FC Bayern München: "Ein guter Start, mehr nicht"

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Jupp Heynckes steuert der Euphorie kritisch entgegen und wittert einen Dreikampf. Sein FC Bayern soll die jüngsten Leistungen in Hamburg bestätigen.

HINTERGRUND

Sie kam spät am Freitagmittag, aber sie kam natürlich doch noch, die inzwischen obligatorische Frage nach Schäferhund Cando. Ob man den treuen Vierbeiner am Ende der Saison auf einer möglichen Meisterfeier des FC Bayern München erblicken werde, wollte ein Reporter von Jupp Heynckes wissen, als die Liveübertragung beendet und die meisten Kameras abgeschaltet waren. "Tranquillo", sagte Heynckes, nachdem sein kurzzeitiges Lächeln einem ernsten Blick gewichen war: Ruhig bleiben. Bloß nicht die Bodenhaftung verlieren.

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Von der Meisterschaft will er, der Disziplinfanatiker mit durchaus kritischem Blick auf die Dinge, noch nichts wissen. Und doch zeigt allein die Frage, wie die Stimmung unter Heynckes, dem Menschenfänger, in kurzer Zeit umgeschwungen ist. Intern wie extern wird der FC Bayern wieder weit mehr als der FC Bayern wahrgenommen, für den es eigentlich bloß eine Selbstverständlichkeit ist, am Ende einer Spielzeit die Meisterschaft zu zelebrieren.

Heynckes selbst hat für diese Aufbruchstimmung gesorgt. Er hatte schon vergangene Woche wortwörtlich von ihr berichtet, er versprüht große Überzeugung und verspricht guten Fußball und Erfolg. Und er lieferte gute Ergebnisse - zugegeben bislang gegen Mannschaften, die nicht der Maßstab sein dürfen. Und doch scheint der nächste Sieg nach dem 5:0 in der Bundesliga gegen den SC Freiburg und dem 3:0 in der Champions League gegen Celtic Glasgow quasi vorbestimmt zu sein. Gerade jetzt, da der Gegner der Hamburger SV ist.

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Jener HSV, der fünf der vergangen sechs Bundesligaspiele verloren hat. Jener HSV, den die Bayern zuletzt zigfach mit Fabelergebnissen deklassiert haben. Im jüngsten Vergleich siegten die Münchner im Februar diesen Jahres mit 8:0, Heynckes' letztes Duell mit den Roshosen endete im März 2013 gar 9:2. "Das war zuhause. In Hamburg wird es ein ganz anderes Spiel", wimmelte Heynckes jedoch ab. Er habe die Gelegenheit wahrgenommen, den HSV zu studieren, "und ich bin zu dem Fazit gekommen, dass die Mannschaft viel besser gespielt hat, als es die Ergebnisse aussagen". Außerdem sei es eine Selbstverständlichkeit, dem Gegner größtmöglichen Respekt entgegenzubringen. 

Heynckes will sich (noch) keine große Rotation erlauben

"Wir hatten einen guten Start, mehr nicht", sagte Heynckes in aller Deutlichkeit. "Sie haben ja auch festgestellt", fügte er noch hinzu, "dass ich in der Analyse nicht nur mit der Euphorie mitgegangen bin und alles positiv gesehen habe, sondern dass ich auch Dinge angesprochen habe, die es zu verbessern gilt. Und das habe ich intern noch ausgiebiger gemacht." Nach der Partie gegen Celtic am vergangenen Mittwoch hatte Heynckes etwa öffentlich beklagt, "eine Unzahl von Torchancen nicht genutzt und hinten heraus zu viel zugelassen" zu haben. Das Wichtigste sei es, zu Null zu spielen. Und das soll auch am Samstag im Volksparkstadion gelingen. 

"Wir müssen versuchen, da weiterzumachen, wo wir begonnen haben in den zwei Heimspielen, und auswärts demonstrieren, dass wir ähnlich geschlossen agieren können", sagte Heynckes, der sich diesmal zumindest die Option offenhielt, ein bisschen zu rotieren und womöglich "ein, zwei, drei" Änderungen vorzunehmen. Gegen Celtic hatte er im Vergleich zum Freiburg-Spiel nur Sebastian Rudy für Javi Martinez gebracht, und das einzig aufgrund der Verletzung des Spaniers, "weil ich aus der Erfahrung weiß, dass man erst wieder in die Spur finden und sich Selbstvertrauen und Sicherheit holen muss".

Ob das Selbstvertrauen jener Spieler, die in dieser Phase kaum zum Einsatz kommen, nicht darunter leide, wollte ein Reporter von Heynckes wissen. Eine große Unzufriedenheit, entgegnete Heyckes, werde es nicht geben. Bei möglichen Härtefällen wolle er mit seinen Schützlingen sprechen, und außerdem würden "alle ihre Einsatzzeiten bekommen", versprach er. Für ihn gebe es ohnehin keine Ersatzspieler, "das sind alles Stammspieler und so werden sie von mir behandelt".

Heynckes glaubt an "Dreikampf"

"Nur müssen wir doch erstmal Erfolg haben", sagte Heynckes und gab zu bedenken, noch relativ neu dabei zu sein, erstmal sondieren und die Spieler kennenlernen zu müssen. Man könnte sagen: Heynckes will und kann sich aktuell schlicht keine Rotation leisten - auch, weil er es nicht muss. Vor den wichtigen Wochen mit den beiden Spielen gegen RB Leipzig, dem Auswärtsspiel in Glasgow und dem Bundesliga-Gipfel in Dortmund soll sich die Mannschaft festigen.

Heynckes weiß ganz genau, dass die Bayern aktuell vielleicht noch gar nicht so stabil ist, wie es scheint. "Wir müssen in den nächsten Spielen zeigen, wo wir stehen", sagte er. Zudem kann sich der FC Bayern aktuell ohnehin keinen Rückschlag erlauben. Einerseits würde das die positive Entwicklung bremsen, das wiedererstarke Selbstbewusstsein ankratzen, andererseits führt der BVB die Tabelle noch mit zwei Punkten Vorsprung an. Auch RB Leipzig ist den Münchnern auf den Fersen. 

"Das ist doch eine Situation, wie sie die Menschen in Deutschland gerne sehen wollen, wenn sie nicht gerade Bayern-Fans sind", meinte Heynckes und ergänzte: "So wie es aussieht, ist es ein Dreikampf." Man müsse zwar erst noch abwarten, "bis zum Winter oder bis zum Frühjahr, um eine genauere Aussage zu machen, aber das sind sehr gute Mannschaften". Gleichzeitig gab Heynckes zu bedenken, "dass wir uns auch noch steigern werden". Das müssen die Münchner wohl auch, will Heynckes die Frage zu Schäferhund Cando und einer möglichen Meisterfeier irgendwann seriös beantworten.

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