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Robert Lewandowski pulverisiert Müller-Rekord, FCB sollte Boateng halten: Die Thesen zum Bayern-Sieg gegen den VfB Stuttgart

09:42 MEZ 21.03.21
Robert Lewandowski Jerome Boateng FC Bayern VfB Stuttgart GFX
Der FC Bayern lässt dem VfB in Unterzahl keine Chance. Müllers Rekord wird von Lewandowski pulverisiert, Boateng sollte gehalten werden. Die Thesen.

HINTERGRUND

Dem FC Bayern München reichte gegen den VfB Stuttgart eine herausragende halbe Stunde im ersten Durchgang, um einen ungefährdeten 4:0-Erfolg einzufahren.

Bayern-Noten gegen Stuttgart: Irre Lewy-Gala, Davies mit Aussetzer

Dabei wussten die Schwaben bis zum frühen Platzverweis von Alphonso Davies (12.) durchaus zu gefallen, in Überzahl agierte der VfB aber gänzlich planlos. Der FCB und insbesondere Torjäger Lewandowski nutzten die Unzulänglichkeiten und spielten sich zwischenzeitlich in einen Rausch.

Der Pole ist derzeit nicht nur auf dem besten Weg, den Uralt-Rekord von Bayern-Legende Gerd Müller einzustellen, sondern dürfte die für viele Jahre als nicht erreichbar geltende Bestmarke sogar am Ende der Saison pulverisieren. Außerdem zeigte Jerome Boateng wieder einmal, dass sein Klub gut beraten wäre, ihn zu halten.

Die Thesen zum Spiel.

1. Von wegen Schwächung: Davies' Platzverweis wird zum Weckruf

Es war sicherlich kein Novum in dieser Saison, dass der FC Bayern in den ersten Minuten einen einigermaßen schläfrigen Eindruck vermittelte, den Gegner durch vermeidbare Fehler stark machte.

Besonders Linksverteidiger Alphonso Davies ließ sich zu Beginn der Begegnung von Stuttgarts schnellem Flügelspieler Silas Wamangituka ein ums andere Mal übertölpeln. Noch düsterer mutete die Situation an, als ebenjener Davies nach einem harten Einsteigen gegen Wataru Endo bereits nach zwölf Minuten des Feldes verwiesen wurde.

Doch die Tatsache, fortan mit einem Mann weniger agieren zu müssen, schien die Gastgeber nicht zu schwächen – ganz im Gegenteil. Die Rote Karte für den Kanadier fungierte als Weckruf, das dezimierte Kollektiv wirkte mit einem Mal deutlich konzentrierter in der Defensive und spielte plötzlich flüssigen, sehenswerten Kombinationsfußball.

"Ich muss meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment machen", sagte Trainer Hansi Flick im Anschluss auf der Pressekonferenz. "Nach dem berechtigten Platzverweis haben wir in der Defensive die Räume sehr eng gemacht und in Ballbesitz gut agiert. Die Tore waren herausragend herausgespielt."

Robert Lewandowski hatte im Platzverweis den notwendigen Motivationsschub ausgemacht: "Erst nach der Roten Karte sind wir aufgewacht", analysierte der Goalgetter im Gespräch mit Sky. "Es war eine Herausforderung für uns, mit zehn Spielern Torchancen zu kreieren." Auf der anderen Seite herrschte aufgrund der Tatsache, von zehn Münchnern vorgeführt worden zu sein, hingegen Ernüchterung, die Stuttgarter Protagonisten begaben sich auf Ursachenforschung.

"Wenn man in Überzahl spielt, will man eigentlich etwas höher anlaufen", erklärte Torhüter Gregor Kobel bei Sky und schob nach: "Man hat direkt gemerkt, dass bei uns die Abläufe überhaupt nicht mehr gepasst haben. Nach dem dritten Gegentor kam dann noch mehr Unsicherheit dazu und wir haben uns in gewisser Weise selbst ins Chaos gestürzt."

