DFB-Team gegen Italien: Den Reifeprozess besiegeln

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Deutschland ist reifer als vor vier Jahren, das soll Italien spüren. Bei Conte und Buffon ist der Respekt vor den Weltmeister groß, gar ein Hauch von Nervosität ist zu vernehmen.

Glaubt man dem, was so geredet und geschrieben wird, dann müsste es genau andersherum sein: Dann müsste die deutsche Nationalmannschaft aufgrund der historischen Bilanz vor Italien zittern. Das Bild, das sich in den vergangenen Tagen abzeichnete und sich am Freitag auf der Abschlusspressekonferenz zuspitzte, ist aber ein anderes. Während die DFB-Elf vor dem EM-Viertelfinale nur so vor Selbstvertrauen strotzt, ist der Respekt auf Seiten der Squadra Azzurra größer denn je.

"Wir spielen gegen einen unter allen Gesichtspunkten sehr starken Gegner. Sie sind besser als Spanien", sagte Antonio Conte und geriet regelrecht ins Schwärmen. Die deutsche Auswahl habe alles, was eine gute Mannschaft benötigt: Technik, Talent, physische Stärke, Organisation. "Sie sind für mich die kompletteste Mannschaft weltweit", fasste der Italien-Coach zusammen und sprach von einer "Hochphase der Geschichte des deutschen Fußballs".

Dieser smarte, charismatische Fußballlehrer, der in der kommenden Saison beim FC Chelsea auf der Trainerbank sitzen wird, könnte mit seiner Ausstahlung auch ganz hervorragend in einem Hollywood-Thriller mitwirken. Dort würde er vermutlich Al Pacino jagen, den Bösewicht. Conte wäre der aufstrebende, aufbrausende Staatsanwalt, Gianluigi Buffon seine rechte Hand, sein kongenialer Partner. Good Cop, Bad Cop. So in etwa. Nur würde das Drehbuch nicht aufgehen. Denn selbst Bad Cop Buffon, der auf der Pressekonferenz neben Conte auf dem Podium saß, gab sich ganz ehrfürchtig in den Katakomben des Marmut Atlantique im Norden von Bordeaux.

Buffon saß da, angespannt, im himmelblauen Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und verschränkten Armen. Als er nach Manuel Neuer gefragt wurde, war ausgerechnet ihm, der 38-jährigen Torwartikone, ein Hauch von Nervosität anzumerken. Mit seiner rechten Hand kopfte er immer wieder auf den Tisch, und sagte dabei: "Es wäre eine Beleidigung, ihn mit so einem alten Torwart wie mir zu vergleichen. Er hat in den vergangenen fünf Jahren in allen Bereichen herausragende Leistungen gezeigt." Ein Zitat mit symbolischem Charakter.


Italiens Keeper Gigi Buffon (M.) und DFB-Coach Jogi Löw beim Testspiel im März

Diese gigantische Achtung, die der Weltmeister von 2006 dem DFB-Team entgegenbrachte, sie wirkte nicht aufgesetzt, wenngleich man den gewieften Italienern auch das zutrauen würde, sie wirkte ehrlich. Während ganz Deutschland vom Angstgegner spricht, sehen sich viele Italiener - ob Experten, Journalisten oder Fans - als Außenseiter. 

Reifer als 2012

"Das ist natürlich ein Riesen-Kompliment für uns", sagte Mesut Özil zu Contes lobenden Worten, näher wollte er darauf nicht eingehen. Innerhalb der deutschen Mannschaft wisse man um die eigenen Stärken, versicherte der Mittelfeldmann vom FC Arsenal gleichwohl: "Das Wichtigste ist, dass wir morgen das Spiel gewinnen." Punkt. Wie Löw und seine Teamkollegen machte auch Özil einen selbstsicheren Eindruck.

"Selbstvertrauen", erwiderte der 27-Jährige auf Goal-Nachfrage, "haben wir ja immer schon gehabt. Wir haben sehr, sehr gute Spieler in unseren Reihen, die erfahren sind. Genauso junge, selbstbewusste Spieler. Das ist eine Super-Mischung. Man spürt diese Energie, dass wir erfolgshungrig sind. Jeder hat ein Ziel, und zwar Europameister zu werden." Dafür muss zunächst die Squadra Azzurra aus dem Weg geräumt werden.

Die Chancen stehen gut, "wenn wir unser Niveau abrufen", weiß Löw. Seine Schützlinge machen in diesen Tagen einen reiferen Eindruck als noch vor vier Jahren in Warschau, als es beim 1:2 im EM-Halbfinale die achte Turnier-Pleite gegen Italien setzte. 

"In der Historie war es so, dass wir gegen Italien bei Welt- und Europameisterschaften immer gescheitert sind", ist sich Özil bewusst: "Jetzt wollen wir beweisen, dass das auch anders geht. Wir haben das Potenzial, jede Nation schlagen zu können." Dem sind sich auch Conte und Buffon bewusst, darum ist der Respekt größer denn je. Die deutsche Auswahl muss den Reifeprozess nur noch besiegeln.

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