FC Bayern München: Die Heynckes-Formel

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Jupp Heynckes setzt beim FC Bayern auf Disziplin und intensives Training. Vor dem Spiel gegen Celtic verspricht er mit Überzeugung Erfolg.

HINTERGRUND

Bevor es losging mit der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag, nahm Jupp Heynckes erst einmal einen Schluck Wasser. Eine Karaffe und ein Glas standen für den Trainer des FC Bayern bereit. Für jenen Trainer, der diesen Schluck Wasser am vergangenen Freitag noch schmerzlich vermisst hatte. Da wollte er sich nach dem 38 Minuten langen Pressegespräch erfrischen, musste allerdings feststellen: kein Wasser da. "Da macht Ihr nur Werbung", sagte er mit verschmitztem Lächeln und Blick auf die zur Show gestellten Kaltgetränke zu einem Vereinsmitarbeiter: "Aber der Trainer wird vergessen."

Umso mehr wird es Heynckes gefreut haben, dass die Mitarbeiter des FC Bayern seine Worte sehr genau registriert und seinen Platz am Dienstag entsprechend vorbereitet hatten. Verstärkt auf den anderen zu achten und einzugehen, das ist so eine Kleinigkeit, die Heynckes gerade zu verändern versucht an der Säbener Straße. Wie wichtig dem 72-Jährigen Werte wie Respekt, Höflichkeit und Pünktlichkeit sind, das wurde auch während der Pressekonferenz deutlich, als Heynckes über seine Arbeit sprach. 

"Es muss ein gegenseitiger Respekt da sein", sagte Heynckes, und das sei "nicht nur eine Einbahnstraße, sprich von den Spielern zum Trainer, sondern auch umgekehrt." Es gehe um Kommunikation, um ein gutes Verhältnis untereinander. 

Joshua Kimmich über Alibis und Jupp Heynckes

Wie die  SportBild berichtet, hat Heynckes bereits vereinsinterne Regeln anpassen und ausweiten lassen. So herrsche in den Räumlichkeiten des Rekordmeisters wie von 2011 bis 2013 wieder ein weitgehendes Handyverbot. Und scheinbar waren solch kleine Veränderungen auch dringend notwendig. "Es ist definitiv so, dass wir uns teamintern in vielen Dingen zusammenreißen und verbessern müssen. Es ist nicht alles schlecht, aber es ist auch nicht auf dem Niveau, auf dem es sein muss, um aktuell zu den absoluten Top-Mannschaften in Europa zu gehören. Dieser Zusammenhalt muss erst wieder wachsen", erklärte Mats Hummels

Auch Joshua Kimmich sagte neulich, es sei "elementar für die Zusammenarbeit in einer Mannschaft, dass man Wert auf Höflichkeit, Respekt und Disziplin legt". 

"Ich bin jemand, der sehr viel fordert"

Das, betonte Heynckes, sei allerdings nur die eine Seite. "Die andere ist die Arbeit auf dem Trainingsplatz. Da bin ich ein Mann, der sehr viel fordert, der sehr genau ist, sehr gewissenhaft, präzise in allen Bereichen, ob im taktischen Bereich, im Pass- und Positionsspiel oder bei Angriffsschemen. Da müssen sich die Spieler wieder dran gewöhnen." Bislang scheint das schon ganz gut zu gelingen, Jerome Boateng schwärmte bereits vergangene Woche von "mehr Zug" im Training.

Noch wichtiger ist es allerdings, diese neuen Eigenschaften auch in den Spielen auf den Platz zu bringen. Am Samstag hatte das bei Heynckes' viertem Einstand als Bayern-Coach gleich prächtig funktioniert, mit 5:0 besiegten die Bayern den SC Freiburg. Vereinzelte Ausreißer nach oben hatte es allerdings auch unter Carlo Ancelotti gegeben, ein letztes Mal erst vor ziemlich genau einem Monat, beim 4:0-Sieg gegen Mainz 05. Zwölf Tage und drei Spiele später wurde Ancelotti freigestellt. 