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sagte, seine Schützlinge seien auf die Überzahlsituation nicht vorbereitet gewesen. "Gegen Bayern so früh in Überzahl zu spielen, haben wir vorher nicht angesprochen", verriet er bei Sky. Er ergänzte: "Wir haben unseren Überzahl-Plan im Vorfeld natürlich grundsätzlich besprochen, aber den Fall gab es seit mehreren Wochen nicht mehr."

Matarazzos Ausführungen hatten sich im Agieren der Mannschaft deutlich widergespiegelt. Die Cannstatter konnten kein Kapital aus dem vermeintlichen Vorteil schlagen, weil sie mit dem unverhofften Ballbesitz (57,4 Prozent zugunsten des VfB) nichts anzufangen wussten, der eigentliche Matchplan war nach Davies' Aus verpufft.

2. Robert Lewandowski pulverisiert Müllers Uralt-Rekord

Jahrzehntelang wagte kaum ein Stürmer auch nur daran zu denken, die historische Müller-Marke von 40 Bundesliga-Toren anzugreifen, mittlerweile gerät die schier utopische Leistung allerdings mächtig ins Wanken. Wegen des Ausnahmekönners Robert Lewandowski.

Sollte er in den ausstehenden acht Partien in Deutschlands Oberhaus verletzungsfrei bleiben, wird er Gerd Müllers Rekord nicht nur einstellen, der Pole wird ihn aller Voraussicht nach sogar deutlich übertreffen, ja pulverisieren.

Zu verlässlich steuert der Weltfußballer Tore bei, Lewandowski gibt aktuell keinerlei Anlass, dass er sich am Uralt-Rekord des früheren Bayern-Stars die Zähne ausbeißen könnte. Gegen Stuttgart benötigte der 32-Jährige gerade einmal 21 Minuten, um seine Saisontore 33, 34 und 35 zu erzielen, erstmals überhaupt traf er in der Bundesliga dreimal in der ersten Hälfte.

In den vergangenen acht Liga-Partien knipste Lewy übrigens elfmal, die fünf noch benötigten Tore zum Müller-Rekord erscheinen daher nicht realistisch, sondern eher standesgemäß. "Es ist eine große Herausforderung, im Kopf immer bereit zu sein und immer hungrig auf Tore zu sein", sagte er nach dem Duell mit Stuttgart bei Sky.

Mit Blick auf den nahenden Müller Rekord gab er sich bescheiden. "Ich denke von Spiel zu Spiel und nicht daran, wie viele Tore ich noch brauche. Ich will nicht zu viel darüber nachdenken." Er wolle stattdessen einfach "geduldig bleiben".

Schwer vorstellbar, wenn man bedenkt, wie ehrgeizig er ist. Er weiß ganz genau, dass er kurz davorsteht, etwas Historisches, etwas Unglaubliches zu erreichen. Das möchte und das wird sich Robert Lewandowski nicht nehmen lassen.

3. FC Bayern sollte Jerome Boateng halten

Es soll angeblich bereits beschlossene Sache sein, dass Jerome Boateng nach der Saison sein Geld nicht mehr beim FC Bayern verdienen wird. Das berichteten zuletzt mehrere Medien.

Nach Informationen von Goal und SPOX kann sich der Innenverteidiger einen Verbleib vorstellen, entsprechende Zukunftsgespräche wurden bislang aber noch nicht geführt. Viel deutete in der jüngeren Vergangenheit jedoch nicht darauf hin, dass das Münchner Führungspersonal sich bedingungslos für eine Vertragsverlängerung einsetzt.

Nur Trainer Flick ließ mehrfach durchblicken, dass er sich wünschen würde, auch in der kommenden Spielzeit mit Boateng zusammenzuarbeiten. Verständlicherweise, zieht man die vergangenen Monate generell zurate, verständlicherweise, beschränkt man sich konkret auf Boatengs Leistung gegen Stuttgart.

