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Nati-Star Xherdan Shaqiri betont: "Die Schweiz hat mir alles gegeben"

10:37 MESZ 27.06.18
Xherdan Shaqiri Switzerland Serbia World Cup
Xherdan Shaqiri ist einer der wichtigsten Spieler der Schweiz. Der ehemalige Bayern-Profi hat einen langen Weg zurückgelegt.


HINTERGRUND
Das Streicheln und Küssen des Wappens, das Klopfen mit der Faust auf das Herz. Gesten, die viele Fußballer einsetzen. Mit Vorliebe, wenn eine Kamera auf sie gerichtet ist. Für Xherdan Shaqiri aber haben sie eine viel größere Bedeutung. "Die Schweiz", sagte der in Gjilan im Kosovo geborene Shaqiri einmal, "hat meiner Familie alles gegeben. Und ich versuche, alles für das Nationalteam zu geben."

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Es sind Emotionen, die schwer nachvollziehbar sind, wenn man in anderen Verhältnissen als Shaqiri aufgewachsen ist. Der heute 26-Jährige jedenfalls sagt, dass er an zwei Orten zu Hause ist. In der Schweiz - und im Kosovo. So lässt sich auch Shaqiris Doppeladler-Jubel im WM-Spiel gegen die Serben erklären , der kontrovers diskutiert wurde und zu einer Geldstrafe führte. Seine Herkunft ist ihm heilig, da blendet Shaqiri schon einmal jegliche Vernunft aus und lässt sich von seinen Gefühlen leiten.

Xherdan Shaqiris Eltern flohen vor dem Krieg im Kosovo in die Schweiz

Wie früher, als er als kleiner Junge in der Schweiz mit dem Fußballspielen begonnen hat. Seine Eltern waren mit den drei Kindern vor dem Krieg geflohen, die Familie lebte auf einem Bauernhof bei Basel. Eine Heizung gab es nicht, also "bin ich herumgelaufen, damit mir warm wird", erinnerte sich Shaqiri, der damals vier Jahre alt war.

An seinem siebten Geburtstag, knapp drei Monate nach dem WM-Finale 1998 zwischen Frankreich und Brasilien (3:0), hielt er das größte Geschenk in den Händen. Ein Trikot seines Idols Ronaldo ("der richtige Ronaldo"). Natürlich war das Brasilien-Shirt mit der Nummer neun ein Fake, aber "das war mir egal", sagte Shaqiri: "Das war der glücklichste Tag meines Lebens."

Fußball bedeutete ihm schon damals alles, Shaqiri trug das Ronaldo-Trikot voller Stolz im Park und wann immer es möglich war. Später spielte er beim FC Basel in der Jugend. Die Schule besuchte er zwar, aber eher aus Pflichtbewusstsein, nicht aus Überzeugung. "Dann ging alles ganz schnell", erinnerte sich Shaqiri: "Als ich 16 Jahre alt war, habe ich den Rasen der Nachbarn gemäht, um mir das Trainingscamp in Spanien leisten zu können - und zwei Jahre später stand ich plötzlich bei der WM in Südafrika auf dem Platz."

Xherdan Shaqiri gewann 2013 mit Bayern München das Triple

Der damalige Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld hatte Shaqiri etwas überraschend nominiert. In Südafrika kam der Dribbler zwar nur kurz zum Einsatz, doch seine Karriere nahm Schwung auf. Der FC Bayern wurde auf Shaqiri aufmerksam und holte ihn nach München. Mit dem deutschen Rekordmeister sicherte sich Shaqiri 2013 das historische Triple, Trainer Jupp Heynckes nannte den Schweizer damals "einen echten Straßenfußballer".

 

Trotzdem verlief nicht alles geradlinig für Shaqiri, der unter Heynckes' Nachfolger Pep Guardiola keine Rolle mehr spielte und nun in England bei Stoke City sein Geld verdient. An seiner Einstellung ändert das alles nichts. Und noch immer trägt er die Flaggen des Kosovo und der Schweiz auf seinen Fußballschuhen. "Weil sie meine Geschichte erzählen", sagte Shaqiri und lächelte stolz.

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