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Ligue 1

French Connection: Warum Denayer für Lyon genau so wichtig ist wie Fekir und Depay

15:30 MESZ 19.04.19
Jason Denayer Lyon Strasbourg Coupe de la Ligue 08012018
Nicht mal ein Jahr lang ist Jason Denayer jetzt bei Olympique Lyon. Doch der Belgier ist für OL schon beinahe unverzichtbar.

Wenn man in einer Mannschaft mit Spielern wie Memphis Depay oder Nabil Fekir spielt, ist es nicht leicht, zu glänzen. Vor allem nicht als Verteidiger. Und doch darf man im Fall von Olympique Lyon mit Fug und Recht behaupten: Jason Denayer, seines Zeichens Innenverteidiger, ist der wohl konstanteste Spieler seines Teams in dieser Saison.

Der 23-jährige belgische Nationalspieler hat die Probleme, die Lyon seit dem Rücktritt des Brasilianers Cris vor sieben Jahren im Abwehrzentrum stets hatte, weitgehend behoben. Und das, obwohl bei seiner Ankunft bei OL im August vergangenen Jahres nicht gerade Euphorie bei den Fans der Franzosen herrschte. Man konnte sich nicht vorstellen, dass ein Mann, der bei Manchester City nie zu einem Ligaeinsatz in der ersten Mannschaft gekommen war, der Truppe weiterhelfen kann. Zumal Lyon seinen Wunschspieler für diese Position, Ruben Dias von Benfica, nicht bekam.

Insgesamt fünf Jahre lang stand Denayer bei Manchester City unter Vertrag. Er hatte überzeugende Auftritte während seiner Leihen zu Celtic, Sunderland und Galatasaray. Doch der Wechsel nach Lyon für 6,5 Millionen Euro war für ihn ein richtig großer Einschnitt. Nun würde sich entscheiden, ob er eine Karriere auf Top-Level haben wird - oder eben nicht.

Bisher hat sich der Transfer in die Ligue 1 in dieser Hinsicht voll ausgezahlt. "Er hat all die Fähigkeiten, nach denen wir gesucht haben: Er kann in der Viererkette jede Position bekleiden, hat Spielintelligenz, ist schnell und stark im Zweikampf", sagte Florian Maurice, Leiter der Scoutingabteilung Lyons, nach Denayers Verpflichtung.

Drei Jahre lang hatte sich OL bereits um Denayer bemüht - und die Mühen haben sich gelohnt. Beim 2:1-Sieg gegen PSG in der Liga glänzte Denayer mit einer außergewöhnlichen Klärungsaktion auf der Torlinie, in der Champions League war er mitverantwortlich dafür, dass sein Ex-Klub aus Manchester die Lyonnais in zwei Partien nicht bezwingen konnte. Dazu kam das 0:0 gegen Barca im Achtelfinalhinspiel, bei dem Denayer förmlich über sich hinauswuchs.

Um kommende Saison wieder in der Königsklasse dabei zu sein, braucht Lyon im Ligue-1-Endspurt dringend einen Denayer in Top-Form. Denn die Verfolger aus Saint-Etienne und Marseille jagen OL hartnäckig, lauern nur auf Patzer der Elf von Trainer Bruno Genesio, die derzeit den begehrten dritten Rang innehat.

Doch mit Druck kann Denayer gut umgehen. Er mag ihn sogar. "Die französische Liga ist in den Medien sehr präsent. In großen Spielen dabei sein zu dürfen, ist ein Privileg für mich. Ich spiele hier auf einem höheren Niveau als je zuvor", sagt er.

Eine Sprachbarriere gab es für Denayer in Frankreich nicht, entsprechend leicht fiel die Eingewöhnung. Coach Genesio baute sofort auf seinen Neuzugang, sagte im Februar über Denayer: "Er sagt, er fühlt sich, als wäre er schon sehr lange hier - und uns geht es genau so. Er hat unsere Erwartungen übertroffen, sich im Team ein hohes Standing erarbeitet, vor allem wegen seiner guten defensiven Organisation im Verbund mit Marcelo."

Denayer ist sich bewusst, dass er gerade die beste Saison seiner Karriere spielt, wird in Frankreich für sein Auftreten extrem gelobt. Doch trotz all der Lorbeeren bleibt er demütig.

Nachdem er beim 0:0 gegen Barca Lionel Messi und Co. lahmgelegt hatte und zum Man of the Match gekürt wurde, wollte er die Komplimente keinesfalls nur für sich beanspruchen. "Es war eine Mannschaftsleistung, jeder hat seinen Job gut gemacht", sagte Denayer der UEFA. "Klar, ich habe mich im Spiel gut gefühlt. Aber die gesamte Mannschaft hat ihren Job gemacht."

Seine Bodenständigkeit war auch Denayers Antrieb, als er unter der Woche Milliardäre für ihre schnellen Reaktionen auf das Feuer in Notre Dame in Paris kritisierte. Und sportlich wäre es wenig verwunderlich, wenn im Sommer die absoluten Top-Klubs Europas bei Denayer anklopfen. Er selbst will davon aber nicht viel wissen.

"Für mich ist es in den letzten Monaten gut gelaufen", sagte er im März. "Ich spiele gut und durfte dadurch ins Nationalteam zurückkehren. Ich brauche Stabilität, daher ist klar, dass ich nächstes Jahr in Lyon bleibe. Es ist meine erste Spielzeit hier, ich denke nicht über einen Abschied nach. Und ich glaube auch nicht, dass der Klub mich gehen lassen würde."

Depay und Fekir sehen das Ganze wohl etwas anders, suchen im Sommer voraussichtlich neue Herausforderungen. In Lyon könnte daher ein Umbruch anstehen - jedoch einer, der dank Denayer ein stabiles Fundament bereits sicher hätte.