Der 32-Jährige behielt in den turbulenten Anfangsminuten am Samstagnachmittag stets einen kühlen Kopf, war der Fels in der Münchner Abwehrbrandung. Mit 85,7 Prozent verbuchte der Weltmeister von 2014 die mit Abstand beste Zweikampfquote aller Spieler, nur Leon Goretzka (10) kam darüber hinaus auf mehr Balleroberungen als Boateng (9). Boateng sammelte nach Alaba (7) die zweitmeisten klärenden Aktionen (5) und setzte die meisten Tacklings.

Eine Leistung, die sinnbildlich für Boatengs Entwicklung unter Flick stand, obwohl er sich ärgerlicherweise seine fünfte Gelbe Karte einhandelte und im Spitzenspiel gegen RB Leipzig fehlen wird. Seit Flick die Mannschaft im Herbst 2019 übernommen hatte, avancierte der zwischenzeitlich aufs Abstellgleis geratene Berliner wieder zum Leistungsträger und unumstrittenen Stammspieler im Abwehrzentrum.

Da mit David Alaba eine absolute Defensivstütze den Verein im Sommer verlässt, Niklas Süles Zukunft noch nicht in Stein gemeißelt ist und Lucas Hernandez bei Flick offensichtlich keinen Stein im Brett hat, wäre ein Boateng-Abgang mit einem Risiko verbunden.

Obwohl im Gegenzug mit Dayot Upamecano ein absoluter Top-Verteidiger in der kommenden Saison beim FCB spielt und Tanguy Nianzou voraussichtlich häufiger sein großes Talent unter Beweis stellen darf als in dieser verletzungsbedingten Seuchensaison – Boateng ist in dieser Form kaum adäquat zu ersetzen. Die Bayern sollten Flicks Wunsch erhören und weiter auf den Routinier bauen.

4. Benjamin Pavard findet zurück in die Vorsaisons-Spur

Nach seiner starken ersten Saison im Bayern-Dress hatte Benjamin Pavard in der laufenden Spielzeit mit enormen Leistungsschwankungen zu kämpfen. Die Bänderverletzung, die er sich im Vorfeld des Champions-League-Finalturniers zugezogen hatte, schien den Franzosen über den Sommer hinaus zu begleiten, Ende Februar setzte ihn zudem eine Coronainfektion außer Gefecht.

Seit dem vergangenen Wochenende kann Trainer Flick wieder auf den Ex-Stuttgarter zurückgreifen, gegen Bremen verdrängte Pavard seinen Vertreter Niklas Süle, der als Rechtsverteidiger einen ordentlichen Job gemacht hatte, auf die Bank und zeigte nach etwas Anlaufzeit eine ansprechende Leistung (mit 83 Prozent die besten Zweikampfwerte auf dem Platz).

Unter der Woche untermauerte er die positiven Eindrücke gegen Lazio, gewann erneut satte 71 Prozent seiner Duelle und sammelte die meisten Ballgewinne (9). Auch im Duell mit den ehemaligen Kollegen aus Stuttgart zeigte Pavard sein Gesicht der Vorsaison.

Defensiv stabil und offensiv mit regelmäßigen Nadelstichen im Zusammenspiel mit Vordermann Leroy Sane beackerte der amtierende Weltmeister seine rechte Seite und fiel vor allem als Antizipations-Künstler auf. Vier abgefangene Pässe bedeuteten Bestwert bei den Bayern, mit Abstand.

Pavard strahlte Sicherheit aus, leistete sich nach Innenverteidiger Süle die wenigsten Ballverluste (7) und brachte gemeinsam mit Boateng die meisten erfolgreichen Pässe an den Mitspieler (43, Passquote 86 Prozent). In Minute 63 hätte sich der 24-Jährige beinahe erstmals in dieser Bundesliga-Saison in die Scorerliste eingetragen, seinen Querpass vermochte Lewandowski aber in untypischer Manier nicht zu veredeln.

Dennoch: Pavard schickt sich nach seiner Coronapause an, in der entscheidenden Saison-Phase zu alter Stärke zurückzufinden.