DFB-Debütant Hector: "Harry Hektik" genießt "unglaublich große Geschichte"

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Er hat erst elf Bundesliga-Spiele und wird am Freitag wahrscheinlich Nationalspieler: Doch Jonas Hector bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Berlin. Seinem ironischen Spitznamen "Harry Hektik" machte Jonas Hector bei seiner Ankunft in der Nationalmannschaft alle Ehre. Ganz in Gedanken betrat er das Teamhotel in Berlin, die Autogrammjäger ignorierte er. Wahrscheinlich war ihm gar nicht bewusst, dass sie auf ihn gewartet haben.

"Er ist ein zurückhaltender, ruhiger Junge. Aber wir werden versuchen, ihn ein wenig aufzupushen", sagte Lukas Podolski, der bis dato letzte Nationalspieler des 1. FC Köln. Jonas Hector wird am Freitag gegen Gibraltar (20.45/LIVE im GOAL-Ticker) wohl der nächste werden. Er nennt dies alles "unfassbar" und eine "unglaublich große Geschichte". Er habe gerade mal elf Bundesliga-Spiele, und nun sei er "umgeben von lauter Weltmeistern".

Doch auch all das sagt Hector mit ruhiger Stimme. Zum Durchdrehen gibt es keinen Grund. Den 24-Jährigen, der vor zwei Jahren in der vierten Liga kickte, aus der Ruhe zu bringen, ist fast unmöglich. Deshalb nannte ihn sein ehemaliger Kölner Mitspieler Maurice Exslager einst "Harry Hektik". Ein Name, der so gut passte, dass ihn beim FC inzwischen fast alle so nennen.

Senkrechtstarter ohne Starallüren

Als er in der vergangenen Woche von Bundestrainer Joachim Löw zur Nationalelf eingeladen wurde, feierte Hector dies mit Kindersekt. "Da muss er noch ein bisschen nachlegen", meinte sein Mannschaftskollege Matthias Lehmann schmunzelnd. Als er das Klubheim Richtung Berlin verließ, hatte Hector seine Sachen in eine schlichte weiße Tüte eines Ladens für Karnevals-Zubehör gepackt.

Die große Show und die großen Gesten sind nicht seine Sache, Hector macht einfach ganz unaufgeregt sein Ding - und genau das schätzen seine Förderer an dem bodenständigen Saarländer, der auch als Erstliga-Profi und kommender Nationalspieler nebenher an der rheinischen Hochschule in Köln BWL studiert.

Neuling mit viel Lob - selbst vom Erzrivalen von der anderen Rheinseite

FC-Trainer Peter Stöger nennt ihn den "idealen Profi ohne Star-Allüren", Stögers Vorgänger Holger Stanislawski lobte, dass "Jonas immer läuft, bis er sich selbst auf die Zunge tritt". Löws Assistent Thomas Schneider lobte ihn schon nach zwei Trainingstagen als "aufgeräumt, einfach ein guter Typ", der im Training absolut überzeugt habe.

Als er in seinem zweiten Training mit der DFB-Elf am Mittwoch einen Ball aus kurzer Distanz mit voller Wucht ins Gesicht bekam, schüttelte er sich kurz und stand auf. "Selbst als Leverkusener darf ich sagen, dass er ein anständiger Junge ist", meinte Lars Bender schmunzelnd.

Dass er durchaus auch Humor hat, bewies Hector, als er nach der Nominierung erzählte, es sei "etwas schade, dass ich den 11.11. verpasse" und bekannte, dass er sich selbst auf der Playstation nie einsetze: "Da ist der Hector immer zu schlecht."

Geflunkert hat der Kölner allerdings, als er vor der Anreise erzählte, dass er bei der Nationalelf "ja keinen persönlich kennt". Podolski, der sich als Führungsspieler und eingefleischter Kölner wohl gleich doppelt in der Pflicht sah und sich direkt des Neulings annahm, und Benjamin Kugel, beim DFB und dem FC Fitness-Trainer kenne er ja doch, stellte er am Dienstag fest.

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Und eigentlich müsste er sich auch noch an Thomas Müller und Toni Kroos erinnern. Mit ihnen trainierte er nämlich 2009, als er in der 2. Mannschaft von Bayern München vorspielte. Der Rekordmeister bemühte sich damals ebenso um ihn wie Eintracht Braunschweig, der SC Freiburg, der VfB Stuttgart, der VfL Bochum und 1899 Hoffenheim. Hector entschied sich für Köln. "Weil sie sich am meisten um mich bemüht haben", und weil es am nächsten an der Heimat war.

Im Nachhinein war es wohl die richtige Entscheidung. Aber Grund zur Aufregung ist das noch lange nicht.

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