Einzelkritik Deutschland 0:0 Polen - Offensive Enttäuschungen

Kommentare()
Imago
Die Angriffsreihe des DFB-Teams gab gegen Polen kein gutes Bild ab, auch beim Gegner war vor allem Milik eine Enttäuschung. Die Defensivreihen gefielen besser.

DEUTSCHLAND

Manuel Neuer (Tor, Wertung 3/5): Der Welttorhüter wurde nicht ein einziges Mal gefordert, musste keine Torwartparade zeigen. Ruhiger Abend.

Benedikt Höwedes (Abwehr, Wertung 2,5/5): Nach vorne zeigte er nur in den ersten Minuten einige Ansätze, ansonsten enttäuschte Höwedes offensiv auf ganzer Linie. Dafür hatte er seine rechte Seite im Defensivverhalten weitgehend im Griff, hatte mit sechs klärenden Aktionen die meisten auf deutscher Seite und gewann 80 Prozent seiner Zweikämpfe.

Jerome Boateng (Abwehr, Wertung 3,5/5): Wie eigentlich immer zeigte Boateng ein extrem gutes Stellungsspiel. Lediglich bei Miliks Mega-Chance (46.) stand er nicht optimal. Kurz darauf dann aber mit Monster-Grätsche gegen den einschussbereiten Lewandowski der Retter in der Not. Insgesamt ein gewohnt sicherer Auftritt des Abwehrchefs.

Mats Hummels (Abwehr, Wertung 3/5): Dem Neu-Münchner merkte man zu Beginn an, dass er nach Verletzung einige Minuten Findungsphase benötigte. Leistete sich früh einen Ballverlust gegen Lewandowski, der folgenlos blieb. Mit zunehmender Spieldauer dann immer gefestigter, sein Super-Tackling gegen Milik am Strafraumeck zu Beginn der zweiten Hälfte war enorm wichtig. Stark: 92,2 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler.

Jonas Hector (Abwehr, Wertung 2/5): Der Kölner wehrte sich auf links erfolgreich gegen die im ersten Spiel starke polnische rechte Seite. Der defensiven Aufmerksamkeit stand aber auch eine offensive Harmlosigkeit gegenüber. Wenn Hector mal zur Grundlinie ging, dann fehlte seinen Hereingaben die Präzision. Dazu mit 24 Ballverlusten die meisten im DFB-Team.

Sami Khedira (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Früh aufgrund eines taktischen Fouls mit Gelber Karte vorbelastet, legte Khedira ein eher unauffälliges Spiel hin. Der Turiner hatte zwar einige Abschlussaktionen aus der Distanz, verzog aber jeweils komplett. Gewann sehr ordentliche 63,6 Prozent seiner Zweikämpfe.

Toni Kroos (Mittelfeld, Wertung 3/5): War mit 130 Ballaktionen erneut das Drehkreuz des deutschen Spiels. Konnte diesmal aber nicht so beeindrucken wie im ersten Spiel. Kroos probierte zwar immer wieder, mit vertikalen Pässen durch das Zentrum die zündende Idee einzubringen, hatte damit aber nur selten Erfolg. Nach knapp 70 Minuten noch mit einem guten Schuss aus gut 20 Metern, der sein Ziel knapp verfehlte.

Thomas Müller (Mittelfeld, Wertung 2/5): Müller hatte seine stärkste Aktion, als er sich gegen Piszczek durchsetzte und dann Kroos eine gute Abschlussaktion ermöglichte (16.). Ansonsten wirkte der Münchner allerdings glücklos, strahlte kaum Gefahr aus. Opferte sich aber für das Team auf, bestritt mit 16 Zweikämpfen mannschaftsintern die meisten.

Mesut Özil (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Die letzte Konsequenz fehlte seinen Anspielen im Angriffsdrittel. Wenn es mal nach Gefahr aussah, traf Özil in der Regel die falsche Entscheidung. Beste Szene war seine Klasse-Einschusschance aus knapp 16 Metern (69.), als er am gut reagierenden Fabianski scheiterte.

Julian Draxler (Mittelfeld, Wertung 2/5): Schlug eine gute Flanke für Götze zur ersten Chance (4.). Es blieb Draxlers beste Aktion, der sich fortan vor allem beim Verzetteln von aussichtsreichen Kontersituationen hervor tat. Im Spiel gegen den Ball aber ordentlich, nach 72 Minuten durch Gomez ersetzt.

Mario Götze (Angriff, Wertung 2/5): Hatte mit einem Kopfball (4.) die erste Halbchance, war dann für den Rest der ersten Hälfte unauffällig. Zu Beginn der zweiten Halbzeit bot sich Götze im Strafraum eine gute Schussgelegenheit, aus der er deutlich zu wenig machte. Rieb sich zwar auf und führte viele Zweikämpfe (15), gewann aber nur 20 Prozent davon. Nach 65 Minuten musste er für Schürrle weichen.

