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Feierlichkeiten beim FC Bayern: Christian Streich übt Kritik

10:29 MESZ 21.05.17
CHRISTIAN STREICH FREIBURG GERMAN BUNDESLIGA 04022017
Trainer Christian Streich vom SC Freiburg warnt vor einer gefährlichen Entwicklung. Arjen Robben und Mats Hummels fühlen derweil mit ihrem Gegner.

Für den FC Bayern war der Samstag ein besonderer Tag. Zum einen bekamen die Münchner die Meisterschale für ihren 27. Meistertitel überreicht, zum anderen feierten Philipp Lahm und Xabi Alonso ihren Abschied vom Profifußball.

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Es war klar, dass es rund um die Partie gegen den SC Freiburg diverse zeremonielle Momente geben wird. Was aber in der Halbzeitpause passierte, war schon skurril. Alle 22 Spieler sowie die Schiedsrichter hatten längst ihre Positionen eingenommen, als der Halbzeitact Anastacia noch immer ihr Lied trällerte. Da dann auch der Abbau der extra für die Sängerin errichteten Bühne noch Probleme bereitete, standen beide Mannschaften mehrere Minuten wartend auf dem Rasen.

Es habe "echt genervt, dass wir nicht wieder anfangen konnten zu kicken", sagte Freiburgs Trainer Christian Streich hinterher. "Es war ein Fußballspiel und das Fußballspiel war von allem, was ich gesehen habe, das Tollste. Ohne diesen Künstlern zu nahe zu treten, aber das ist ein Fußballstadion und wenn du dann als Mannschaft acht Minuten warten musst, ist das Wahnsinn."

Streich stellte auch die Frage in den Raum, was wohl passiert wäre, wenn es im umgekehrten Fall in Freiburg so gelaufen wäre und der FC Bayern noch um die Meisterschaft gekämpft hätte, während beim SCF schon alles entschieden gewesen wäre.

"Aber da wollen wir lieber nicht drüber nachdenken", sagte Streich, der mahnte, dass man an einem Punkt angelangt sei, an dem man aufpassen müsse. "Wir müssen schauen, dass wir das Rad nicht überdrehen." Denn am Ende gehe es immer noch um Fußball.

Unverständnis - auch von Bayern-Spielern

Das Rahmenprogramm am Samstag hatte in München aber schon etwas von einem Super Bowl light. Vor dem Spiel wurden zuerst Münchner Vereinslegenden präsentiert, dann diverse Verabschiedungen vorgenommen, zur Halbzeit sang Anastacia und am Ende folgte die Übergabe der Meisterschale im Konfettiregen.

Mit seiner Kritik stand Streich auch nicht alleine da. Auch bei einigen Bayernspielern kam das Bohei in der Halbzeit nicht gut an. "Das hat mir leidgetan für Freiburg, weil die noch für etwas gespielt haben. Feierlichkeiten gehören dazu, aber wir haben noch eine Mannschaft auf dem Platz und die musst du auch respektieren", sagte Arjen Robben.

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Der Niederländer hatte schon auf dem Platz das Gespräch mit Streich gesucht. "Er ist zu mir gekommen und gesagt: Das geht nicht. Das ist für euch doch echt scheiße", erzählte Streich. Auch Mats Hummels konnte Streichs Ärger verstehen: "Vor dem Spiel ist es in Ordnung, aber das in der Halbzeitpause war sehr unglücklich. Wenn beide Mannschaften auf dem Platz stehen und spielen wollen, es für Freiburg vor allem noch um etwas geht, dann kann ich hundertprozentig verstehen, wenn er sagt, das war nicht ganz optimal geplant."

Hummels zeigte sich dann auch nicht als Freund der Entwicklung des modernen Fußballs. "Es wird schon immer mehr Show außen rum und jetzt auch mittendrin", sagte der Nationalspieler. "Ich finde es ehrlich gesagt nicht ganz so berauschend, aber es scheint dazuzugehören."

Was Streich ausdrücklich von seiner Kritik ausnahm, war die Verabschiedung von Lahm und Alonso bei ihren Auswechslungen. "Das muss genauso sein." Aber es müsse immer der Fußball im Vordergrund stehen.

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Lahm und Alonso sind hier gute Beispiele, beide haben sich in ihren außergewöhnlichen Karrieren vor allem über ihre Leistungen auf dem Platz definiert und sich immer vorbildlich präsentiert - ohne große Show.
Auch deshalb suchte Streich nach Schlusspfiff mit beiden das Gespräch, um sich bei ihnen zu bedanken, wie er selbst sagte: "Ich habe beiden gratuliert und ihnen gesagt, dass ich für meine Jugendspieler damals Videos von ihnen zusammengeschnitten habe. Was ich von beiden über Fußball gelernt habe, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Diese Spieler sind die Krone des Fußballs, auch von ihrer Persönlichkeit her."