News Spiele
Exklusiv

FC Bayern: Carlo Ancelotti und die Qual der Wahl

09:00 MESZ 08.04.17
*GER ONLY* Carlo Ancelotti Jerome Boateng 042017
Der FC Bayern hat in der Innenverteidigung ein Luxusproblem. Warum das Bundesligaduell mit dem BVB hinsichtlich des Real-Spiels wegweisend ist.

HINTERGRUND

Einen großen sportlichen Wert im eigentlichen Sinne hat das Kräftemessen mit Borussia Dortmund für den FC Bayern nicht. Zu groß ist der Vorsprung des deutschen Rekordmeisters, zu weit ist man dem Vize und den anderen Konkurrenten auch in dieser Saison enteilt. Viel mehr geht es für die Münchner im Bundesligatopspiel darum, nach der 0:1-Pleite in Hoffenheim wieder zurück in die Erfolgsspur zu finden und das eigene Selbstvertrauen zu stärken. 

FCB-Teamnews vor dem BVB-Spiel

"Sehr wichtig" sei das Duell mit dem BVB für die Psyche und den Kopf, stellte Trainer Carlo Ancelotti auf der Pressekonferenz am Freitagmittag im Mediencenter an der Säbener Straße klar. "Jedes einzelne Spiel", führte der Italiener aus, "ist wichtig für unser Selbstvertrauen. Wenn wir gegen Dortmund gewinnen, dann gehen wir mit einem größeren Selbstvertrauen ins Spiel gegen Real Madrid, das ist ganz normal."

Dementsprechend kündigte Ancelotti auch an, dass der FC Bayern am Samstag die "beste Leistung und die beste Aufstellung" brauche, er sagte allerdings auch: "Die Spieler, die gegen Hoffenheim nicht gespielt haben, werden morgen spielen." Welche Elf er nun tatsächlich auf den Rasen schicken wird, wollte er selbstredend nicht verraten. Vieles deutet zwar auf eine A-Elf hin, auch eine bessere B-Elf ist jedoch nicht ausgeschlossen.

FC Bayern: Die Unersetzlichkeit des Thiago Alcantara

Sicher ist derweil, dass Jerome Boateng gegen Dortmund von Beginn an auflaufen wird, das sagte Ancelotti klipp und klar. Viel interessanter ist jedoch die Frage, wem der 57-Jährige im Viertelfinalhinspiel der Champions League am Mittwoch vertraut. Mit Javi Martinez, Mats Hummels und eben Boateng stehen ihm schließlich drei Innenverteidiger von Weltklasseformat zur Verfügung.

Die Form und der Rhythmus sprechen dabei für Hummels und Martinez. Über Monate zeigte das Duo starke Leistungen, meist war dabei von den Galaauftritten von Hummels die Rede, während Martinez zumindest in der öffentlichen Bewertung aufgrund von seiner recht unspektakulären Spielweise unter dem Radar flog. Der Spanier ist keiner, der derart kunstvoll öffnende Pässen spielt wie Boateng oder Hummels, dafür überzeugt er mit herausragendem Stellungsspiel und konsequentem Zweikampfverhalten.

Boateng, Hummels und Martinez gegen Real Madrid? "Keine Option"

Ancelotti hat also die Qual der Wahl. Im September gab es bereits eine ähnliche Situation. Auch damals kehrte Boateng von einer Verletzung zurück, auch damals waren Martinez und Hummels in guter Verfassung. Seinerzeit, in einer frühen Phase der Saison, war die Situation für Ancelotti aber noch ungleich leichter zu handlen. Er konnte rotieren, setzte mal Hummels, mal Martinez, mal Boateng auf die Bank. Nun aber, wo es ernst wird und die finale Saisonphase längst im Gange ist, braucht es Kontinuität im Abwehrzentrum. 

Einerseits führt dabei an einem Boateng normalerweise kein Weg vorbei - allein weil er mit Abstand der schnellste der drei Innenverteidiger ist -, andererseits fehlt ihm die Spielpraxis. Nur 115 Minuten stand der 28-Jährige seit Ende November auf dem Rasen. Wie also löst Ancelotti sein Luxusproblem? 

"Dass alle drei spielen", verriet er mit einem Grinsen auf den Lippen, "ist keine Option. Zwei sind genug." Eine Variante mit Martinez im defensiven Mittelfeld wie in der Triple-Saison 2012/13 scheint damit also ausgeschlossen. Es sieht derzeit so aus, als sei Boateng trotz seiner langen Ausfallzeit und trotz der guten Leistungen seiner Konkurrenten auch im Spiel gegen die Königlichen erste Wahl. 

Dafür jedenfalls spricht folgende Aussage: "Der Spieler, der morgen nicht spielt, ist der Spieler, der gegen Real Madrid spielt. Wenn Hummels nicht spielt, wird er gegen Real Madrid spielen. Wenn Martinez nicht spielt, wird er gegen Real spielen", sagte Ancelotti. Würde bedeuten: Boateng spielt auf jeden Fall gegen Real.

Umso wichtiger ist für den Rückkehrer das Spiel gegen den BVB. Hier muss er sich binnen maximal 90 Minuten den Rhythmus und das Selbstverständnis zurückholen, um gegen den amtierenden Champions-League-Sieger seine wahrscheinliche Aufstellung zu rechtfertigen. Für ihn hat das Bundesligatopspiel also sehr wohl einen großen Wert - sportlich, aber genauso für den Kopf. 

Folge Bayern-Reporter Niklas König auf