Hamburger SV: Ein neuer Anlauf für die HSV-Talente

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Sechs Jungspunde kämpfen beim Hamburger SV um einen Platz in der ersten Elf. Goal stellt sie euch vor und analysiert ihre Chance auf Einsätze.

HINTERGRUND

Wenn der Hamburger SV am Samstag ins zweite Trainingslager ins österreichische Längenfeld aufbricht, werden wieder einige Nachwuchshoffnungen dabei sein. Die Sehnsucht beim Hamburger SV nach selbst ausgebildeten Jugendspieler in der Startelf ist seit Jahren besonders groß. Was bei anderen großen Klubs regelmäßig gelingt, ist bei den Rothosen noch ausbaufähig. Die Durchlässigkeit zwischen der eigenen Nachwuchsabteilung und der Bundesliga-Mannschaft soll in Zukunft erhöht werden.

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In diesem Sommer haben sechs Talente erneut die Gelegenheit, Chefcoach Markus Gisdol von ihren Qualitäten zu überzeugen. Während Vasilije Janjicic, Bakery Jatta und Finn Porath bereits Profiluft schnuppern durften, sich aber noch nicht endgültig festgebissen haben, kämpfen Jonas Behounek, Mats Köhlert und Fiete Arp noch um ihr Debüt in der Bundesliga. Goal stellt euch die Spieler vor und analysiert ihre Chancen auf den Durchbruch bei den Profis.

Vasilije Janjicic (18, zentrales Mittelfeld)

Der Schweizer mit serbischen Wurzeln wurde vergangene Saison für etwa 900.000 Euro vom FC Zürich verpflichtet und galt beim HSV lange Zeit als große Unbekannte. Zunächst für die Regionalliga-Mannschaft vorgesehen, überzeugte Janjicic bei der U21 auf Anhieb und entwickelte sich schnell zum Leistungsträger dieser Mannschaft. Ein großes Lob gab es auch von Cheftrainer Markus Gisdol, der ihm im Winter Einsätze in der Bundesliga in Aussicht stellte. Seinen ersten kurzen Auftritt in der Bundesliga hatte er Anfang April bei der 0:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund. Am Ergebnis konnte er zwar nichts mehr verändern, bewies allerdings, auf diesem Niveau mithalten zu können.

Janjicic Hamburger SV Mainz 05 Bundesliga 070517

Knapp einen Monat später durfte der 1,80 Meter große, zentral-defensive Mittelfeldspieler gegen den FSV Mainz 05 zum ersten Mal von Beginn an starten - und wusste auch hier auf Anhieb zu überzeugen. Janjicic zeichnet sich durch seine geschickte und robuste Zweikampfführung aus, ist darüber hinaus erfolgreich bei Kopfballduellen und spielt viele sichere Pässe. Der Schweizer Jugendnationalspieler wird sich vor allem mit Gideon Jung, Walace und Albin Ekdal um einen Platz im zentralen Mittelfeld streiten. Seine Chancen stehen nach den Eindrücken der letzten Saison ziemlich gut.

Bakery Jatta (19, Flügelstürmer)

Seine Geschichte ist eine der spannendsten und ungewöhnlichsten der Bundesliga-Historie. Vor seiner Flucht nach Deutschland und seinem Wechsel zum HSV spielte der Gambier in keinem Fußballverein, sondern lernte alles auf den Ascheplätzen seiner alten Heimat. Beim HSV startete er zunächst in der Regionalliga und war mit elf Toren und drei Vorlagen in 16 Einsätzen einer der erfolgreichsten Scorer dieser Mannschaft. Gleichzeitig trainierte er regelmäßig bei den Profis mit und glich in sehr kurzer Zeit taktische und fußballerische Defizite aus.

Bakery Jatta 07082016

Zwar wird es noch einige Zeit und etliche Trainingsstunden dauern, bis der groß gewachsene Flügelstürmer Profiniveau erreicht. Mit seiner enormen Geschwindigkeit ist Jatta allerdings schon jetzt eine Waffe. Unter Gisdol durfte er sechs Mal in der Bundesliga ran und stach durch seine unkonventionellen Bewegungen und Laufwege durchaus positiv hervor. Auf den Außenbahnen steht er in Konkurrenz mit Filip Kostic und Nicolai Müller und wird in der kommenden Saison als Joker auf weitere Einsätze lauern. Eine Leihe in die zweite Bundesliga ist derzeit kein Thema mehr.

