch läuft, kann noch viel passieren."

Kann Meyer auch in den kommenden Wochen an die Leistung gegen Hertha anknüpfen, scheint es nach solchen Aussagen nicht ausgeschlossen, dass sich der 22-Jährige auf Schalke doch noch zu einer festen Größe entwickelt und womöglich sogar über den Sommer hinaus in Gelsenkirchen bleibt. "Ich möchte unbedingt den nächsten Schritt machen", sagt er. "Ich will nicht mehr der kleine Max sein, der gerade aus der Jugend gekommen ist, sondern anders wahrgenommen werden." Ein Begriff, der in dieser Wahrnehmung definitiv keinen Platz mehr findet, ist der des "Talents".

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