Reinhard Grindel macht als DFB-Präsident weiter: Pattex auf dem Chefsessel

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Viele hätten sich nach der Affäre um Mesut Özil einen Rücktritt des DFB-Präsidenten gewünscht. Stattdessen klebt er an seinem Sessel. Ein Kommentar.


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Am Donnerstagmorgen, also vier Tage nachdem Mesut Özil seine monumentale, eine ganze Nation aufwühlende Rücktrittserklärung verfasst hatte, die den Verband mit schweren Vorwürfen konfrontierte, veröffentlichte der DFB ein Statement seines Präsidenten Reinhard Grindel .

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Der DFB-Boss, unter dessen mittlerweile zwei Jahre andauernden Ägide das sportlich sowie gesellschaftspolitisch größte Desaster der deutschen Fußballgeschichte sich binnen weniger Wochen Bahn brach, räumt darin halbherzig seine eigenen Fehler ein. "Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar."

Eine Einsicht, die zu spät kommt, trug er doch selbst kurz nach der verheerenden WM in Russland mit seinen Aussagen dazu bei, dass Mesut Özil in der Folge als alleiniger Sündenbock an den Pranger gestellt wurde. Dem Zeitgeist hinterherjagend, forderte der ehemalige CDU-Politiker, dass der Weltmeister von 2014 doch noch nun endlich einmal Stellung zu den Fotos mit Türkeis umstrittenen Staatschef Recep Tayyip Erdogan beziehen solle. Weil das im Anschluss an das Vorrunden-Aus in Russland einfach en vogue war.

Grindel bekam seine gewünschte Stellungnahme. Eine Stellungnahme in drei Akten, die einen Flächenbrand auslöste, die sicherlich auch krude Anschuldigungen enthielt und angebrachte Selbstkritik vermissen ließ, allerdings auch mit Rassismusvorwürfen aufwartete, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Weil es in der Folge Kritik von allen Seiten hagelte, hält Grindel erneut das viel zitierte Fähnchen in den Wind, lässt eine Erklärung veröffentlichen, die ihn aus der Schusslinie nimmt, die ihn in das Licht des Saubermannes rücken soll. Unglaubwürdig wirkt sie dennoch, wenn man bedenkt, dass der Bundestagsabgeordnete 2004 im Hohen Hause davon sprach, dass Multikulti in Wahrheit "Kuddelmuddel" und eine "Lebenslüge" sei.

Statt Größe zu beweisen und seinen Stuhl zu räumen, um nach diesem beispiellosen Dilemma einen tatsächlichen Neuanfang beim DFB zu generieren, bleibt er an seinem Chefsessel kleben, drischt Phrasen, die vermitteln sollen, dass ab jetzt alles besser wird. Die Tatsache, dass der 56-Jährige sein Pöstchen an der Spitze des größten Fußball-Verbandes der Welt partout nicht hergeben möchte, zeugt von Bequemlichkeit – und suggeriert: Es bleibt doch alles beim Alten.

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