Einzelkritik Deutschland 7:6 Italien (n.E.) - Hummels überragt, Neuer als Elfer-Killer

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Deutschland und Italien egalisieren sich im Klassiker fast 120 Minuten. Das Elfmeterschießen bringt die Entscheidung zugunsten der DFB-Elf. Die Einzelkritik.

DEUTSCHLAND

Manuel Neuer (Tor, Wertung 4/5): Der Welttorhüter war nahezu das komplette Spiel beschäftigungslos und musste nach einem sicher verwandelten Elfmeter von Bonucci doch hinter sich greifen. Im Elfmeterschießen zeigte der Bayern-Keeper dann wieder seine ganze Klasse und parierte den zweiten Elfmeter von Bonucci sowie den lasch geschossenen Versuch von Darmian.

Benedikt Höwedes (Abwehr, Wertung 3/5): Rückte überraschenderweise für Draxler in die Startelf, weil Bundestrainer Löw sich für eine Dreierkette gegen Italien entschieden hatte. Machte seine Aufgabe in der Defensive richtig gut, agierte aber fehlerhaft sobald er mit dem Spielaufbau konfrontiert wurde. Insgesamt aber ein solider Auftritt des Schalkers.

Mats Hummels (Abwehr, Wertung 4/5): Bärenstarkes Spiel vom Neu-Münchner auf der linken Seite der Dreierkette. Hummels machte den beiden Offensivkräften Pelle und Eder das Leben zur Hölle. Wird im Halbfinale aufgrund seiner zweiten Gelben Karte im Turnier fehlen. In seiner aktuellen Form nicht im Ansatz zu ersetzen.

Jerome Boateng (Abwehr, Wertung 3,5/5): Der Boss im Zentrum der Abwehrzentrum lieferte eine starke Leistung ab und man rieb sich verwundert die Augen, als Boateng mit einem unkonventionellen Abwehrversuch einen glasklaren Handelfmeter auslöste. Ließ sich aber auch im Anschluss zu keinem Zeitpunkt aus der Ruhe bringen.

Joshua Kimmich (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Begann gegen Italien auf dem Papier etwas offensiver als zuletzt und fand gut in die Partie. Gegen Ende der ersten Halbzeit schlich sich der ein oder andere schwerwiegende Fehler beim Youngster ein. Zunächst ließ er einen Ball unter der Sohle durchrutschen, später schaltete er zu langsam und hob das Abseits auf, woraus eine dicke Chance für Sturaro entstand. Nach vorne immer engagiert und beim Elfmeterschießen sehr sicher.

Toni Kroos (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Die Squadra Azzurra verstand es, den Dreh- und Angelpunkt der DFB-Elf auszuschalten. Sobald Kroos den Ball annahm, standen zwei Gegenspieler bereit, um ihn zu attackieren. Hatte ungewohnt viel Streuung in seinen Pässen, behielt vom Punkt gegen Buffon aber die Nerven. 

Sami Khedira (Mittelfeld, ohne Wertung): Bitter für den Juve-Spieler, dass es nach 16 Minuten nicht weiterging. Khedira scheint sich eine Adduktorenzerrung zugezogen zu haben und ist fürs Halbfinale - Stand jetzt - fraglich.

Jonas Hector (Mittelfeld, Wertung 3/5): Der phänomenale Aufstieg des Jonas Hector geht weiter. Erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft, sofort unangefochtener Stammspieler und nun auch noch mit dem entscheidenden Elfmeter ins Halbfinale. Der Kölner machte ein solides Spiel und ließ gegen den flinken Florenzi wenig zu. Bereitete den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 durch Mesut Özil vor.

Mesut Özil (Mittelfeld, Wertung 3,5/5): Es wird sich auch nach dem Spiel gegen Italien wieder jemand finden, der Mesut Özil kritisiert. Ein Tor und ein Pass, der technisch anspruchsvoller nicht hätte sein können, reichen aus, um diese Leute verstummen zu lassen.

Thomas Müller (Angriff, Wertung 2/5): Nicht sein Turnier. Klar, Müller ackerte, lief sich die Seele aus dem Leib und versuchte alles dafür, das Spiel vor dem Elfmeterschießen zu entscheiden. Vom Punkt versagten ihm dann zu allem Überfluss noch die Nerven. 

Mario Gomez (Angriff, Wertung 3/5): Da packt der Strafraumstürmer plötzlich einen Traumpass aus, der die komplette Italien-Defensive aushebelte. Der Geniestreich des Ex-Bayern leitete die Führung ein. Hätte kurz nach Özils Treffer nachlegen können, scheiterte aber freistehend am hervorragend parierenden Buffon. Musste verletzt ausgewechselt werden.

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Bastian Schweinsteiger (Mittelfeld, Wertung 3/5): Durfte schon ab Minute 16 mitmischen und zeigte, dass er durchaus in der Lage ist, 90 Minuten durchzustehen. Machte seine Sache im Mittelfeld sehr ordentlich, versagte allerdings im Elfmeterschießen.

