Englands Shootingstar Rhian Brewster: Der Junge, der weiß, was er will

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Er erholte sich schnell vom schlimmsten Rückschlag seiner jungen Karriere. Nun hat Brewster die Chance zur Revanche – weil er sensationell drauf ist.
An den 19. Mai dieses Jahres wird sich Rhian Brewster noch lange erinnern. Viel trauriger als der Jungspund an diesem Freitagabend im Stadion Andelko Herjavec von Varazdin war, kann ein Sportler kaum sein. Auf denkbar unglückliche Art und Weise hatte Englands U17 das Finale der Europameisterschaft verloren. Brewster, gemeinsam mit dem heuten BVB-Juwel Jadon Sancho der große Star der Young Lions, spielte dabei eine maßgeblich Rolle.

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Mit drei Turniertoren hatte Brewster England ins Endspiel geschossen, dort wartete Spanien und die Engländer führten in der 90. Minute mit 2:1. Der Triumph war zum Greifen nah, als der Assistent sechs Minuten Nachspielzeit anzeigte. Es kam, was kommen musste: Nacho Diaz traf nach einem Eckstoß in der 96. Minute für die Spanier, England verlor - natürlich - im Elfmeterschießen und ausgerechnet der treffsichere Brewster setzte dabei seinen Versuch an den Pfosten. Bedröppelt, wie ein Häufchen Elend, schlich der Youngster über den Rasen.

Brewster ist mit 17 Jahren bereits ein kompletter Stürmer

Ziemlich genau fünf Monate später nimmt Brewster wieder eine Hauptrolle ein, diesmal aber nicht die des tragischen Helden. Sondern die des Superstars der K.o.-Runde: Bei der laufenden U17-WM in Indien eskaliert der Liverpool-Stürmer förmlich. Nach einem Dreierpack im Viertelfinale gegen die USA (4:1) schoss er England erneut mit drei Treffern beim Sieg über Top-Favorit Brasilien ins Endspiel. Die Insel steht nach seiner überragenden Leistung am Mittwoch Kopf, der junge Angreifer sorgt für grenzenlose Euphorie.

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Einen Anteil daran hat Steven Gerrard. Wie Brewster verriet, nahm ihn die Reds-Ikone nach der Rückkehr von der EM im Frühsommer beiseite und sprach mit ihm über die negative Erfahrung. "Wir haben uns nach der Europameisterschaft unterhalten", sagte Brewster der offiziellen Webseite Liverpools: "Ich hatte ja meinen Elfmeter verschossen. Das Erste, was er mich fragte, war: 'Würdest Du nochmal antreten?' Ich sagte: 'Ja.' Und er meinte, so sei das richtig. Es sei besser, diesen Elfmeter jetzt zu vergeben als später in meiner Karriere. Vielleicht bei einer EM oder WM mit der A-Nationalmannschaft. Er riet mir, hart zu trainieren und den Fokus auf jeden einzelnen Elfmeter zu legen, den ich schieße. Einfach 100 Prozent in jeden Versuch zu legen."

Mittlerweile strotzt der 17-Jährige wieder vor Selbstvertrauen. Das spürt man in jeder Aktion auf dem Rasen. Der 1,77 Meter große Rechtsfuß ist mit einer unglaublichen Schnelligkeit und Beweglichkeit gesegnet. Das macht ihn zu einem Alptraum für alle Gegenspieler. Er kann als Stoßstürmer aufgeboten werden, aber auch hängend agieren. Bemerkenswert: sein enormer Aufwand und sein hoher Aktionsradius. Dazu gesellt sich seine bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit. Mit sieben Treffern führt er aktuell die Torjägerliste der WM an. Für Liverpools Junioren glänzt er nicht nur als Torjäger, sondern auch als Assistlieferant: Drei Treffer und vier Vorlagen steuerte er in sechs Saisonspielen bisher bei.

So klar und schnörkellos, wie er auf dem Feld mit Zug zum gegnerischen Tor agiert, so direkt ist er auch abseits des Rasens. Brewster weiß, was er will und er verfolgt einen klaren Plan. Und wenn in dem vorgesehen ist, die Heimat zu verlassen, dann zieht er das eben durch.

Beim FC Chelsea sah er keine Perspektive

Vor drei Jahren traf er eben diese Entscheidung. In London geboren, kickte er in der Jugend des FC Chelsea. Er blickte in die Zukunft und war vom Durchlass von den Junioren zu den Profis bei seinen Blues wenig begeistert. So entschied er sich, die englische Hauptstadt zu verlassen und in den Norden zu ziehen, zum FC Liverpool. Eine Entscheidung, die allein auf der Tatsache basierte, dass für Brewster bei den Reds die Talente besser gefördert werden.

"Ich kam im Alter von sieben Jahren zu Chelsea und spielte dort, bis ich 14 war", erinnerte der Teenager sich. "Ich sagte dem Verein, dass ich mich mit meinen Optionen beschäftigte und dass ich bei Chelsea keine Chance sah, zu einem Spieler der ersten Mannschaft zu werden. Es gab einige interessierte Klubs. Als ich erfuhr, dass Liverpool darunter war, war es eine einfache Entscheidung."

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Er begründete dies so: "Liverpool ist ein Verein, der jungen Spielern Chancen gibt, und es fühlt sich toll an, für diesen Klub zu spielen. Alles, was ich will, ist, eines Tages für Liverpools Profis zu spielen. Ich werde alles dafür geben, damit das passiert. Wenn das zum Beispiel Extraschichten im Training sind, werde ich sie einlegen. Und wenn es bedeutet, nicht mit Freunden auszugehen, mich gesund zu ernähren und jeden Tag hart zu arbeiten, dann werde ich auch das tun."

Noch hat er sein großes Ziel nicht erreicht, aber er ist auf einem guten Weg. Cheftrainer Jürgen Klopp gilt als Fan des Stürmers und in der vergangenen Saison nominierte er ihn erstmals für den Kader beim Heimspiel gegen Crystal Palace. Und nach dem Ende der Spielzeit durfte er bei einem Freundschaftskick in Australien gegen den FC Sydney ran.

Jürgen Klopp schwärmt von seinem Juwel

Klopp sagte dem Liverpool Echo über den Angreifer: "Ich verfolge ihn seit über einem Jahr. Wie andere Spieler seines Alters wächst auch er. Das ist gut. Er ist körperlich fit, technisch begabt und ein starker Stürmer. Ein echter Vollstrecker, der fantastisch arbeitet. Er ist auf einem guten Weg und ein guter Junge."

 

With @sterling7 and @ec2323 2day @ training 💯💯⚽️⚽️

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Bei der laufenden Junioren-Weltmeisterschaft beeindruckt Brewster nun nicht nur den Reds-Coach, sondern die gesamte Öffentlichkeit. Englands Medien sind voll von Geschichten über das neue Wunderkind. Der Gepriesene selbst will davon wenig wissen. Er hat nur eines im Sinn: die Scharte vom 19. Mai auswetzen.

Und wie das Schicksal es will, könnte die Gelegenheit dazu nicht besser sein: Im WM-Finale am Samstag treffen die Young Lions ausgerechnet auf Spanien. Falls es erneut zum Elfmeterschießen kommen sollte, ist eines klar: Rhian Brewster wird antreten.

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