HSV-Kaderplanung: 16 Millionen Euro für Neue, aber kaum Verstärkung

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Der Hamburger SV hat auf dem Transfermarkt bereits relativ viel Geld investiert, sich aber noch nicht substanziell verbessert. Eine Analyse.


HINTERGRUND

Transferperioden sind für die Manager der Profi-Klubs auf der ganzen Welt die wahrscheinlich stressigsten Phasen des Jahres. Es vergeht kaum ein Moment, in dem das Handy nicht klingelt. Hunderte Spielerberater versuchen auf unterschiedlichen Wegen ihre Klienten an große Vereine zu vermitteln. Auch an den Hamburger SV, einen der größeren Klubs der Bundesliga, der in den vergangenen Jahren bekanntlich mit gut dotierten Verträgen lockte. Das Problem: Sportchef Jens Todt sind wieder einmal die Hände gebunden. Obwohl es noch Bedarf an Neuzugängen gibt, muss der 47-Jährige zunächst einige Großverdiener los werden. Nur gibt es für die Streichkandidaten Pierre-Michel Lasogga, Lewis Holtby und Aaron Hunt keine konkreten Angebote.

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Zwar ist der Aufsichtsrat des HSV, der Vorstand und Sportchef mit der Aufgabe betraute, die Personalkosten auf 48 Millionen Euro jährlich zu senken, kurzzeitig eingeknickt und hat seine Zusage für Neuverpflichtungen doch erteilt. Allerdings haben die Kosten nach den Transfers von Kyriakos Papadopoulos (6 Mio. Euro Ablöse zuzüglich Nachzahlungen), Andre Hahn (6 Mio.), Julian Pollersbeck (4 Mio.), der sich erst im Duell mit Christian Mathenia beweisen muss, sowie der Vertragsverlängerung von Stürmer Bobby Wood (verdient nun mehr als drei Mio. jährlich) erneut ein kritisches Niveau erreicht. Der HSV hat Top-Verdiener durch neue Top-Verdiener ersetzt.

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U21-Europameister Julian Pollersbeck startet zunächst als Nummer zwei

Gisdol braucht noch zwei neue Verteidiger

Will der Klub seine Finanzen in den Griff bekommen und keine weiteren Verluste schreiben, muss der Lizenzspieler-Etat zurückgefahren werden. Unabhängig von der Unterstützung des Investors Klaus-Michael Kühne, der dem HSV dem Vernehmen nach sowohl bei den Ablösen als auch bei den Gehältern mit neuen Darlehen unter die Arme greift. Ein Konzept, das gewisse Risiken birgt. Schließlich bewegt sich der Stand der Gesamtverbindlichkeiten bei weit über 100 Millionen Euro. Nur sportlicher Erfolg und ein Aufstieg im sogenannten TV-Ranking, das über die Verteilung der Fernsehgelder entscheidet, könnten in den nächsten Jahren für eine Entspannung der bedrohlichen Lage sorgen.

Aber ist das mit diesem Kader wirklich realistisch? Fakt ist, dass sich der HSV trotz der Investitionen von mehr als 16 Millionen Euro, mit der andere Klubs ihr komplettes Team zusammenstellen, noch nicht wirklich verstärkt hat. Mit Rene Adler, Johan Djourou, Matthias Ostrzolek und Michael Gregoritsch (wechselte für fünf Millionen zum FC Augsburg) hat Cheftrainer Markus Gisdol vier bundesligaerfahrene Spieler verloren. In Hamburg weint ihnen kaum einer Tränen nach - quantitativ steht der Kader aktuell aber schlechter da als in der Vorsaison. Gisdol wünscht sich neben Kyriakos Papadopoulos und Mergim Mavraj noch einen weiteren Innenverteidiger. Der vom Zweitligaabsteiger Karlsruhe verpflichtete Bjarne Thoelke übernimmt in den Überlegungen höchstens die Rolle eines Back-Ups und hat nur im Falle akuter Verletzungssorgen oder Sperren eine Chance auf Einsätze.