Es war die jüngste Partie in der Champions League, die 0:3-Pleite bei Paris Saint-Germain, die das Fass zum Überlaufen brachte. Und genau die soll Heynckes jetzt ein Stück weit vergessen machen. "Es ein sehr wichtiges Spiel. Nach einer Niederlage in der Champions League möchten wir mit einem Sieg antworten. Wir sind uns dieser Aufgabe als Mannschaft bewusst und sehr motiviert, ein gutes Ergebnis hinzulegen", sagte Boateng vor dem Spiel gegen Celtic am Mittwochabend (20.45 Uhr im LIVE-TICKER . Das Spiel der Bayern gegen den Klub aus Glasgow ist natürlich auch im TV und LIVESTREAM zu sehen. Alle Informationen gibt es hier .). 

Drei Alternativen für Javi Martinez

Der Innenverteidiger und seine Kollegen hatten schon unmittelbar nach dem Wohlfühlkick gegen Freiburg versucht, die Euphorie zu bremsen. "Wir müssen auf dem Boden der Tatsachen bleiben und im Visier haben, was wichtig ist und das ist das nächste Spiel", meinte etwas Thomas Müller. Auch Kimmich forderte: "Nach einem Spiel sollten wir nicht zu euphorisch werden."

Jupp Heynckes & Thomas Muller Jupp Heynckes

Die Bayern wussten ganz genau, dass die jüngste Leistung zwar eine gute war, allerdings keine so gute, wie es das Ergebnis vermuten ließ. Auch die Gäste aus Freiburg hatten schließlich ordentliche bis sehr gute Abschlussmöglichkeiten. Auch deshalb habe man die Partie "eingehend" und "zum Teil sehr kritisch" analysiert, betonte Heynckes.

Gegen Celtic muss seine Mannschaft nun vor der wichtigsten Phase der Hinrunde Kontinuität beweisen. Umso schwerer wiegt der Ausfall von Javi Martinez, der gegen Freiburg bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung im defensiven Mittelfeld ordnende und zerstörerische Kräfte bewiesen hatte. Nun aber wird der Spanier mit einer Verletzung des rechten Schultergelenks mindestens zwei Spiele verpassen. Heynckes, der es sich zum Ziel gesetzt hat, schnellstmöglich eine 1A-Elf zu finden, muss somit improvisieren. Mit Sebastian Rudy, Arturo Vidal und Corentin Tolisso stehen ihm immerhin gleich drei beneidenswerte Alternativen zur Verfügung. "Es ist schade, dass er ausfällt. Aber wir haben einen guten Kader mit Spielern, die diese Position adäquat bekleiden können, sodass wir den Ausfall auch kompensieren können", sagte er. 

Heynckes' Prophezeiung

Es ist eben diese Überzeugung, dieser Optimismus, den auch die Spieler verstärkt spüren in diesen Tagen. Heynckes hätte seine Aufgabe auch sachlicher angehen können. Er übernahm das Team aus alter Freundschaft zu Uli Hoeneß heraus, in einer komplizierten Situation. Doch Heynckes verspricht seit Tag eins guten Fußball und Erfolg.

In Bezug auf die Königsklasse spricht er von "großen Ambitionen", die der Klub, aber auch die Mannschaft und er selbst in diesem Wettbewerb haben. In Bezug auf die Pleite bei PSG spricht er von Normalität, in diesem Wettbewerb mal ein Spiel zu verlieren und erinnert dabei wohl nicht zufällig an ein 0:3 in Lyon und an ein 0:2 gegen Arsenal, beides Niederlagen aus Spielzeiten, in denen der FC Bayern am Ende den Henkelpott in den Nachthimmel streckte. 

Er müsse ganz ehrlich sagen, dass es jetzt wieder Spaß mache, "mit der Truppe zu arbeiten. Ich sehe, wie bemüht die Spieler sind, wie sie versuchen alle Schwerpunkte exakt umzusetzen. Es ist eine Frage der Zeit, bis wir wieder richtig guten Fußball spielen", prophezeite Heynckes am Dienstag. 

Bei ihm klingt das tatsächlich wie eine Prophezeiung, es klingt so einfach, geradezu wissenschaftlich. Als hätte er diese eine Formel gepachtet. Eine Formel, die simpel gestrickt ist, aber große Wirkung hat. Sie könnte in etwa lauten: Guter Kader plus guter Trainer plus gutes Training gleich guter Fußball. Und guter Fußball plus Disziplin gleich erfolgreicher Fußball. Bloß den finalen Beweis muss Heynckes noch erbringen, angefangen im "prickelnden Wettbewerb" Champions League am Mittwochabend gegen Glasgow. Es gibt schlechtere Bühnen für den Beginn einer Erfolgsgeschichte. 

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