Julian Draxler (Mittelfeld, Wertung 3/5): Kam für den verletzten Gomez ins Spiel und konnte seine Schnelligkeit gegen die dicht gestaffelte Abwehr der Azzurri nicht ausspielen. Hatte in der Verlängerung die große Chance, Müller perfekt zu bedienen, spielte aber zu ungenau. Im Elfmeter-Krimi nervenstark.

 

ITALIEN

Gianluigi Buffon (Tor, Wertung 3,5/5): Die Legende, der ewige Gigi, wird auch diesmal ohne EM-Titel nach Hause fahren. Trotz einer Glanzparade gegen Gomez und einem gehaltenen Elfmeter gegen Müller, hat es erneut nicht gereicht. Dennoch bewies er erneut, dass auch bei der WM in Russland 2018 locker mit ihm zu rechnen ist.

Andrea Barzagli (Abwehr, Wertung 3,5/5): Der älteste der Altmeister aus dem Abwehr-Dreigestirn. Der ehemalige Wolfsburger zeigte eine sehr solide Partie. Machte das, was er am besten kann. Verteidigen und kurze Pässe spielen. Auch Barzagli muss den Traum vom EM-Titel während seiner Karriere wohl begraben. Es sei denn, er spielt auch 2020 noch mit. Zuzutrauen wäre es ihm.

Giorgio Chiellini (Abwehr, Wertung 3/5): Gewohnt solide. Köpfte alles raus, was es rauszuköpfen gab und machte es Müller und Gomez schwer, die heißersehnte Lücke zu finden. Ging kurz vor Schluss von Krämpfen geplagt vom Feld.

Leonardo Bonucci (Abwehr, Wertung 3,5/5): Man könnte sagen, dass Bonucci der Ästhet unter den drei Holzfällern ist. In der Spieleröffnung heute weniger stark als gegen Spanien und Belgien. Hatte zwei Versuche vom Elfmeterpunkt. Traf den einen, verschoss den anderen. 

Alessandro Florenzi (Mittelfeld, Wertung 3/5): Ein laufintensiver Abend für den Wirbelwind der Roma. Hatte großes Interesse daran, sich mit ins Offensivspiel einzuschalten, musste jedoch auch unglaublich viel nach hinten arbeiten, weil Hector für seinen Teil ebenfalls sehr großes Interesse daran hatte, sich mit ins Offenspiel einzuschalten.

Marco Parolo (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Parolo ist einfach nicht der Spieler der ganz großen Momente. Nicht der Spieler der Zuckerpässchen. Parolo ist ein Arbeiter. Gegen Deutschland arbeitete er. Mehr aber auch nicht.

Stefano Sturaro (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Ersetzte den verletzten De Rossi und dessen gelbgesperrten Ersatz Thiago Motta. Holte sich die erste Gelbe Karte des Spiels und reihte sich ein, in ein gut funktionierendes Defensivkonstrukt von Conte. Kurz vor der Pause hätte der Juve-Mann die Squadra Azzurra in Führung schießen können.

Emanuele Giaccherini (Mittelfeld, Wertung 3/5): Umtriebig wie immer schwebte der von Chelsea umworbene Mittelfeldmann über den Rasen. Besonders zu Beginn sehr aktiv und beweglich, fiel hinterher jedoch etwas ab. 

Mattia De Sciglio (Mittelfeld, Wertung 3,5/5): Der 23-Jährige bereitete Kimmich einige Probleme. Egal ob offensiv oder defensiv: De Sciglio war seinem Gegenspieler in dieser Partie überlegen. Nagelte seinen Elfmeter humorlos unter die Latte. Ein weiterer, vielversprechender Auftritt des Linksverteidigers.

Eder (Angriff, Wertung 3/5): Hatte bei Boateng, Hummels und Höwedes einen schweren Stand und konnte seine Wendigkeit vor allem im ersten Durchgang kaum ausspielen. Versuchte viel, blieb aber desöfteren hängen. Hatte schon bessere Auftritte bei der EM - bei weitaus schwächeren Abwehrreihen.

Graziano Pelle (Angriff, Wertung 3/5): Machte trotz des Drucks der starken deutschen Dreierkette sehr viele Bälle fest, verarbeitete sie gut und leitete sie zum Nebenmann. Pelle tut dem italienischen Angriff wahrlich gut. Nur beim Elfmeterschießen fiel er negativ auf.

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Lorenzo Insigne (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Kam recht spät in die Partie und konnte keine großen Akzente mehr setzen. Schnappte sich als erster Italiener den Ball zum Elfmeterschießen. Traf sicher.

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Matteo Darmian (Abwehr, Wertung 2/5): Wurde spät ins Spiel gebracht und fiel lediglich dadurch aus, den entscheidenden Elfmeter zu verschießen.

Zaza (Angriff, ohne Wertung): Hatte genau eine einzige Ballberührung im ganzen Spiel. Mit dieser bugsierte er den Ball in den Oberrang. Beim Elfmeterschießen. Gibt gewiss bessere Abende.

 

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