Auch für die linke Abwehrseite wird neben Douglas Santos noch ein weiterer Spieler gesucht. Das absolute Vertrauen genießt der Brasilianer jedenfalls nicht. In der Rückrunde der vergangenen Spielzeit verlor der 7,5 Millionen Euro teure Olympia-Sieger seinen Platz an den inzwischen zu Hannover 96 abgewanderten Ostrzolek. Im System von Markus Gisdol ist eine stabile Abwehrkette aber unerlässlich. Mit 61 Gegentoren stellte der HSV nach dem SV Darmstadt (63) und dem SV Werder Bremen (64) die drittlechteste Defensive der Liga. Gleiches gilt derweil für die Offensive. In 34 Partien gelangen den Hamburgern gerade einmal magere 33 Treffer. Und mit Gregoritsch (fünf Tore, drei Assists) hat die Rothosen jüngst einer der erfolgreicheren Scorer verlassen.

Andre Hahn Borussia Mönchengladbach 20072016
Andre Hahn kam für sechs Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach

Wolfsburg lässt bei Nicolai Müller nicht locker

Nicht unwahrscheinlich ist, dass mit Nicolai Müller sogar der Top-Scorer der letzten Spielzeit seine Karriere bei einem anderen Verein fortführt. Der 29-Jährige wird heftig vom VfL Wolfsburg umworben. Sein Vertrag beim HSV läuft noch bis 2018. Es wäre die letzte Gelegenheit, Müller mit Gewinn zu verkaufen. Sportchef und Trainer halten von dieser Idee nicht viel, können dem schnellen Rechtsaußen aber auch keine Vertragsverlängerung inklusive deutlicher Gehaltserhöhung bieten. Der von Borussia Mönchengladbach verpflichtete Hahn kann Müllers Position zwar einnehmen, war ursprünglich aber als zweiter Anläufer in einer 4-4-2-Formation vorgesehen. Entscheidet sich Müller also gegen einen Verbleib und für einen Wechsel nach Wolfsburg, entsteht für die Hamburger in der Offensive eine neue Baustelle.

Überhaupt stellt sich die Frage, wie sich das Spiel des HSV in den nächsten Wochen und Monaten verändern soll. Speziell in der Rückserie zeichnete sich Gisdols Team durch Geschlossenheit, Mentalität und brachiale Methoden aus, mit der viele eigentlich favorisierte Teams in die Knie gezwungen wurden. Phasenweise galt der HSV sogar als eine der besten Pressing-Mannschaften der Liga. Daran will Gisdol auch in der neuen Saison ansetzen und arbeitet im ersten Trainingslager im niedersächsischen Rotenburg an der konditionellen Basis. "Wir waren in in der letzten Saison eine der fittesten Mannschaften der Liga und wollen das auch in dieser Saison wieder sein", verspricht er.

Mit dem Abwehr-Duo Papadopoulos und Mavraj ist indes nicht damit zu rechnen, dass es hinsichtlich des Spielaufbaus gravierende Veränderungen geben soll. Der HSV war zumeist dann erfolgreich, wenn die Bälle lang und weit in die gegnerische Hälfte geschlagen wurden und alle Mannschaftsteile kompakt nach vorne schoben. Gisdols Idee besteht darin, so schnell wie möglich zweite Bälle zu erobern und die Unordnung des Gegners auszunutzen. Mit diesem Spielstil hat er bereits bei der TSG Hoffenheim einige Erfolge erzielt. Durch die Verpflichtung von Hahn steht zumindest ein neuer Spieler zur Verfügung, der viele dafür notwendige Eigenschaften wie Laufstärke und Sprintgeschwindigkeit mitbringt, um die taktischen Vorgaben noch effizienter umzusetzen.

Dennoch ist eine substanzielle Verbesserung des Kaders durch die getroffenen Personalentscheidungen noch nicht erreicht. Bis zum Start der neuen Saison bleibt gewiss noch viel Zeit, geeignete Kandidaten zu finden. Nur darf es sich der HSV nicht erlauben, wieder einmal bis kurz vor Toreschluss auf Verstärkungen zu warten. Andererseits wird nicht viel passieren, solange kein Top-Verdiener abgegeben werden kann. Für Todt und Gisdol ein bekanntes Dilemma.

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