Finn Porath (20, offensives Mittelfeld)

Der gebürtige Lübecker darf sich offiziell zwar Bundesliga-Spieler nennen. Sein Debüt gegen die TSG Hoffenheim Ende November des vergangenen Jahres dauerte aber nicht einmal zehn Sekunden. Seit dieser Einwechslung wartet der talentierte Mittelfeldspieler auf weitere Einsätze, schaffte es zumindest noch vier weitere Male in den Spieltagskader. Allerdings verzichtete Gisdol im Abstiegskampf auf seine Dienste.

Finn Porath Hamburger SV

Dass Porath, der ohne Zweifel viele Anlagen hat und speziell bei sogenannten "tödlichen" Pässen überdurchschnittliche Qualitäten mitbringt, immer noch auf seinen Durchbruch wartet, liegt auch an mehreren kleineren Verletzungen, die ihn immer wieder zurück warfen. Offensichtlich fehlt ihm die körperliche Robustheit für die Bundesliga. Seine Chancen auf Einsätze in der neuen Saison stehen eher schlecht. Zumal Gisdol mit einem 4-4-2-System plant. In diesem wäre für einen "Zehner" kein Platz.

Jonas Behounek (19, rechter Verteidiger)

Schaffte in der vergangenen Saison den Sprung als Kapitän der A-Jugend in die U21 und erkämpfte sich sofort einen Stammplatz. Behounek wird für seine vorbildliche und professionelle Einstellung gelobt. Schaltet sich als Außenverteidiger regelmäßig ins Offensivspiel ein und ist für eine Flankentechnik bekannt. Sein vermeintlicher Konkurrent bei den Profis, Dennis Diekmeier, stach in dieser Disziplin bekanntlich selten positiv hervor.

Jonas Behounek Hamburger SV 25072016

Ob es für Einsätze in der Bundesliga reicht, ist jedoch mehr als fraglich. Im Testspiel gegen Holstein Kiel erwischte er keinen guten Tag. Doch das galt für fast alle eingesetzten Spieler. Behounek wird noch Zeit brauchen, um sich an das Tempo auf allerhöchstem Niveau zu gewöhnen. Schließlich macht er gerade erst seine ersten Schritte bei den Profis.

Mats Köhlert (19, linke Außenbahn)

Die Nominierung zur U19-Europameisterschaft in Georgien unterstreicht, dass Köhlert zu einem der talentiertesten Spieler seines Jahrganges gehört. Blöd nur, dass Deutschland bei diesem Turnier bereits in der Gruppenphase raus flog und er bei seinem einzigen Einsatz gegen die Niederlande nicht gut aussah. Trotzdem gilt der pfeilschnelle Köhlert beim HSV als eines der größten Talente des Vereins.

Mats Köhlert DFB

Auch er schaffte in der abgelaufenen Saison den Sprung von der A-Jugend in die U21 und kam dort zu fünf Einsätzen. Trainiert nun bei den Profis mit, wird sich aber ziemlich strecken müssen, um Filip Kostic, den teuersten HSV-Zugang aller Zeiten, zu verdrängen. Sein Vorteil ist allerdings, dass er sowohl offensive als auch defensive Fähigkeiten vereint und auch als Linksverteidiger eingesetzt werden kann. Wird kein weiterer Spieler für diese Position verpflichtet, hätte er als Back-Up für den Brasilianer Douglas Santos eine Chance verdient.

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Fiete Arp (17, Stürmer)

Der Hype um seine Person ist riesig. Angeblich sagte er mehreren europäischen Top-Klubs ab, um beim HSV zu bleiben. Seinen Vertrag verlängerte er aber nur um ein Jahr bis 2019. Offensichtlich will eines der größten Sturm-Hoffnungen Deutschlands die Entwicklung in Hamburg abwarten. Zurecht. Immerhin ist seine Aussicht auf Einsätze in der Bundesliga aktuell relativ klein.

Fiete Arp HSV 04012017

Vor ihm stehen mit Bobby Wood, Pierre-Michel Lasogga, Sven Schipplock und Andre Hahn mehrere gestande Bundesligaprofis. Der ehemalige Kapitän der B-Jugend des HSV wird voraussichtlich zwischen der U19 und U21 pendeln. Der Weg zu den Profis ist trotz seiner schon jetzt überdurchschnittlichen Fähigkeiten noch weit. Prognose: Die Fans werden sich gedulden müssen, um ihn irgendwann im Volksparkstadion zu sehen.

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