Der Terminator und der Prellbock: Moussa Marega und Vincent Aboubakar schießen die Primeira Liga kurz und klein

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Getty / Goal
Zwei Afrikaner schießen den FC Porto von Sieg zu Sieg. Sie bilden längst eines der besten Sturmduos in Europa.


HINTERGRUND
Sie haben mehr Treffer auf dem Konto als Raheem Sterling und Sergio Agüero, als Gonzalo Higuain und Paulo Dybala, als Nabil Fekir und Mariano Diaz und als Ciro Immobile und Luis Alberto: All diese Sturmduos haben in der laufenden Saison weit mehr als 20 Treffer erzielt und doch liegen sie teils weit hinter zwei Scharfschützen des FC Porto: Moussa Marega und Vincent Aboubakar.

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Mit der Urgewalt einer Dampfwalze pflügen die beiden aktuell durch die Liga NOS. Sie haben jeweils 14 Treffer auf dem Konto. Nur zwei Sturmduos in Europa weisen eine bessere Bilanz auf: Lionel Messi und Luis Suarez vom FC Barcelona und Edinson Cavani und Neymar (PSG). Sie stehen jeweils bei 30 Gesamt-Treffern.

Vor 34 Jahren hatte Porto mal ein besseres Sturmduo

Während Messi, Neymar und Co. regelmäßig die Schlagzeilen beherrschen, fliegen Marega und Aboubakar allerdings medial unter dem Radar. Dabei sind sie der Hauptgrund dafür, dass der FC Porto nach einer fünfjährigen Durststrecke erstmals wieder gute Karten hat, portugiesischer Meister zu werden. Und in der Champions League wartet im Achtelfinale der Kracher gegen den FC Liverpool.

GFX Scoring Duos

28 Tore eines Sturmduos - eine solch gute Ausbeute am 17. Spieltag gab es in Porto seit der Saison 1999/00 nicht mehr, als Mario Jardel und Capucho bei 28 Treffern standen. Der Unterschied dabei: Goalgetter Jardel alleine war für 25 Tore verantwortlich. Marega und Aboubakar dagegen sind gleichermaßen effizient und ausgeglichen erfolgreich. Um ein Sturmduo zu finden, dass eine noch bessere Ausbeute aufweist, muss man in Porto gar 34 Jahre zurückgehen: 1984/85 schafften Fernando Gomes (23) und Jaime Magalhaes (8) 31 Treffer in den ersten 17 Partien.

Was also ist das Erfolgsgeheimnis der beiden Stürmer, die ihre erste Saison Seite an Seite spielen und auf Anhieb so grandios harmonieren? Zwei Männer sind da von entscheidender Bedeutung: Der eine ist Yacine Brahimi. Auch er stammt aus Afrika und ist das geniale Gehirn in Portos Angriffsspiel. Fast jeder Angriff der Dragoes läuft über den trickreichen Algerier, der so gerne von der linken Seite nach innen zieht. Auch er hat schon zwölf Scorerpunkte gesammelt und ist ein Faktor dafür, dass Porto mit 45 Treffern insgesamt den besten Angriff der Liga stellt. Brahimi versteht sich mit Marega und Aboubakar prächtig und weiß, wann er sie steil schicken kann oder ihnen den Ball in den Fuß spielen muss.

Dann ist da noch Sergio Conceicao, der Drei-Tore-DFB-Albtraum von der Europameisterschaft 2000. Der Ex-Nationalspieler übernahm Porto im Sommer. Der Frust war groß, wieder hatte Erzrivale Benfica den Titel gewonnen. Darüber hinaus waren viele FCP-Spiele schlichtweg langweilig anzuschauen gewesen.

Conceicao verpflichtete keinen Ersatz für Andre Silva

Conceicao stellte von Anfang an klar, dass er eine offensive Marschroute einschlagen wird. Als dann Top-Stürmer Andre Silva, der im Vorjahr 16 Treffer markiert hatte, für 38 Millionen Euro zum AC Mailand wechselte, entschied er sich, keinen neuen Angreifer als direkten Ersatz zu verpflichten. Vielmehr beorderte Conceicao die ausgeliehenen Marega (spielte in Guimaraes) und Aboubakar (war gerade mit Besiktas türkischer Meister geworden) zurück nach Porto.

Er formte aus ihnen ein tödliches Duo. Aboubakar gibt dabei die Sturmspitze. Mit seiner Physis ist das 1,84 Meter große Kraftpaket der ideale Prellbock im gegnerischen Sechzehner. Aboubakar kann Bälle gut "festmachen", wie es dieser Tage so gerne heißt, und hat ein exzellentes Gespür dafür, sich im Rücken seiner Gegenspieler für einen Steilpass zu lösen.

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Benni McCarthy stürmte 2003/04 für Porto, er gewann damals mit dem Klub die Champions League. Der Südafrikaner schwärmt bei DN von seinen Erben: "Sie sind jung und haben noch viele Jahre vor sich. Sie haben das Potenzial, später zu den besten Stürmern in Portos Geschichte zu werden." Er glaubt, dass das Spiel in Portugals Oberhaus ideal für Spieler aus Afrika ist: "Es ist die perfekte Meisterschaft für einen afrikanischen Spieler, durch die physische Stärke, die sie verlangt."

Aboubakar, der im vergangenen Herbst seinen Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängerte, gibt sich trotz der starken Leistungen bescheiden: "Mir ist das egal, wer die Tore schießt. Ich will nur spielen und meiner Mannschaft helfen. Ich danke meinen Mannschaftskameraden und meinem Trainer." Das mit dem Helfen klappt bei ihm auch in der Champions League gut, da hat er bereits fünfmal zugeschlagen und maßgeblich geholfen, RB Leipzig und Monaco aus dem Wettbewerb zu kegeln.

Manchester United hat angeblich Interesse an Marega

Während der Kapitän der kamerunischen Nationalmannschaft als Prellbock im Spiel der Conceicao-Elf fungiert, gibt Marega (Ausstiegsklausel liegt bei 40 Millionen Euro) als hängende Spitze dahinter eine Art Freigeist. Der 25-jährige Nationalspieler aus Mali ist ein Spätstarter, der 2013 noch in der dritten französischen Liga kickte, zwei Jahre später nach Porto wechselte dort im ersten Anlauf den Durchbruch nicht schaffte. Die Ausleihe nach Guimaraes tat ihm gut, längst ist er ein Torjäger der Spitzenklasse.

Vincent Aboubakar and Moussa Marega of FC Porto

Wegen seiner Wucht nennen sie Marega "den Terminator". Kein unpassender Spitzname, wenn man sieht, wie vielseitig und gleichzeitig eiskalt im Abschluss er ist. Manchester United und der FC Chelsea sollen seine Entwicklung mit Interesse verfolgen. Beide englischen Spitzenklubs sind auf der Suche nach einem Backup-Stürmer für ihre Torjäger Romelu Lukaku und Alvaro Morata.

Für den Moment hegen Marega und Aboubakar, auf den Atletico Madrid ein Auge geworfen haben soll, allerdings keine Abschiedsgedanken. Sie wollen vielmehr noch zwei große Ziele erreichen: Porto nach fünf Jahren wieder zum Titel schießen und den Rekord für die meisten Treffer eines afrikanischen Sturmduos in Europa brechen: Dieser stammt aus der Saison 1993/94, als Rashidi Yekini und Chiquinho Conde für Vitoria Setubal, ebenfalls in Portugal, gemeinsam 37 Tore erzielten.

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