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Portugal - Island

Goals Begeisterungsindex: Wie Ronaldo Portugal zu einem der langweiligsten EM-Teams macht

14:15 MESZ 14.06.16
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Die Portugiesen verließen sich in der Quali allzu häufig auf die Tore des Real-Stars. Dadurch wird ihr Spiel jedoch eintönig und glanzlos.

Mit nahezu 150 Millionen Followern bei Facebook und Twitter ist Cristiano Ronaldo nicht nur der populärste Fußballer der Welt. Er kann sogar von sich behaupten, die zweitbeliebteste Person auf dem kompletten Planeten zu sein. Nur Popstar Katy Perry ist ihm im Social-Media-Ranking voraus. Und der Fußballer, der dem Torjäger von Real Madrid am nächsten kommt, ist Lionel Messi, der rund 60 Millionen Fans weniger hat.

Man sollte meinen, der Umkehrschluss aus einer solch riesigen Anhängerschaft ist, dass Ronaldo diese auf dem Feld auch mit entsprechendem Herzrasen versorgt. Und klar, die Torquote, die er in den vergangenen sieben Jahren kontinuierlich aufrecht erhielt, sucht seinesgleichen. Er ist der Pulsschlag der Offensive - sowohl im Klub als auch in der Nationalmannschaft.

In der Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich wurde allerdings ein großes Aber deutlich. Denn die Statistiken legen nahe, dass der 30-Jährige im Dress der Landesauswahl für den neutralen Zuschauer nicht den gleichen Unterhaltungsfaktor wie im Trikot der Königlichen hat. Dass die Portugiesen ihren Matchplan stur an ihrer Nummer 7 ausrichten, hat ihr Spiel eintönig und glanzlos gemacht.

Nur vier EM-Teilnehmer langweiliger

In Goals Begeisterungsindex - einem Opta-Ranking, das europäische Nationalteams anhand eines torschussbasierten Algorithmus bezüglich ihrer Attraktivität bewertet - krebst Portugal auf Platz 47 von 53 Nationen herum. Danach waren mit der Ukraine, Albanien, Wales und Rumänien nur vier Mannschaften, die ebenfalls zur Endrunde fahren, während der Qualifikation langweiliger als die Portugiesen. Und keiner Nation aus diesem Quartett werden auch nur minimale Aussichten auf den Titel zugewiesen, bereits das Erreichen der K.o.-Phase wäre für sie jeweils ein großartiger Erfolg, Wales und Albanien sind erstmals überhaupt bei einer EM am Start.

Portugal dagegen hat bei drei der vier jüngsten Europameisterschaften das Halbfinale erreicht und ist bei der Auslosung am Samstag (18 Uhr im LIVE-TICKER ) in Paris in Topf 1 gesetzt. Dieser Status als einer der Mitfavoriten steht aber im Kontrast zu den schläfrigen Leistungen, mit denen die Elf von Trainer Fernando Santos das neunte große Turnier in Folge erreicht hat.

Zum Auftakt der Quali-Runde gegen Albanien fehlte Ronaldo - und eine überraschende Pleite kostete den damaligen Coach Paulo Bento seinen Job. Dessen Nachfolger Santos setzte dann in fast jedem weiteren Pflichtspiel auf seinen Superstar aus Madrid, ausgenommen der letzten Partie in Serbien, als die Portugiesen das EM-Ticket bereits in der Tasche hatten.

Alle sieben Siege nach der Auftaktniederlage gelangen mit nur einem einzigen Tor Vorsprung. Beleg genug für das vorsichtige, zurückhaltende Auftreten der Seleccao. Lediglich 95 Schüsse gab Portugal während der acht Partien in Gruppe I ab. Zum Vergleich: Weltmeister Deutschland hat in zehn Qualifikationsspielen 181 Torschüsse abgefeuert.

Kein CR7, kein Erfolg

Überdies gingen etwa Nani (18 Schüsse, ein Tor) oder Danny (zehn Schüsse, kein einziger Treffer) verschwenderisch mit ihren Gelegenheiten um. Und ohne Kapitän Ronaldo wirkten die Portugiesen führungs- sowie orientierungslos, was die beiden Testspielpleiten gegen Russland und den afrikanischen Underdog Kap Verde, in denen CR7 fehlte, unterstreichen.

"Cristiano will immer mehr", sagte Routinier Ricardo Carvalho am Montag über seinen Nationalelfkollegen. Jene Besessenheit zeichnet ihn aus - und doch wohnt diesem Egozentrischen, dass Ronaldos Wesen ebenso wie das der meisten großen Goalgetter der Fußball-Geschichte durchstreift, die Tendenz inne, die portugiesische Landesauswahl berechenbar zu machen. Carvalho jedenfalls fügte viel sagend an: "Wir erwarten bei der EM eine Menge von ihm."

Für ein Idol wie Ronaldo sind hohe Erwartungen fürwahr nichts Fremdes. Doch das Vorrunden-Aus bei der WM 2014 zeigte, dass inmitten durchschnittlicher Teamkollegen vielleicht doch zu viel Druck auf den Schultern des dreimaligen Weltfußballers lastet. "Jede Mannschaft, die Ronaldo in ihren Reihen hat, muss auch von Ronaldo abhängig sein", verteidigte Coach Santos im Juni seine Taktik. Aber während Real Madrid mit Karim Benzema oder Gareth Bale meistens einen Plan B hat, scheint Portugal ohne CR7 gänzlich verloren zu sein.

Zwischen den Generationen

Niemand zweifelt daran, dass Ronaldo unbedingt die EM gewinnen will. "Einen großen Titel mit der Nationalmannschaft zu holen, das wäre der Höhepunkt meiner Karriere", sagt er selbst. Aber Wunschdenken alleine bringt keine Trophäen - und der begnadete Techniker könnte sich am Ende seiner Karriere in der Zeit zwischen zwei goldenen portugiesischen Generationen gestrandet sehen, ohne je Teil einer solchen zu sein. Die EURO im kommenden Sommer kommt jedenfalls für die meisten der Youngster, die bei der U21-EM im vergangenen Sommer begeisterten, zu früh.

Auch Ronaldo, ja alle Portugiesen werden wissen: Eine Ein-Mann-Armee hat noch nie eine EM-Trophäe gewonnen. Michel Platini hat 1984 phänomenale neun Tore in fünf Spielen für die triumphierenden Franzosen erzielt, wusste sich dabei jedoch innerhalb eines legendären Mittelfelds mit Größen wie Jean Tigana oder Alain Giresse.

Ronaldo wird sein Spiel weiter optimieren müssen, um eine Chance zu haben, Geschichte zu schreiben. In der Quali fanden 23 Prozent seiner Schüsse den Weg ins Netz. Ein ordentlicher Wert, der aber nicht an die 38 Prozent von Polens Robert Lewandowski heran reicht.

Die Erben der Hellenen?

Am nächsten kam Ronaldo dem Gewinn eines Titels mit der Nationalelf gleich bei seinem ersten großen Turnier, der EM 2004 im eigenen Land, als die Gastgeber im Finale den Griechen mit 0:1 unterlagen. Damals war der aufstrebende Jüngling erst 19 - und brach nach dem verlorenen Endspiel gegen den krassen Außenseiter hemmungslos in Tränen aus.

Irgendwie scheint es sonderbar, dass es zwölf Jahre später ausgerechnet Portugal sein könnte, dass Griechenland als langweiligstes Team der EM-Geschichte ablösen könnte.