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EM 2016

"Fühlt sich grausam an": Oranje braucht ein "voetbal wonder"

23:53 MESZ 12.10.15
Sneijder Kazachstan Netherlands EC Qualifier 10102015
Ein Sieg ist Pflicht - und dann müssen die Niederlande immer noch auf Schützenhilfe hoffen. Oranje droht ein Quali-K.o., der wohl weitreichende Folgen hätte.

Ganz Oranje träumt vom "voetbal wonder" - aber auch das könnte die derzeitige Krise der niederländischen Nationalmannschaft nicht verhüllen. "Die Elftal ist in großer Not", kritisierte Ikone Johan Cruyff und lieferte in seiner Kolumne für De Telegraaf gleich die Gründe: "Die Spieler sind bestimmt nicht schlechter geworden, aber sie rufen ihr Potenzial einfach nicht ab."

Die Folge: Ein gutes Jahr nach dem berauschenden dritten Platz bei der WM in Brasilien droht den Niederlanden der vorzeitige Quali-Knockout. "Wir befinden uns in einer extremen Situation", klagte der heftigst kritisierte Nationaltrainer Danny Blind. Denn nur wenn seine Mannschaft am Dienstag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) in Amsterdam gegen Tschechien gewinnt und die Türkei zeitgleich gegen Island verliert, würde der Traum von der EM 2016 in Frankreich weiterleben. Mehr als Rang drei in der Gruppe A ist ohnehin nicht drin.

"Das wäre wie ein Lottogewinn, wenn wir uns tatsächlich noch für die Endrunde qualifizieren könnten", äußerte der frühere Nationalspieler Peter Boeve: "Mein Gefühl aber sagt mir: Es wird nicht gutgehen."

"Dazu benutzt man nicht van Persie"

Ohnehin müssten die Stars um Robin van Persie - wenn denn alles klappen sollte - nochmal in den Play-offs ran. "Die gesamte Qualifikation war schwierig. Es fühlt sich grausam an, das nicht mehr in der eigenen Hand zu haben", sagte der Stürmer, der am Freitag beim 2:1-Sieg in Kasachstan als Einwechselspieler sein 100. Länderspiel bestritten hatte.

Sollten die Niederländer am Dienstag scheitern und wie 2002 die WM oder zuletzt 1984 eine EM verpassen, wäre die Ära von Idolen wie van Persie (32), Wesley Sneijder oder Arjen Robben (beide 31) wohl beendet. Blind muss ohnehin um seinen Job bangen, die Kritik seiner Landsleute wird immer lauter.

Robin van Persie wurde beim 2:1-Sieg gegen Kasachstan erst kurz vor Schluss eingewechselt

"Das macht man nicht mit einem van Persie", tadelte Gertjan Verbeek, Trainer des Zweitligisten VfL Bochum, die späte Einwechslung des Torjägers in der 87. Minute gegen Kasachstan. Eine solches Manöver diene ausschließlich dazu, den Spielrhythmus des Gegners zu stören. "Aber dazu benutzt man nicht van Persie", sagte Verbeek.

In den niederländischen Gazetten gehen sie jedenfalls schon mal sämtliche Gründe durch, weshalb Oranje trotz aller Querelen zumindest noch den Play-off-Rang erobern wird. Weil die Isländer ja "so eine undurchlässige Abwehr" besitzen, und weil sie ja "unbedingt als Gruppensieger" das Ticket lösen wollen. Aber soll das alleine reichen, um ihm Hexenkessel von Konya zu bestehen?

Türkei will Landsleuten Lebensfreude zurückgeben

"Macht Euch keine Sorgen, meine niederländischen Freunde", twitterte Islands Angreifer Alfred Finnbogason. Kolbein Sigthorrson versicherte zudem: "Wir sind scharf darauf, die Gruppe zu gewinnen. Wir fahren nach Konya, um drei Punkte einzufahren."

Das, und nur das, würde den Niederländern noch die Möglichkeit auf die Play-off-Spiele gewähren. Die Türken strotzen allerdings nach dem überzeugenden 2:0-Erfolg in Tschechien vor Selbstvertrauen. "Diese Möglichkeit sollten wir uns nicht mehr nehmen lassen", wird Leverkusens Hakan Calhanoglu im Fachmagazin kicker zitiert.

Mit der Absicherung des dritten Platzes und der möglichen Chance auf eine EM-Teilnahme könnten Calhanoglu und Co. ihren Landsleuten nach dem Attentat von Ankara zumindest ein bisschen Lebensfreude zurückgeben. Die große Tageszeitung Hürriyet titelte jedenfalls schon mal siegessicher: "Erwartet uns in Paris!"