FC Bayern München gegen Celtic: Die Alles-ist-wieder-gut-Phrasen müssen warten

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Der FC Bayern gewinnt auch gegen Celtic deutlich, ist aber noch nicht so weit, wie man angesichts der Ergebnisse der Heynckes-Ära meinen könnte.


HINTERGRUND

Es dauerte ziemlich lange, bis das Gros der Zuschauer in der Münchner Arena realisiert hatte, dass es in diesem Moment nichts zu feiern gab. Bei Stadionsprecher Stephan Lehmann dauerte es sogar noch länger. Die Tormusik lief komplett durch, auf der Anzeigetafel leuchtete eine Vier auf, und dann, als es die meisten Zuschauer gerade begriffen hatten, atmete Lehmann tief ein und sagte Robert Lewandowski als Torschützen an.

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In der 61. Minute war das, David Alaba hatte herrlich geflankt und Lewandowski herrlich vollendet. Bloß stand Lewandowski im Abseits. Und eigentlich hatte das Schiedsrichtergespann das auch sehr früh sehr deutlich gemacht. Lehmann allerdings hatte es nicht mitbekommen. Nach diesem kleinen Faux­pas sollte es dann ein ruhiger Abend für ihn werden. Der FC Bayern beließ es im Gruppenspiel der Champions League gegen Celtic bei drei Toren, gewann letztlich durch die Treffer von Thomas Müller (17.), Joshua Kimmich (29.) und Mats Hummels (51.) mit 3:0.

Seit der Rückkehr von Jupp Heynckes läuft also alles nach Plan. Zumindest könnte man das meinen angesichts der makellosen Bilanz von zwei Spielen, zwei Siegen und acht zu null Toren. "Wir haben über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht und uns wahnsinnig viele Torchancen herausgearbeitet", lobte Heynckes hinterher. Dann holte der 72-Jährige jedoch aus. Dann kam das Aber. 

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"Aber wir haben eine Unzahl von Torchancen nicht genutzt und hinten heraus zu viel zugelassen. Sven Ulreich hat da überragend reagiert. Das müssen wir abstellen. So etwas muss angesprochen und verbessert werden", analysierte er. 

Offensiv gewitzt wie verschwenderisch, defensiv anfällig 

Ja, die Bayern haben offensiv sehr ordentlich gespielt, sie haben hochverdient gewonnen und gezeigt, was alles besser läuft als unter Carlo Ancelotti. Der Spaß am Fußball war den Münchnern wieder deutlich anzumerken, all die elementaren Dinge, der Wille, die Bereitschaft, die Leidenschaft. Von Beginn an kontrollierten und dominierten sie das Geschehen, sie spielten ebenso schnell wie klar nach vorne, vor allem spielten sie miteinander, teilweise mit einer Menge Spielwitz.

Die Bayern haben sich aber auch äußerst verschwenderisch im Umgang mit ihren Chancen gezeigt. Sie haben im Spiel gegen den Ball eher eine Performance der Kategorie 'geht so' abgeliefert. Sie haben zu passiv verteidigt und waren auffällig anfällig bei Kontern. Insbesondere in der Schlussviertelstunde kam Celtic zu mehreren guten Möglichkeiten.

"Wir haben uns sehr, sehr viele Torchancen herausgespielt und hätten das Spiel viel höher gewinnen können. Aber wir müssen auch gucken, dass wir ab und zu mal das Gas herausnehmen und mehr Kontrolle hereinbringen", sagte Sebastian Rudy in der Interviewzone. In der zweiten Halbzeit habe es "schon ein paar Situationen" gegeben, "in denen es hin und her ging". Und in eben diesen Situationen müsse der FC Bayern künftig mehr Ruhe ins Spiel bringen.

Die Ursache für das Problem war schnell gefunden. "Es lag primär daran, dass wir unbedingt noch mehr Tore schießen wollten. Anstatt mal auf den Ball zu treten, sind wir weiter nach vorne gerannt. Dadurch werden die Räume für den Gegner größer und für uns wird es schwieriger", erklärte Rudy. Dann erklärte er es noch einmal, mit anderen Worten: "Wir wollten noch mehr Tore schießen. Jeder ist geil darauf, Tore zu schießen. Aber da müssen wir eine bessere Balance finden." Im Umkehrschluss war es also ein bisschen zu viel Geilheit bei den Münchnern am Mittwochabend.

"Es geht darum, einen Lauf zu bekommen"

Das wiederum spricht grundsätzlich für eine gute Mentalität, für die richtige Motivation. Wie schon zuvor Jerome Boateng berichtete nun auch Kimmich von "viel Zug im Training", in dem "viel Wert auf Konzentration und Bereitschaft gelegt" werde. Es wirkt wieder harmonischer bei den Bayern, "die Tendenz", sagte Robben, "ist positiv." Und trotzdem dürfe man es nicht übertreiben mit der Euphorie. Trotzdem gibt es noch viel zu tun.

Wie schon nach dem 5:0-Erfolg gegen den SC Freiburg wollten es die FCB-Profis tunlichst vermeiden, in verfrühte Alles-ist-wieder-gut-Phrasen zu verfallen. Sie wissen, dass weder Freiburg noch Celtic der Maßstab sind, an dem der FC Bayern gemessen wird. "Wir haben schon einiges verbessert, aber es könnte natürlich noch besser sein. Wir dürfen nicht zufrieden sein. Wir müssen weitermachen", forderte Robben in korrektestem Mia-san-Mia-Duktus. "Für uns geht es jetzt erst einmal darum, im Tagesgeschäft gute Leistungen zu zeigen, als Mannschaft ein bisschen zu marschieren und einen Lauf zu bekommen", erklärte Müller.

Am Samstagabend geht es für ihn und seine Kollegen mit dem Auswärtsspiel in der Bundesliga beim HSV weiter. Danach wird es dann ernst, dann kommen die echten Gradmesser. Dann spielt der FC Bayern zweimal hintereinander gegen RB Leipzig, erst auswärts im DFB-Pokal, dann zuhause in der Bundesliga. Darauf folgt das Rückspiel im Celtic Park in Glasgow, anschließend das Topspiel bei Borussia Dortmund. "Die Zeit zwischen September und Christkind ist immer sehr intensiv. Da gibt es ein wichtiges Spiel nach dem anderen", weiß Müller. 

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