Andre Schürrle (Mittelfeld, 65. Minute eingewechselt, Wertung 3/5): Brachte gleich Schwung, legte gut für Özils Großchance auf (69.). Der Wolfsburger war ein belebendes Element, zum großen Wurf reichte es aber auch bei ihm nicht.

Mario Gomez (Angriff, 72. Minute eingewechselt, ohne Wertung): Gomez sollte endlich den ersehnten Zielspieler geben, wurde aber von seinen Mitspielern nicht gefüttert. Trat nicht mehr in Erscheinung.

POLEN

Lukasz Fabianski (Tor, Wertung 3,5/5): Polens Keeper musste zunächst kurz nach der Pause bei einem harmlosen Abschluss Götzes eingreifen (47.). Seine Tat gegen Özil (69.) war dann weitaus spektakulärer, rettete seinem Team so das Remis.

Lukasz Piszczek (Abwehr, Wertung 3/5): Hatte zu Beginn defensiv hier und da noch Probleme, stellte sich dann aber gut auf das deutsche Spiel ein. Der Dortmunder gewann 70 Prozent seiner Zweikämpfe, hielt sich nach vorne jedoch zurück.

Kamil Glik (Abwehr, Wertung 2,5/5): Wirkte in der ersten Halbzeit nicht ganz sattelfest, brachte teilweise haarsträubende Anspiele in deutsche Füße an. Wurde allerdings nach und nach besser, hatte am Ende mit deren zehn die meisten klärenden Aktionen bei den Polen. Kurios: Glik führte keinen einzigen Zweikampf.

Michal Pazdan (Abwehr, Wertung 3,5/5): Immer wieder starkes Stellungsspiel, klärte häufig in wichtigen Situationen. Machte einen sehr guten Job, auch gegen den wendigen Götze behielt er meist die Oberhand.

Artur Jedrzejczyk (Abwehr, Wertung 2,5/5): Kaum am Ball (nur 19 Ballaktionen), beschränkte sich der Linksverteidiger komplett auf seine defensiven Aufgaben. Dabei gefiel er, gewann all seine drei Zweikämpfe.

Grzegorz Krychowiak (Mittelfeld, Wertung 3,5/5): Der Mann aus Sevilla beeindruckte als Staubsauger, unterband deutsche Konter immer wieder durch kluges Umschaltspiel. Zudem auch spielerisch überzeugend, führte 19 Zweikämpfe (die meisten bei Polen) und entschied davon 63,2 Prozent für sich.

Krzysztof Maczynski (Mittelfeld, Wertung 2,5/5): Fightete, was das Zeug hielt und war bei seiner Auswechslung in der 76. Minute laufstärkster Spieler der Polen. Machte neben Krychowiak auf der Sechs eine ordentliche Partie, spielerisch überhaupt nicht auffällig.

Kamil Grosicki (Mittelfeld, Wertung 3/5): Schöne Flanke für Miliks Riesenchance (46.). Auch bei Lewandowskis Beinahe-Gelegenheit per Kopf der Vorlagengeber. Einer der gefährlicheren Polen, deutete seine technische Klasse hier und da an.

Jakub Blaszczykowski (Mittelfeld, Wertung 2/5): Kuba hatte keine auffällige Szene in der Offensive. Häufig wich er nach innen aus, die Grundlinie erreichte er eigentlich nie. Brachte nur 62,5 Prozent seiner Pässe an den Mann, gefiel aber zumindest defensiv mit wertvoller Arbeit gegen Hector und Draxler. Nach rund 80 Minuten ging er ausgepumpt vom Platz.

Robert Lewandowski (Angriff, Wertung 2,5/5): Ackerte enorm viel, versuchte Druck auf Deutschlands Innenverteidiger auszuüben. Gefährliche Aktionen von Lewandowski gab es aber kaum, nach knapp einer Stunde wurde er in aussichtsreicher Position doch noch von Boateng gestoppt. Noch ist es nicht das Turnier des Bayern-Stars.

Arkadiusz Milik (Angriff, Wertung 1,5/5): Der ehemalige Augsburger vergab die Riesenchance kurz nach der Pause aus drei Metern kläglich. Auch in anderen Situationen wirkte er unentschlossen, semmelte zum Beispiel aus elf Metern über den Ball. Gebrauchter Abend trotz großen Einsatzes.

Artikel wird unten fortgesetzt

Tomasz Jodlowiec (Mittelfeld, 76. Minute eingewechselt, ohne Wertung): Half in der Schlussphase mit, das Resultat zu sichern.

Bartosz Kapustka (Mittelfeld, 81. Minute eingewechselt, ohne Wertung): Der Youngster bekam noch zehn Minuten Einsatzzeit, fiel aber nicht mehr auf.

Slawomir Peszko (MIttelfeld, 87. Minute eingewechselt, ohne Wertung): Der Flügelspieler durfte noch ein paar Minuten EM-Luft schnuppern.

Schließen