FC Bayern kassiert Klatsche zum Bundesliga-Finale: Eine Niederlage gegen den Kater

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Vor der Meisterparty musste der FC Bayern ein 1:4 gegen den VfB Stuttgart einstecken. Eine Pleite, die voraussichtlich zum richtigen Zeitpunkt kam.

HINTERGRUND

Eine halbe Stunde nach Abpfiff regnete es plötzlich in der Allianz Arena. Silberfarbenes, goldenes und rotes Konfetti rieselte auf den Rasen, bahnte sich seinen Weg bis auf die Ränge, wo die Zuschauer, zumindest die, die es mit dem FC Bayern hielten, anerkennend applaudierten.

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Sekunden zuvor hatte Manuel Neuer die Meisterschale in den azurblauen Himmel gestemmt, in der Folge durfte jeder Spieler und Trainer diesen kurzen Moment des Ruhmes, der vielen Profis während ihrer Karriere verwehrt bleibt, ebenfalls auskosten. Aus dem sehr gut gefüllten Gästefanblock gab es vereinzelt Sprechchöre zu vernehmen: "Und Ihr wollt deutscher Meister sein?"

Hämischer Singsang der VfB-Anhänger, die wahrscheinlich selbst kaum glauben konnten, was sich in den 90 Minuten zuvor abgespielt hatte. Mit 4:1 hatte ihr Klub den alten und neuen Bundesliga-Champion bezwungen, den Münchnern die zweithöchste Bundesliga-Heimniederlage zugefügt, seit sie aus dem Olympiastadion nach Fröttmaning gezogen sind.

Nein, meisterlich war das tatsächlich nicht, bildete aber hervorragend ab, was geschehen kann, wenn bei einer Mannschaft zum Saisonfinale tatsächlich noch etwas auf dem Spiel steht, während die andere schon seit über einem Monat rechnerisch nicht mehr vom Thron zu stoßen ist.

"Wir haben schon unter der Woche gemerkt, dass es nicht einfach ist, wieder auf Touren zu kommen", stellte Mats Hummels, der mit weißem T-Shirt unter feinstem bordeauxroten Zwirn vor die Journalisten trat, fest und schob nach: "Da war einfach ein bisschen die Luft raus." Der Innenverteidiger hatte sich für die obligatorische Meisterfeier chic gemacht, die im Anschluss bei Paulaner, ebenjenem Sponsor, der den Gerstensaft für die alljährlichen Bierduschen stellt, am Nockherberg stattfand. Katerstimmung also, noch bevor es überhaupt an die Krüge und Weingläser ging.

Stuttgart Bayern

Hummels‘ Analyse fasste das Geschehen treffend zusammen. Die Schwaben kamen einfach bissiger daher, zeigten sich darüber hinaus unglaublich effektiv. Das Konterspiel funktionierte beim Team von Coach Tayfun Korkut nahezu lehrbuchartig. Allen voran der überragende Anastasios Donis überlief die Hintermannschaft des Klassenprimus mehrfach im Alleingang.

Hummels im Interview: "Haben uns selbst ins Bein geschossen"

Der FCB hingegen schien mit den Gedanken bereits ganz woanders zu sein: Beim DFB-Pokalendspiel, das kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird. Dann werde man "ein anderes Gesicht zeigen", wie Hummels mit Hinblick aufs Finale prophezeite.

Ulreich über Frankfurt: "Eine eklige Mannschaft"

Auch Torhüter Sven Ulreich wollte die Niederlage gegen seinen Ex-Verein nicht zu hoch bewerten, mimte aber gleichzeitig den Mahner: "Ich denke, das ist schon wieder vergessen, sollten wir in der nächsten Woche den DFB-Pokal gewinnen", sagte er in der Mixed-Zone nach der Partie und ergänzte: "Wir müssen in den nächsten Tagen fokussierter arbeiten, uns besser konzentrieren."

Die SGE sei nämlich eine "eklige Mannschaft", die "defensiv sehr gut steht, enorm zweikampfstark ist." Trainer Jupp Heynckes verriet auf der Pressekonferenz dahingehend: "Wir werden uns ab Dienstag optimal vorbereiten. In Berlin wird eine andere Mannschaft spielen als heute. Das Spiel schmälert die überragende Saison aber nicht."

Generell gaben sich die Bayern-Profis im Anschluss an die Pleite aber ungewohnt wortkarg, die üblichen Redner, namentlich Joshua Kimmich, Sandro Wagner oder Robert Lewandowski, huschten an den Reportern vorbei, kommunizierten, dass sie sich für die Feier fertigmachen müssten.

Die sollte aber gar nicht zu exzessiv ausfallen, machte Ulreich klar. "Jeder ist Profi genug und jeder weiß, dass wir noch eine anstrengende und wichtige Woche vor uns haben. Man darf natürlich genießen und die Seele ein bisschen baumeln lassen."

Hummels: "Bei mir wird es kürzer, etwas ruhiger"

Hummels, der sich kurz vor Schluss in einem Zweikampf mit Donis am Fuß verletzt hatte, sagte: "Ich persönlich werde ein reduzierteres Programm fahren mit meinem Fuß. Wir werden einen schönen Abend verbringen, bei mir wird es kürzer, etwas ruhiger."

"Ich denke schon, dass viele heute schon angemessen feiern“, verriet er abschließend mit einem Augenzwinkern, um sich danach auf den Weg in Richtung Mannschaftsbus zu machen.

David Alaba FC Bayern München

Vermiesen ließ man sich den Saisonabschluss tatsächlich nicht. David Alaba trat im karierten Zweireiher auf, progressiv kombiniert mit kurzer Anzughose und weißen Sneakern. Kimmich schmetterte im klassischen weißen Hemd einige Gassenhauer und Arjen Robben erschien, quasi als eingebayerter Niederländer, in Lederhosen.

Also vielleicht doch ein verkaterter Sonntagmorgen bei dem ein oder anderen Bayern-Star? Dann sollte die Pleite gegen den VfB tatsächlich die beste Medizin sein, dürfte sie doch sicherlich als Wachmacher dienen. Für den letzten großen Gipfel der Spielzeit 2017/18. Erfahrungsgemäß ist der Rekordmeister in solchen Spielen, in diesen Begegnungen, wo es um etwas geht, auf den Punkt da. Ob er am kommenden Samstag erneut im Konfettiregen duschen darf? Vermutlich.  

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