Durchmarsch? Von wegen! Weltmeister Deutschland stolpert in Polen

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Wer erwartet hatte, dass die EM-Qualifikation ein Spaziergang für den Weltmeister wird, sieht sich nach der Pleite gegen Polen eines Besseren belehrt.

ANALYSE
von Enis Koylu

Deutschland ist es nicht gewöhnt, Qualifikationsspiele zu verlieren. Über die Jahre marschierte die Elf von Joachim Löw regelmäßig ungeschlagen durch und qualifizierte sich, ohne einen Tropfen Angstschweiß zu vergießen, für die großen Turniere. Obwohl Polen immer als harter Gegner galt, rechnete der Weltmeister wohl auch beim Duell mit dem Nachbarland mit einem Sieg der leichteren Sorte. Doch die Hausherren schockten den Favoriten und fuhren einen überraschenden 2:0-Sieg ein.

Noch im September schien Löws Mannschaft unter einem WM-Kater zu leiden, unterlag bei der Revanche mit Final-Gegner Argentinien und konnte nur mit Mühe gegen Schottland gewinnen. In Polen war die DFB-Elf dagegen wieder nahe an der Bestform.

Angeführt von Thomas Müller erspielte sich der Weltmeister Chance um Chance, alleine, es war nicht genug. Müller ging ungewöhnlich verschwenderisch mit seinen Möglichkeiten um, Andre Schürrle war ineffektiv und Polen wehrte sich mit einer stabilen und mutigen Defensiv-Leistung. Die Innenverteidiger Tomasz Jodlowiec und Kamil Glik warfen sich mit aller Macht gegen das Aufbauspiel der Gäste und bewiesen, dass der Weltmeister mit dem vermeintlichen Underdog kein leichtes Spiel haben sollte.

Wenn Deutschland doch einmal das Bollwerk im Abwehrzentrum überwinden konnte, war spätestens beim überragenden Wojciech Szczesny Schluss. Nur einmal war der Torhüter des FC Arsenal geschlagen, doch der wuchtige Volley von Vereinskollege Lukas Podolski landete am Aluminium.

Mila sorgt für historischen Sieg

Polens Matchplan ging perfekt auf. Dortmunds Lukasz Piszczek fand auf der rechten Seite den nötigen Raum und bediente Leverkusens Arkadiusz Milik mit einer starken Flanke, die der Angreifer per Kopf verwertet. Ein Tor, das von Bundesliga-Spielern kreiert wurde, aber Deutschland schadete.

Während die Uhr gnadenlos tickte, warf der Weltmeister alles nach vorne, um den Ausgleich zu erzielen. Doch das Risiko, Mittelfeldspieler für Angreifer zu opfern, zahlte sich nicht aus. Sebastian Mila machte mit seinem Tor nach einem Konter alles klar.

Der Routinier von Slask Wroclaw gehört nicht zu den Spielern, deren Namen man in den Geschichtsbüchern erwarten würde, doch der Stürmer macht mit seinem Tor Polens ersten Sieg überhaupt gegen den Nachbarn perfekt und bescherte der Elf von Adam Nawalka einen Grund zu feiern.

 

Diese Niederlage macht den Umfang von Joachim Löws Aufgabe deutlich, der deutschen Elf ein neues Gesicht zu verleihen. Jede Mannschaft hätte Probleme, erfahrene und wichtige Spieler wie Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose zu ersetzen. Der Ausfall von Neu-Kapitän Bastian Schweinsteiger erschwert die Situation zusätzlich.

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Der Bundestrainer betonte regelmäßig, dass es in seinem Team keinen Mangel an Führungsspielern gebe, und verwies auf Müller, Toni Kroos, Mats Hummels und Mario Götze. Doch obwohl sich die jungen Spieler durchaus beweisen konnten, ist es kaum vorstellbar, dass ein Klose die Chancen, die Karim Bellarabi hatte, liegen gelassen hätte.

Nichtsdestotrotz will man im deutschen Lager die unerwartete Niederlage nicht dramatisieren und bleibt optimistisch. Am Dienstag kann die DFB-Elf die Pleite mit einem Sieg gegen Irland korrigieren, um wieder Kurs auf die EM 2016 zu nehmen. Die nötige Qualität ist schließlich unbestreitbar vorhanden.

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